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Großes Forschungsprojekt will Westafrikas Ernährungssicherheit langfristig sichern

Donnerstag 11. April 2013 von birdfish

Der Klimawandel stellt in Westafrika eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dar.

WASCAL-MessstationAufbau einer WASCAL-Messstation zur Erhebung von Klimadaten in Ghana. Foto: WASCAL

Daher stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 16 Millionen Euro für die weitere Förderung der internationalen Klimaforschungsinitiative am West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use WASCAL zur Verfügung. WASCAL erforscht die Folgen des Klimawandels für die Land- und Wassernutzung, um Strategien gegen klimabedingte Risiken zu entwickeln.

Koordiniert wird das WASCAL-Programm am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. „Wir wollen WASCAL helfen, staatenübergreifende Expertise zu bündeln und eine Forschungsinfrastruktur aufzubauen, die den westafrikanischen Staaten ermöglicht, langfristig Ernährungssicherheit für die Bevölkerung zu schaffen und ökologische Ressourcen zu schonen“, erklärt Dr. Manfred Denich, WASCAL-Koordinator am ZEF. Um wirksame Schutzmaßnahmen gegen klimabedingte Risiken in Westafrika zu entwickeln, geht WASCAL mehrere Wege: Seit 2012 wird ein Kompetenzzentrum in Ouagadougou (Burkina Faso) aufgebaut.

Ausbildung regionaler Klimaexperten
Von hier aus werden regionale Forschungsaktivitäten koordiniert und Daten gesammelt. Es dient regionalen Politikern, Praktikern und Experten als Ansprechpartner für Klimafragen. Eine weitere Maßnahme ist die Ausbildung regionaler Klimaexperten. Dazu wurde ein umfassendes Graduiertenprogramm ins Leben gerufen und innerhalb von zwei Jahren konnten bereits sechs Doktorandenprogramme und zwei Masterprogramme an regionalen Universitäten etabliert werden. Die Zahl der WASCAL-Studenten liegt derzeit bei über 110. Zwei weitere Masterprogramme starten im Oktober 2013.

Doktorand möchte Folgen des Klimawandels mildern
Stephen A. Adaawen, WASCAL-Doktorand aus Ghana und derzeit am ZEF, beobachtet die Folgen des Klimawandels in seiner Heimat. Seit seiner Kindheit in Nordghana verschieben sich die Regenzeiten und es wird heißer. Die Bevölkerung lebt größtenteils von der Landwirtschaft und ist vom Klima abhängig. „Mit meiner Forschung möchte ich einen Beitrag zur Lösung der Folgen des Klimawandels leisten, von denen mein Land und meine Familie direkt betroffen sind“, betont Adaawen.

Zehn westafrikanische Staaten sind an WASCAL beteiligt
WASCAL wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Partnerschaft mit den Regierungen und Ministerien der beteiligten Mitgliedsländer initiiert und wird vom BMBF insgesamt mit 50 Millionen Euro gefördert. An WASCAL sind zehn westafrikanische Staaten beteiligt: Benin, Burkina Faso, Gambia, Ghana, Elfenbeinküste, Mali, Niger, Nigeria, Senegal und Togo. Die Koordination des Projektes liegt beim Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. 2010 startete die Planungs- und 2012 die Umsetzungsphase. Neben den westafrikanischen Partnern sind Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland beteiligt.

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Forschungsprojekt ‘SIGNAL’ – Klimawandel vorbeugen, Grünland in Europa erhalten

Dienstag 19. März 2013 von birdfish

Die ökologische Leistungsfähigkeit, die Artenvielfalt und auch die landschaftliche Schönheit des Grünlands in Europa zu schützen – mit diesem Ziel haben sich Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus acht europäischen Ländern im Forschungsprojekt “SIGNAL” zusammengeschlossen.

Wissenschaftlerinnen aus acht europäischen Ländern tagten zum KlimawandelWissenschaftler/innen aus acht europäischen Ländern tagten zum Klimawandel. Foto: Dr. Jürgen Dengler / Uni Bayreuth

