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Germanwatch erarbeitet Rahmenbedingungen zur Nutzung afrikanischen Energiepotenzials

Freitag 15. März 2013 von birdfish

Die Sicherstellung des Nutzens, der sich im Rahmen des DESERTEC-Konzepts für die lokale Bevölkerung in Nordafrika und dem Mittleren Osten (MENA) ergeben soll, und der gerechte Umgang mit Fragen des Eigentums und der Beteiligung sind unabdingbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Durchführung der „Energiewende“ im südlichen Mittelmeerraum.

Cover Springtime

Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen in der MENA-Region muss es daher bei der Umsetzung von DESERTEC neben Wirtschaftlichkeit, langfristiger Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit auch um Verteilungsgerechtigkeit, Sozialverträglichkeit und Beteiligungs- bzw. Mitbestimmungsmöglichkeiten – also um soziale und entwicklungspolitische Dimensionen – im lokalen Kontext gehen.

Vor diesem Hintergrund hat Germanwatch das Briefing Papier „It’s Springtime in the Desert – Safeguarding the Sustainable Implementation of the DESERTEC Concept” erstellt. Die beiden Autoren Boris Schinke und Jens Klawitter erarbeiten und diskutieren darin die Entwicklung eines Nachhaltigkeitsrahmenwerks für die interkontinentale Nutzung des nordafrikanischen erneuerbaren Energienpotenzials  – wie sie im Rahmen des DESERTEC-Konzepts geplant ist.

Mit dem Ziel, Risiken auf der Projektebene zu vermindern und Chancen für die lokale Bevölkerung im MENA-Raum zu fördern, bietet das Papier einen Diskussionsanstoß für eine interregionale Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Europa und der MENA-Region zur nachhaltigen Umsetzung des DESERTEC-Konzepts.

Aus Sicht der Autoren ist eine engere interkontinentale Zusammenarbeit im Rahmen eines Multistakeholder-Dialogs zur Erstellung eines übergeordneten Nachhaltigkeitsrahmens für DESERTEC unbedingte Voraussetzung dafür, dass sich DESERTEC zu weit mehr als einem reinen Energieinfrastrukturkonzept entwickelt und seinem entwicklungspolitischen Nachhaltigkeitsanspruch – ökonomisch, ökologisch und sozial – gerecht wird.

Publikation ‘It’s Springtime in the Desert’ (PDF, englisch)

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Klimawandel als Sicherheitsrisiko: Debatte im UN-Sicherheitsrat wird positiv bewertet

Freitag 15. Februar 2013 von birdfish

Am heutigen Freitag wird sich der UN-Sicherheitsrat in New York in einer dreistündigen Sitzung mit den Risiken und Handlungsnotwendigkeiten zum Klimawandel beschäftigen.

WüsteWüste bei Pakistan: Dürre und Überschwemmung sind Klimawandel-Folgen – Foto: Matthias Jäger / pixelio.de

Hintergrund der Sitzung sind ungewöhnliche katastrophale Flutkatastrophen der letzten Jahre in Pakistan, die nach oben korrigierten Einschätzungen in Bezug auf den Meerespiegelanstieg und eine Weltbankstudie über die Risiken bei unzureichend gebremster Emissionsentwicklung. Zu den hochrangigen Sprechern gehören neben dem UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon der Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) Hans-Joachim Schellnhuber, Weltbank-Vizepräsidentin Rachel Kyte sowie hochrangige Vertreter der kleinen Inselstaaten und der ärmsten Entwicklungsländer. Die Debatte findet auf Initiative der Regierungen von Pakistan und Großbritannien statt.