Die Koordination des Gesamtprojekts, das von der EU mit 1,5 Millionen Euro gefördert wird, liegt bei Prof. Dr. Anke Jentsch, Professorin für Störungsökologie an der Universität Bayreuth und Mitglied des Bayreuther Zentrums für Ökologie und Umweltforschung (BayCEER). Zur Auftaktveranstaltung Mitte März 2013 waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Partnereinrichtungen nach Bayreuth gekommen.
Die Projektpartner teilen die Einschätzung, dass der Klimawandel in Europa extreme Wetterereignisse verursachen und die Stabilität des europäischen Grünlands nachhaltig gefährden könnte – vor allem im Zusammenhang mit dem Vordringen invasiver Arten. Die Schönheit des Landschaftsbildes, die Neubildung von Grundwasser, die Filterung von Schadstoffen, die Speicherung wertvoller Nährstoffe und die Bereitstellung von Grünfutter sind zentrale Funktionen des Grünlands, das immerhin rund die Hälfte aller landwirtschaftlich genutzten Flächen in Europa ausmacht. Umso schwerwiegender wären die Folgen, wenn diese ökologischen Serviceleistungen infolge langanhaltender Dürreperioden oder einwandernder Pflanzen dauerhaft gestört würden.

“Derartige Entwicklungen sind aber kein unvermeidliches Schicksal”, erklärt Projektleiterin Anke Jentsch. “Im Projekt SIGNAL wollen wir vorbeugende Konzepte und Maßnahmen erarbeiten, die geeignet sind, drohende ökologische Schäden abzuwenden oder jedenfalls abzuschwächen. Große Hoffnungen setzen wir dabei auf das Potenzial der Artenvielfalt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres ersten Arbeitstreffens waren alle hochmotiviert, sich dieser Herausforderung zu stellen. Dabei geht es letztlich darum, auf der Basis verlässlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, die sich an staatliche Behörden auf europäischer, nationaler oder regionaler Ebene oder an Nichtregierungsorganisationen richten. Damit wollen die Projektpartner eine aktive Öffentlichkeitsarbeit verbinden und Möglichkeiten zu Handlung und Verantwortung aufzeigen. Die Menschen sollten besser als bisher darüber informiert werden, was in der Land- und Forstwirtschaft oder im Umwelt- und Naturschutz vorbeugend getan werden kann, um die Lebensqualität in Europa unter den Bedingungen des Klimawandels möglichst zu erhalten.”

Vorbeugende Maßnahmen, die künftig im SIGNAL-Projekt entwickelt werden, konzentrieren sich vor allem auf drei Faktoren: die Entwicklung der Biodiversität auf den Grünlandflächen; die Rolle von stickstofffixierenden Hülsenfrüchten und invasiven Arten; schließlich auch landwirtschaftliche Techniken, die womöglich alte Formen der Landnutzung auf neue Weise realisieren. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bei SIGNAL mitarbeiten, bringen zahlreiche Erfahrungen aus internationalen Projekten zur Klimawandelforschung mit. Sie kommen aus acht europäischen Ländern, auf die besonders hohe Anteile der europäischen Grünlandflächen entfallen: aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz, der Türkei und Ungarn.

An der Universität Bayreuth werden insbesondere die Experimente zur Biodiversität und Klimawandel konzipiert, die für das SIGNAL-Projekt von zentraler Bedeutung sind. Diese Untersuchungen wären nicht möglich ohne die Forschungsflächen im Ökologisch-Botanischen Garten auf dem Bayreuther Campus. Hier können extreme Wetterereignisse mit hoher Genauigkeit simuliert und auf ihre Folgen hin analysiert werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Bayreuther Auftaktveranstaltung zeigten sich beeindruckt von dieser Infrastruktur, die im Rahmen von SIGNAL auf andere europäische Länder übertragen werden soll. Sie wird einen gewichtigen Beitrag zur Erforschung von Klimawandelfolgen leisten.

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Germanwatch erarbeitet Rahmenbedingungen zur Nutzung afrikanischen Energiepotenzials

Freitag 15. März 2013 von birdfish

Die Sicherstellung des Nutzens, der sich im Rahmen des DESERTEC-Konzepts für die lokale Bevölkerung in Nordafrika und dem Mittleren Osten (MENA) ergeben soll, und der gerechte Umgang mit Fragen des Eigentums und der Beteiligung sind unabdingbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Durchführung der „Energiewende“ im südlichen Mittelmeerraum.

Cover Springtime

Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen in der MENA-Region muss es daher bei der Umsetzung von DESERTEC neben Wirtschaftlichkeit, langfristiger Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit auch um Verteilungsgerechtigkeit, Sozialverträglichkeit und Beteiligungs- bzw. Mitbestimmungsmöglichkeiten – also um soziale und entwicklungspolitische Dimensionen – im lokalen Kontext gehen.

Vor diesem Hintergrund hat Germanwatch das Briefing Papier „It’s Springtime in the Desert – Safeguarding the Sustainable Implementation of the DESERTEC Concept” erstellt. Die beiden Autoren Boris Schinke und Jens Klawitter erarbeiten und diskutieren darin die Entwicklung eines Nachhaltigkeitsrahmenwerks für die interkontinentale Nutzung des nordafrikanischen erneuerbaren Energienpotenzials  – wie sie im Rahmen des DESERTEC-Konzepts geplant ist.

Mit dem Ziel, Risiken auf der Projektebene zu vermindern und Chancen für die lokale Bevölkerung im MENA-Raum zu fördern, bietet das Papier einen Diskussionsanstoß für eine interregionale Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Europa und der MENA-Region zur nachhaltigen Umsetzung des DESERTEC-Konzepts.

Aus Sicht der Autoren ist eine engere interkontinentale Zusammenarbeit im Rahmen eines Multistakeholder-Dialogs zur Erstellung eines übergeordneten Nachhaltigkeitsrahmens für DESERTEC unbedingte Voraussetzung dafür, dass sich DESERTEC zu weit mehr als einem reinen Energieinfrastrukturkonzept entwickelt und seinem entwicklungspolitischen Nachhaltigkeitsanspruch – ökonomisch, ökologisch und sozial – gerecht wird.

Publikation ‘It’s Springtime in the Desert’ (PDF, englisch)

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Green Climate Fund soll zentrales Instrument im Kampf gegen den Klimawandel werden

Mittwoch 13. März 2013 von birdfish

Vom 12. bis zum 15. März trifft sich in Berlin der Vorstand des Green Climate Fund (GCF) zu seinem dritten Treffen.

WüsteWüste bei Pakistan: Dürre und Überschwemmung sind Klimawandel-Folgen – Foto: Matthias Jäger / pixelio.de

Dies ist die erste Zusammenkunft nach dem 18. UN-Klimagipfel in Doha und der Entscheidung im letzten Oktober, dass der GCF dauerhaft seinen Sitz in Südkorea – und nicht in Bonn – haben soll. Bei den Beratungen in Berlin stehen zentrale Fragen auf der Agenda: Wie kann der Fonds den notwendigen Paradigmenwechsel in Richtung Entwicklung mit wenig Emissionen in Entwicklungsländern unterstützen?  Wie kann der Zugang dieser Länder zu den Mitteln des Fonds geregelt werden? Wie kann der Privatsektor einbezogen werden? Auch sollen weitere Regelungen für den Einbezug der Zivilgesellschaft beschlossen werden.

Für Germanwatch beobachtet Sven Harmeling, Teamleiter Internationale Klimapolitik, das Treffen: “2013 wird zu einem Schlüsseljahr für den Green Climate Fund, und dieses Treffen markiert den Auftakt. Der Fonds soll zu einem zentralen Instrument im Kampf gegen den Klimawandel werden. Er soll Entwicklungsländer bei der Vermeidung von Emissionen und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen. Fortschritte bei der Vorstandssitzung in Berlin sind dringend notwendig, damit der Fonds möglichst bald konkrete Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern fördern kann. In der Zukunft sollen jährlich zweistellige Milliardenbeträge über den Green Climate Fund abgewickelt werden. Die Industrieländer sollen hier einzahlen, etwa aus den Erlösen der Emissionshandels-Versteigerung. Aber auch Klimaschutzinstrumente für den internationalen Flug- und Schiffsverkehrs sollen Milliardeneinnahmen erbringen. Auf dem Klimagipfel Ende 2013 in Warschau sollten hierzu die ersten substanziellen Zusagen vorliegen.”

Zum vielfach diskutierten Einbezug des Privatsektors kommentiert Sven Harmeling: “Zentral sind im Klimaschutz Rahmensetzungen, die Investitionen privater Akteure für mehr Klimaschutz attraktiv machen. Die Mehrkosten der Rahmensetzung müssen international mitfinanziert werden. Es wäre aber eine Mogelpackung, wenn die Industrieländer sich die mobilisierten Investitionen des Privatsektors einfach auf ihre Zahlungsverpflichtungen anrechnen würden.”