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer bei Germanwatch: “Bei ungebremstem Emissionsausstoß drohen die Risiken des Klimawandels zu eskalieren, wie jüngste Berichte der Weltbank und des Weltwirtschaftsforums betonen. Die ärmsten Entwicklungsländer sind den Risiken im Hinblick auf Ernährungssicherheit, Zugang zu Trinkwasser, Wetter- und Flutkatastrophen besonders schutzlos ausgesetzt. Die wachsenden Sicherheitsrisiken durch den Klimawandel lassen sich nicht militärisch, sondern einerseits durch Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, andererseits durch Anpassungsmaßnahmen vor Ort eindämmen. Wir begrüßen es sehr, dass Pakistan und Großbritannien blockübergreifend die Initiative ergreifen. Dies kann einen wichtigen Beitrag leisten, das Thema jenseits der üblichen Nord-Süd-Spannungen in der Klimadiplomatie zu diskutieren.”

Germanwatch kritisiert in diesem Zusammenhang, dass der deutsche Wirtschaftsminister Rösler zu den wichtigsten Bremsern gehört, welche die EU daran hindern eine angemessene Rolle zu spielen. Er blockiert die notwendige Reform des Emissionshandels und ein ehrgeizigeres EU-Ziel. “Die Blockade von Minister Rösler ist ein Musterbeispiel dafür, wie kurzfristige Wahltaktik die Handlungsfähigkeit der EU untergräbt.”

Germanwatch gratuliert Pakistan zu dieser Initiative. “Der jüngste Germanwatch Klima-Risiko-Index zeigt, dass Pakistan 2011 zu den drei am stärksten von Wetterkatastrophen betroffenen Ländern gehört hat”, so Christoph Bals. “Die Katastrophen haben zur weiteren Destabilisierung dieses Atomstaates beigetragen. Sie haben das Recht auf Wasser, Nahrung und Gesundheit für viele Menschen in der Region untergraben. Durch die Initiative zeigt Pakistan auch seine Solidarität mit den kleinen Inselstaaten und den ärmsten Entwicklungsländern (LDCs), die besonders verletzlich gegenüber den Folgen des Klimawandels sind. Für den Mut zu dieser Initiative, die sicher nicht von allen Schwellen- und Ölländern im Block der Entwicklungsländer unterstützt wird, gebührt Pakistan Respekt.”

Germanwatch drängt die EU nun zu einer übergreifenden klimadiplomatischen Strategie: “Zwei der nächsten drei UN-Klimagipfel zur Vorbereitung eines für 2015 geplanten neuen internationalen Klima-Abkommens werden in Europa stattfinden, 2013 in Warschau und 2015 in Paris. Die EU muss hierzu Handlungsfähigkeit zuhause dokumentieren und die Klimaverhandlungen durch intensive Klimadiplomatie unterstützen. Deutschland, das 2012 als nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates das Thema bereits auf die Agenda des Sicherheitsrates gesetzt hatte, nimmt hier neben Großbritannien und der EU-Kommission eine Schlüsselrolle ein.”

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UN-Sicherheitsrat wird von Schellnhuber zu Bedrohungen durch Klimawandel aufgeklärt

Freitag 15. Februar 2013 von birdfish

Weil der Klimawandel auf höchster internationaler Ebene zunehmend als Sicherheitsrisiko erkannt wird, haben Pakistan und Großbritannien Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ersucht, zu einer dreistündigen Diskussion mit Mitgliedern des UN Sicherheitsrats nach New York zu kommen.

Insel
Klimafolgen: Ernteausfälle und untergehende Inseln – Foto: A. Dreher / Pixelio

Thema des Treffens: „potentielle Bedrohungen durch mögliche nachteilige Auswirkungen des Klimawandels auf den Erhalt von Frieden und Sicherheit“. Es findet heute im UN-Hauptquartier statt. Generalsekretär Ban Ki-moon plant, daran teilzunehmen.

„Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht verringert wird, begibt sich die Menschheit auf den Weg in eine ungewisse Zukunft – sie wagt sich in eine Welt, die viel heißer ist als je zuvor in ihrer Geschichte“, sagt Schellnhuber, Direktor des PIK und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats globale Umweltveränderungen der deutschen Bundesregierung. „Aus der Sicht des Wissenschaftlers ist der Klimawandel deshalb ein Multplikator für Risiken, sie nehmen um ein Vielfaches zu.“

Viele Millionen Menschen könnten von den Folgen betroffen sein. Diese reichen vom Anstieg des Meeresspiegels, der die Häufigkeit schwerer Überflutungen erhöht, bis zu Veränderungen der Luftströmungen in der Atmosphäre, die beispielsweise Störungen des Monsuns auslösen könnten. „Es ist bemerkenswert, dass Pakistan und Großbritannien gemeinsam dieses Treffen einberufen haben“, so Schellnhuber. „Sie zeigen durch ihr Handeln, nicht bloß durch Worte, dass der Klimawandel ein Thema ist sowohl für Entwicklungsländer als auch für Industriestaaten.“

Klimawandel könnte gesellschaftliche Kipp-Dynamiken auslösen

Wenn die internationale Staatengemeinschaft es zulässt, dass die globale Mitteltemperatur deutlich über die von dieser Gemeinschaft vereinbarte Zwei-Grad-Grenze hinausgeht, könnten wichtige Kipp-Punkte in Natur und Umwelt überschritten werden. „Das Erdsystem reagiert nicht linear auf den Ausstoß von Treibhausgasen – Elemente wie der Regenwald des Amazonas könnten recht drastisch ihren Zustand ändern, wenn bestimmte Schwellenwerte der Erwärmung überschritten werden“, erklärt Schellnhuber.

„Dies könnte wiederum Kipp-Prozesse in den internationalen Beziehungen auslösen, die in der Krise zunächst etwas mehr Kooperation zeigen, bei einer Zuspitzung dann aber im scharfen Wettbewerb um natürliche Ressourcen stehen, etwa um Nahrungsmittel“, so Schellnhuber. „Allerdings ist auch eine andere Form gesellschaftlicher Kipp-Dynamik vorstellbar – mit Staaten und Völkern, die sich der bevorstehenden Gefahren bewusst werden, und die große Transformation zur Nachhaltigkeit beginnen.“ Ein kleines Beispiel hierfür könnte die deutsche Energiewende sein.

Schellnhuber ist der einzige Wissenschaftler, der zu dem UN-Treffen eingeladen wurde. Die anderen Gastredner sind Tony DeBrum, Regierungsmitglied auf den Mashall-Inseln, Rachel Kyte, Vize-Präsidentin für nachhaltige Entwicklung bei der Weltbank, und Gyan Acharya, Untergeneralsekretär und Hoher Repräsentant der am wenigsten entwickelten Länder. Diskutiert werden sollen unter anderem Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit, der Erhalt der Zusammenarbeit beim Management der Wasserversorgung angesichts von verringerten Abflüssen aus geschrumpften Gletschern, und mögliche große Migrationsbewegungen von Menschen über Grenzen hinweg.

Das informelle Treffen bei den Vereinten Nationen wird unter der so genannten Arria-Formel des Sicherheitsrats stattfinden; diese erlaubt es, externe Fachleute vor den Mitgliedern sprechen zu lassen. Diese Regelung wurde zum ersten Mal 1992 eingesetzt, durch den UN-Botschafter Venezuelas, Diego Arria. Seitdem hat sie beträchtliche Bedeutung gewonnen, weil sie dem Rat mehr Beweglichkeit erlaubt. Der Sicherheitsrat hat bislang zweimal das Thema Klimawandel beraten, einmal unter der Führung von Großbritannien und einmal unter jener Deutschlands. Das aktuelle Arria-Treffen könnte nun dazu beitragen, den Klimawandel als Sicherheitsthema auf der Agenda des Rats fest zu etablieren.

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Szenario 2040 für Deutschland: Wie der Klimawandel unseren Alltag verändert

Mittwoch 13. Februar 2013 von birdfish

„Zwei Grad mehr in Deutschland“ – was das bedeuten könnte, haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) erstmals gemeinsam mit Soziologen untersucht.