Kritisch sieht Germanwatch die derzeit vorliegenden Vorschläge zum Einbezug der Zivilgesellschaft in die Arbeit des GCF. Sven Harmeling: “Der Vorstand berät über Vorschläge, die zum Ausschluss aller zivilgesellschaftlichen Organisationen führen könnten, die nicht direkt in der Projektumsetzung in Entwicklungsländern aktiv sind. Dies wäre eine vollkommen unakzeptable Einschränkung. Die Entwicklung eines solchen Fonds ist komplex und vielschichtig. Sie bedarf vielfältiger Expertise, nicht nur hinsichtlich konkreter Projektumsetzung.” Zudem sei es notwendig, ausgewählten Vertretern der Zivilgesellschaft die volle aktive Beteiligung an den Diskussionen des GCF-Vorstands zu ermöglichen. In einem zweiten Schritt müsse der Fonds auch Regelungen finden, um die wirkungsvolle Teilhabe der Zivilgesellschaft in den Ländern zu ermöglichen, in denen die Projekte umgesetzt werden.

Der GCF wurde durch Entscheidungen des UN-Klimagipfels in Cancún (2010) gegründet und ein Jahr später in Durban (2011) in wichtigen Aspekten operationalisiert. Er wird seinen dauerhaften Sitz in Songdo bei Seoul in Südkorea haben.

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Germanwatch: Die Emissionen begrenzen und Mittel für Klimafinanzierung generieren

Mittwoch 6. März 2013 von birdfish

Germanwatch präsentiert ein Positionspapier, in dem dargestellt wird, wie der Weg hin zu einem globalen Mechanismus zur Begrenzung von Luftverkehrsemissionen aussehen sollte und warum dessen Implementierung so wichtig ist.

Cover Flugemissionen

Der Mechanismus sollte im Rahmen der Internationalen Organisation für Zivile Luftfahrt (ICAO), der innerhalb der UN zuständigen Organisation, von der Staatengemeinschaft verabschiedet werden. Neben dem Hauptziel der Emissionsreduktionen ist es wichtig, dass dieses Instrument Mittel für die internationale Klimafinanzierung generiert.

Positionspapier Emissionen im Flugverkehr (PDF)

Kurzpapier zur Bepreisung globaler Schiffs- und Flugemissionen (PDF)

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Führende Forschungseinrichtungen gründen das weltweite Netzwerk ‘Earth League’

Dienstag 19. Februar 2013 von birdfish

Führende Forschungsinstitute aus mehr als zehn Ländern haben sich jetzt zur “Earth League” zusammengeschlossen.

Earth LeagueIn London wurde die ‘Earth League’ gegründet. Foto: Grantham Institute for Climate Change

Als weltumspannende Allianz herausragender Wissenschaftsvertreter aus der Klimaforschung und den Umweltwissenschaften bis hin zur Ökonomie konzentriert sich das Netzwerk auf planetarische Prozesse und Nachhaltigkeitsfragen. Die Earth League wird künftig im Jahresrhythmus zusammenkommen, um zu den drängendsten Zukunftsthemen fundierte Wissensgrundlagen für Entscheidungsträger zu erarbeiten.

“Die Menschheit verändert die Gestalt des Planeten Erde wie keine andere Spezies zuvor”, sagt Hans Joachim Schellnhuber, der als Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) einer der Initiatoren der Earth League ist: “Nur eine Große Transformation zur Nachhaltigkeit kann der Herausforderung durch den Klimawandel begegnen”. Von den Folgen der Erwärmung über die Ausbeutung natürlicher Ressourcen bis hin zu Wasserknappheit – die Mitglieder der Earth League werden Schlüsselfragen der Nachhaltigkeit definieren und Lösungswege aufzeigen. Als führende Wissenschaftsallianz will das Netzwerk damit eine “gemeinsame Stimme” im globalen Dialog um Nachhaltigkeitsfragen sein.

Neben PIK-Direktor Schellnhuber gehören unter anderem auch Ottmar Edenhofer vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), der britische Wirtschaftswissenschaftler Lord Nicholas Stern von der London School of Economics, Sir Brian Hoskins vom Grantham Institute for Climate Change am Imperial College London, Jennifer Morgan vom US-amerikanischen World Resouces Institute, Peter Schlosser vom Earth Institute der Columbia University, Xu Guanhua von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der mexikanische Chemie-Nobelpreisträger Mario Molina zu den internationalen Experten der Earth League. Vorsitzender des Netzwerks ist Guy Brasseur, Direktor des Hamburger Climate Service Center (CSC).

Weblink zur Internetseite der Earth League (engl.)

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UN-Sicherheitsrat wird von Schellnhuber zu Bedrohungen durch Klimawandel aufgeklärt

Freitag 15. Februar 2013 von birdfish

Weil der Klimawandel auf höchster internationaler Ebene zunehmend als Sicherheitsrisiko erkannt wird, haben Pakistan und Großbritannien Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ersucht, zu einer dreistündigen Diskussion mit Mitgliedern des UN Sicherheitsrats nach New York zu kommen.

Insel
Klimafolgen: Ernteausfälle und untergehende Inseln – Foto: A. Dreher / Pixelio

Thema des Treffens: „potentielle Bedrohungen durch mögliche nachteilige Auswirkungen des Klimawandels auf den Erhalt von Frieden und Sicherheit“. Es findet heute im UN-Hauptquartier statt. Generalsekretär Ban Ki-moon plant, daran teilzunehmen.

„Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht verringert wird, begibt sich die Menschheit auf den Weg in eine ungewisse Zukunft – sie wagt sich in eine Welt, die viel heißer ist als je zuvor in ihrer Geschichte“, sagt Schellnhuber, Direktor des PIK und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats globale Umweltveränderungen der deutschen Bundesregierung. „Aus der Sicht des Wissenschaftlers ist der Klimawandel deshalb ein Multplikator für Risiken, sie nehmen um ein Vielfaches zu.“

Viele Millionen Menschen könnten von den Folgen betroffen sein. Diese reichen vom Anstieg des Meeresspiegels, der die Häufigkeit schwerer Überflutungen erhöht, bis zu Veränderungen der Luftströmungen in der Atmosphäre, die beispielsweise Störungen des Monsuns auslösen könnten. „Es ist bemerkenswert, dass Pakistan und Großbritannien gemeinsam dieses Treffen einberufen haben“, so Schellnhuber. „Sie zeigen durch ihr Handeln, nicht bloß durch Worte, dass der Klimawandel ein Thema ist sowohl für Entwicklungsländer als auch für Industriestaaten.“

Klimawandel könnte gesellschaftliche Kipp-Dynamiken auslösen

Wenn die internationale Staatengemeinschaft es zulässt, dass die globale Mitteltemperatur deutlich über die von dieser Gemeinschaft vereinbarte Zwei-Grad-Grenze hinausgeht, könnten wichtige Kipp-Punkte in Natur und Umwelt überschritten werden. „Das Erdsystem reagiert nicht linear auf den Ausstoß von Treibhausgasen – Elemente wie der Regenwald des Amazonas könnten recht drastisch ihren Zustand ändern, wenn bestimmte Schwellenwerte der Erwärmung überschritten werden“, erklärt Schellnhuber.

„Dies könnte wiederum Kipp-Prozesse in den internationalen Beziehungen auslösen, die in der Krise zunächst etwas mehr Kooperation zeigen, bei einer Zuspitzung dann aber im scharfen Wettbewerb um natürliche Ressourcen stehen, etwa um Nahrungsmittel“, so Schellnhuber. „Allerdings ist auch eine andere Form gesellschaftlicher Kipp-Dynamik vorstellbar – mit Staaten und Völkern, die sich der bevorstehenden Gefahren bewusst werden, und die große Transformation zur Nachhaltigkeit beginnen.“ Ein kleines Beispiel hierfür könnte die deutsche Energiewende sein.

Schellnhuber ist der einzige Wissenschaftler, der zu dem UN-Treffen eingeladen wurde. Die anderen Gastredner sind Tony DeBrum, Regierungsmitglied auf den Mashall-Inseln, Rachel Kyte, Vize-Präsidentin für nachhaltige Entwicklung bei der Weltbank, und Gyan Acharya, Untergeneralsekretär und Hoher Repräsentant der am wenigsten entwickelten Länder. Diskutiert werden sollen unter anderem Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit, der Erhalt der Zusammenarbeit beim Management der Wasserversorgung angesichts von verringerten Abflüssen aus geschrumpften Gletschern, und mögliche große Migrationsbewegungen von Menschen über Grenzen hinweg.

Das informelle Treffen bei den Vereinten Nationen wird unter der so genannten Arria-Formel des Sicherheitsrats stattfinden; diese erlaubt es, externe Fachleute vor den Mitgliedern sprechen zu lassen. Diese Regelung wurde zum ersten Mal 1992 eingesetzt, durch den UN-Botschafter Venezuelas, Diego Arria. Seitdem hat sie beträchtliche Bedeutung gewonnen, weil sie dem Rat mehr Beweglichkeit erlaubt. Der Sicherheitsrat hat bislang zweimal das Thema Klimawandel beraten, einmal unter der Führung von Großbritannien und einmal unter jener Deutschlands. Das aktuelle Arria-Treffen könnte nun dazu beitragen, den Klimawandel als Sicherheitsthema auf der Agenda des Rats fest zu etablieren.