Mitherausgeber GerstengarbeMitherausgeber Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Foto: PIK

Das unter diesem Titel jetzt im Fischer-Verlag erschienene Buch richtet sich an eine breite Öffentlichkeit. Hitzesommer mit Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius sind nur ein Beispiel für die vielfältigen Folgen des Klimawandels in Deutschland: “Unser Leben in den Städten betrifft das genauso wie die Land- und Forstwirtschaft”, sagt PIK-Wissenschaftler und Mitherausgeber Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Das “Szenario 2040″ entwirft ein detailliertes Bild dieser möglichen Folgen – und zeigt auf, wie der Klimawandel unseren Alltag verändert.

“Schon heute liegt die Durchschnittstemperatur in Deutschland 1 Grad Celsius höher als noch 1950″, sagt Gerstengarbe. In dem für das Buch zugrunde liegenden business-as-usual Szenario eines unverminderten Ausstoßes von Treibhausgasen wird die Zwei-Grad-Grenze in Deutschland bereits um 2040 überschritten. Was diese Veränderungen für Stadt und Land bedeuten, erläutern die PIK-Wissenschaftler im naturwissenschaftlichen Teil des “Szenarios 2040″. Die Computersimulationen eines am PIK entwickelten Klimamodells lieferte dazu die Daten für eine ganze Reihe von regionalen Klimafolgen-Modellen. Welche Herausforderungen damit auf die Gesellschaft zukommen und welche Rolle dabei Anpassungsmöglichkeiten spielen, beleuchten die Soziologen um Mitherausgeber Harald Welzer, Direktor der Stiftung Futurzwei. “Erstmals haben Klima- und Sozialwissenschaftler damit gemeinsam ein sehr plausibles Szenario für die Situation in Deutschland erarbeitet”, sagt Welzer.

Nicht berücksichtigt wird in dem Buch ein weiteres Ansteigen der Durchschnittstemperaturen nach 2040 und weltweite Klimafolgen, die sich auch auf Deutschland auswirken könnten. Das vorgestellte Szenario ist daher “eher optimistisch”, sagt Gerstengarbe: “Fest steht, dass in dem relativ kurzen Zeitraum bis 2040 bereits deutliche Veränderungen durch die Folgen der Erwärmung sichtbar werden, und zwar sowohl für die Natur als auch für unsere Gesellschaft”.

Originalpublikation
Gerstengarbe, F.-W., Welzer, H. (Hrsg.) (2013): “Zwei Grad mehr in Deutschland. Wie der Klimawandel unseren Alltag verändern wird – Das Szenario 2040″. Fischer-Verlag

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Studie zum Nachhaltigkeitsmanagement: Die deutschen Unternehmen lassen Chancen aus

Mittwoch 6. Februar 2013 von birdfish

Die großen deutschen Unternehmen setzen zwar auf das Thema Nachhaltigkeit, lassen sich aber wirtschaftliche Vorteile entgehen.

Leuphana Studie 2012

Das zeigt eine Studie des Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg. Für ihr aktuelles „Corporate Sustainability Barometer“ haben die Wissenschaftler 152 der umsatzstärksten deutschen Unternehmen aller Branchen befragt. 83% Prozent gaben an, Nachhaltigkeitsthemen in ihrem Kerngeschäft zu berücksichtigen, etwa in Form einer ressourceneffizienten Produktion. Nachhaltigkeitsmanagement heißt für die Unternehmen aber in erster Linie: Reputation sichern, Risiken mindern und interne Prozesse optimieren. Chancen auf Umsatzsteigerung und Innovationen nutzen sie nur selten.

Erfolgsmessung bleibt meist aus

Nur eine Minderheit der befragten Unternehmen überprüft, wie sich ihr Engagement im Umweltsektor oder für soziale Themen auf den Unternehmenserfolg auswirkt. Weniger als die Hälfte der Befragten misst den Einfluss auf die Kosten und nur ein Drittel untersucht die Wirkung auf den Umsatz. Die notwendigen Informationen könnten Rechnungswesen und Controlling bieten. Sie werden aber von allen Unternehmensbereichen am wenigsten in das Nachhaltigkeitsmanagement eingebunden. „Ohne entsprechende Kennzahlen und Analysen kann ein wirtschaftlich erfolgreiches Management ökologischer und sozialer Themen kaum gelingen“, gibt Professor Stefan Schaltegger, Leiter des Lüneburger CSM, zu bedenken.