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Neue Analysen zeigen: Globale Kohlenstoff- Emissionen sind auf neuem Höchststand

Freitag 7. Dezember 2012 von birdfish

Die globalen Kohlendioxid-Emissionen in die Atmosphäre werden im Jahr 2012 erneut ansteigen und die Rekordzahl von 35.6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid erreichen.

Emissionen satt:es bewegt sich nicht viel
Emissionen satt:es bewegt sich nicht viel – Foto: Konstantinos Dafalias / Pixelio

So konstatiert die jährliche Auswertung des internationalen Global Carbon Project-Konsortiums. Grund dafür ist auch der für 2012 errechnete 2,6%ige Anstieg der Kohlenstoff-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, der damit fast 60% über dem Niveau von 1990 liegt, welches dem Kyoto-Protokoll zugrunde liegt. Die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre erreichte 2011 mit 391 ppm einen neuen Höchststand.

Die neuesten Analysen des Global Carbon Projects wurden jetzt als Übersicht in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht sowie die gesamten Daten als Vorabdruck in der Zeitschrift Earth System Science Data Discussion bereitgestellt. Die Auswertung der Daten zeigt, dass die größten Beiträge zu globalen Emissionen im Jahr 2011 von China (28%), den USA (16%), der Europäischen Union (11%) und aus Indien (7%) kamen. Während die Emissionen im Jahr 2011 in China und Indien um 9,9% bzw. 7,5% anstiegen, konnten sie in den USA und in der Europäischen Union um 1,8% bzw. 2,8% reduziert werden. Deutschlands Emissionen sind nach dieser Studie seit dem Jahr 2000 durchschnittlich um 1 % pro Jahr gesunken. „Diese Steigerung der Emissionsraten erschwert die Bemühungen der internationalen Klimagespräche, den menschengemachten Klimawandel zu begrenzen“, sagt Dr. Sönke Zaehle vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, der Daten zu dieser Studie beigetragen hat.

Der weitere Anstieg der Emissionen im Jahr 2012 verstärkt die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Emissionsraten und denen, die tolerierbar wären, um die globale Erwärmung unter der international geforderten 2 Grad-Grenze zu halten. “Wenn der gegenwärtige Trend anhält, dann sind wir in fünf Jahren signifikant über jeglichen Szenarien, die eine Stabilisierung des Klimawandels im 21sten Jahrhundert vorsehen.” kommentiert Prof. Dr. Martin Heimann, Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena die Ergebnisse.

Zwar haben Umstellungen des Energiesektors in einigen europäischen Ländern die Emissionen um bis zu 5% reduzieren können: “Ähnliche Umstellungen in weiteren Ländern könnten der Beginn einer weltweiten Vermeidungsstrategie zu niedrigen Kosten sein”, so Dr. Glen Peters, Mitautor der Studie vom Center for International Climate and Environmental Research in Oslo, Norwegen. Um das 2 Grad Ziel erreichen zu können, sind aber weitere und verstärkte Maßnahmen unbedingt notwendig, so die Autoren der Studie.

Veröffentlichungen:
“The mitigation challenge to stay below two degrees” by G.P. Peters, R.M. Andrew, T. Boden, J.G. Canadell, P. Ciais, C. Le Quéré, G. Marland, M.R. Raupach, C. Wilson; veröffentlicht online in Nature Climate Change.
DOI:10.1038/nclimate1783. Eine PDF Version kann per Email unter press@nature.com erbeten werden.

Details der Methoden und die Datensätze:

“The Global Carbon Budget 1959–2011” by C. Le Quéré, R. J. Andres, T. Boden, T. Conway, R. A. Houghton, J. I. House, G. Marland, G. P. Peters, G. van der Werf, A. Ahlström, R. M. Andrew, L. Bopp, J. G. Canadell, P. Ciais, S. C. Doney, C. Enright, P. Friedlingstein, C. Huntingford, A. K. Jain, C. Jourdain, E. Kato, R. Keeling, K. Klein Goldewijk, S. Levis, P. Levy, M. Lomas, B. Poulter, M. Raupach, J. Schwinger, S. Sitch, B. D. Stocker, N. Viovy, S. Zaehle and N. Zeng, Earth System Science Data Discussions, 5, 1107–1157, doi:10.5194/essdd-5-1107-2012.

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