Stakeholder werden kaum eingebunden

Handlungsbedarf sieht Schaltegger auch bei der Einbindung der sogenannten Stakeholder, also verschiedener Anspruchsgruppen, wie etwa Umweltverbände, Kunden oder Anwohner. Die Mehrheit der befragten Unternehmen informiert und beobachtet solche Anspruchsgruppen, meist allerdings nur fallweise und seltener systematisch. „Intensive und partizipative Formen der Einbindung sind sogar rückläufig“, stellt Professor Schaltegger mit Blick auf seine Untersuchung aus dem Jahr 2010 fest. Aktuell liegt die Zahl der Unternehmen, die bei Nachhaltigkeitsfragen grundsätzlich mit ihren Stakeholdern zusammenarbeiten, unterhalb von 20 Prozent. Dabei gebe es mittlerweile etliche gute Beispiele für fruchtbare auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Kooperationen zwischen Unternehmen und Stakeholdern, wie etwa den Forest Stewardship Council (FSC) für nachhaltige Forstwirtschaft, so Schaltegger.

Marktanreize noch zu schwach

Die deutschen Großunternehmen sehen in den Nichtregierungsorganisationen und den Medien wichtige Antreiber für ihr Engagement in Sachen Nachhaltigkeit. Von Konsumenten, Händlern und Banken empfangen sie bislang keine ausreichend starken Signale für ein stärkeres Engagement auf diesem Gebiet. Dies könne ein Grund dafür sein, weshalb Unternehmen Nachhaltigkeit noch selten als Ansatzpunkt für die Entwicklung von Marktchancen und Innovationen sehen, vermuten die Forscher. Entsprechend misst auch nur ein gutes Drittel der Unternehmen die Wirkung des Nachhaltigkeitsengagements auf Innovationen.

Fortschritte trotzdem erkennbar

Einen Aufwärtstrend haben die Wissenschaftler in Sachen marktorientierte Nachhaltigkeitsmaßnahmen, also etwa dem Bewerben ökologischer und sozialer Produkte, registriert: Der Anteil der Unternehmen, die „häufig oder immer“ solche Maßnahmen ergreifen, hat sich im Vergleich zu 2010 auf rund die Hälfte der Befragten fast verdoppelt. Auch werden immer mehr Unternehmensbereiche in das Nachhaltigkeitsmanagement eingebunden. Neben den Public Relations-Abteilungen nehmen immer häufiger die Geschäftsführungen selbst das Thema in den Blick. Damit gewinnt es an strategischer Bedeutung. „Das Engagement der Geschäftsleitungen und die steigende Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in das Kerngeschäft zeigen, dass das Thema in deutschen Großunternehmen einen festen Platz hat“, bilanziert Professor Schaltegger. Unternehmerische Nachhaltigkeit komme zwar langsam, aber stetig voran.

Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg

Um Nachhaltigkeit stärker chancenorientiert managen zu können, benötigen Unternehmen entsprechendes Know-How. Die Bestandsaufnahme des Corporate Sustainability Barometers dazu hat ergeben, dass viele der Befragten die eigene Belegschaft nicht für ausreichend qualifiziert halten. Die meisten Unternehmen setzen auf interne Weiterbildungsmaßnahmen, um das zu ändern. Externe Angebote wie Coachings oder Weiterbildungsstudiengänge werden nur wenig genutzt. Professor Schaltegger ist überzeugt: „Wenn Unternehmen die Potenziale des Nachhaltigkeitsmanagements besser nutzen, indem sie ihre Belegschaft entsprechend qualifizieren, bietet das nicht nur ihnen neue Chancen, sondern fördert auch die nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft.“

Studie “Corporate Sustainability Barometer 2012 – Praxisstand und Fortschritt des Nachhaltigkeitsmanagements in den größten Unternehmen Deutschlands”

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Studie erklärt Aufstieg und Niedergang der Maya als Reaktion auf den Klimawandel

Dienstag 13. November 2012 von birdfish

Die Rolle des Klimawandels in der Entwicklung der klassischen Maya Zivilisation von 300 bis 1000 n.Chr. wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert.

Pyramiden von Tikal
Pyramiden von Tikal – Foto: Oliver Brunner / Pixelio

Grund ist das Fehlen gut datierter klimatischer und archäologischer Reihen. In einem jetzt in Science veröffentlichten Artikel präsentiert ein internationales Team von Forschern, darunter Norbert Marwan vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), hochaufgelöste regionale Klimadaten für die vergangenen 2000 Jahre und zeigt zum ersten Mal, wie die politischen Systeme der Maya sich in Relation zum Klimawandel erst entfalteten und dann zerbrachen.

Aufstieg und Niedergang der Maya als Reaktion auf den Klimawandel

„Ungewöhnlich hohe Regenmengen begünstigten eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion und eine Bevölkerungsexplosion zwischen 450 und 660 nach Christus“, sagt Douglas Kennett, Leitautor und Professor für Anthropologie an der Pennsylvania State University. „Das führte zur Ausdehnung von Städten wie Tikal, Copan und Caracol entlang der Maya Tiefebenen. Die neuen Klimadaten zeigen, dass auf diese fruchtbare Periode ein allgemeiner Trockenheitstrend folgte, der sich über vier Jahrzehnte zog und von einer Serie großer Dürren durchsetzt war, die einen Rückgang in landwirtschaftlicher Produktivität verursachten und zu sozialer Zersplitterung und politischem Zusammenbruch führten.“

Ein Tropfstein aus einer Höhle nahe der historischen Stadt Uxbenka in den tropischen Tiefebenen im Süden Belizes wurde von Forschern der Penn State in den USA, der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in der Schweiz, der Universität Durham in Großbritannien und unter anderem dem PIK analysiert. Tropfsteine wachsen mit Feuchtigkeit. Anhand der radioaktiven Zersetzung von Uran zu Thorium untersuchten die Wissenschaftler die Altersstruktur des Tropfsteins und konnten so detaillierte Niederschlagseinträge in der Region rekonstruieren. Diese Daten verglichen die Forscher mit detaillierten Aufzeichnungen der politischen Geschichte, die auf Steinmonumenten in Maya-Städten der Region festgehalten wurde. Die Forscher nahmen dabei an, dass niederschlagsbedingte Veränderungen der landwirtschaftlichen Produktivität maßgeblich beitrugen zu politischer Integration oder Desintegration in den Maya-Tiefebenen.

Auf den langfristigen Trockenheitstrend in der Region folgte ein Zusammenbruch der Bevölkerung im Zusammenhang mit einer ausgedehnten Dürre zwischen 1020 und 1100 nach Christus, so die Forscher. Norbert Marwan vom PIK führte für die Studie zur Erstellung der Klima-Zeitreihen umfassende Computeranalysen der Altersdaten des Tropfsteins durch. Dabei wurden Unsicherheiten bei den möglichen Reichweiten von Altersdaten bereits berücksichtigt.  „Der Klimawandel mag nur einer von mehreren Faktoren sein, die Veränderungen für ganze Zivilisationen wie die Maya hervorrufen können“, sagt Marwan. „Dennoch zeigt unsere Studie, dass der Klimawandel große Auswirkungen auf ein gesellschaftliches Gefüge haben kann“.

Originalpublikation:
Douglas J. Kennett, Sebastian F. M. Breitenbach et.al: Development and Disintegration of Maya Political Systems in Response to Climate Change. Published in Science Vol. 338 no.6108 pp. 788-791. DOI:10.1126/science.1226299

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Vertreter aus Entwicklungsländern erwarten vom Bundestag Handeln in der Klimapolitik

Mittwoch 7. November 2012 von birdfish

Bei der heutigen Sitzung des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages waren Experten von Regierungen und Zivilgesellschaft aus den besonders vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländern zu Gast.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimawandelfolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Sie waren eingeladen, um ihre Erwartungen an den Klimagipfel in Doha vorzutragen. Die Vertreter legten Eckpunkte für ein erfolgreiches Ergebnis am Ende des Gipfels im Dezember vor. Sie machten dabei deutlich, dass Deutschland dafür eine wichtige Rolle spielt. Germanwatch und Brot für die Welt haben die Teilnahme der Südvertreter ermöglicht.

Pa Ousman Jarju aus Gambia, der die Gruppe der besonders verletzlichen Länder bei den Klimaverhandlungen vertritt, sagt: “Der Klimawandel bedroht die Zukunft der Menschen in den besonders verletzlichen Ländern.
Die Klimawissenschaft macht deutlich, dass wir die Klimaschutzmaßnahmen deutlich erhöhen müssen. Darum brauchen wir nach wie vor ein multilaterales Abkommen und eine zweite, ratifizierbare Verpflichtungsperiode im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Wir begrüßen das deutsche Engagement, die anderen EU-Mitglieder von einem Reduktionsziel von 30 Prozent bis 2020 zu überzeugen. Leider konnte sich die EU darauf noch nicht einigen, obwohl bereits jetzt eine Reduktion der Emissionen von 18 der bisher vereinbarten 20 Prozent erreicht wurde. Als potentielle Partner der EU in den Klimaverhandlungen können wir die geringe Ambition der EU nicht akzeptieren, während uns der Klimawandel immer stärker trifft.”

Wael Hmaidan, der Direktor des zivilgesellschaftlichen Netzwerkes Climate Action Network International (CAN I), erklärt: “Katar als Gastgeber der COP ist in höchstem Maße anfällig für die Folgen des Klimawandels. Es liegt relativ tief und ist besonders an der Küste entwickelt. Der Wüstenstaat ist vollkommen abhängig von Lebensmittelimporten. Das Land nimmt die Herausforderung durch den Klimawandel langsam wahr, muss aber erst zeigen, dass es sich wirklich engagieren will. Dies wäre möglich durch ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen, die sie auf dem Klimagipfel bekannt geben. Solch ein Versprechen würde das internationale Vertrauen in die Präsidentschaft des Gipfels stärken und zu einem positiven Ergebnis führen.”

Hafjul Islam Khan, Rechtsanwalt in Umweltfragen aus Bangladesch und Experte in der “Loss and Damage in Vulnerable Countries Initiative” berichtete über klimawandelbedingte Schäden: “In Bangladesch kommt es immer wieder zu Schäden und Verluste durch Tropenstürme, Sturmfluten, Dürren und zu gesundheitlichen Schäden. Der Wirbelsturm im November 2007 hat über 3500 Menschen getötet. 2009 hat ein Wirbelsturm dazu geführt, dass 200.000 Menschen obdachlos wurden. Der Klimagipfel gibt der internationalen Gemeinschaft die Chance um im Kampf gegen diese Bedrohungen einen Schritt vorwärts zu gehen. Neben der Erhöhung der Klimaschutzambition sollte in Doha die Einrichtung eines internationalen Mechanismus zum Umgang mit den Schäden und Verlusten durch den Klimawandel beschlossen werden.” Zusätzlich sollten Länder wie Deutschland und Bangladesch ihre Zusammenarbeit verstärken, unter anderem durch zusätzliche finanzielle und technische Unterstützung. Die Industrieländer, wie zum Beispiel Deutschland, müssen in Doha konkrete Zusagen für eine finanzielle Unterstützung der besonders verletzlichen Länder in den nächsten Jahren machen.

Die Experten bedankten sich für die Möglichkeit, im deutschen Parlament ihre Erwartungen auszudrücken und waren sich einig darüber, dass Deutschland seine Rolle in den internationalen Verhandlungen noch weiter stärken sollte.

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Wie können nachhaltige Mobilitätskonzepte aussehen? Carsharing-Studie gestartet

Donnerstag 1. November 2012 von birdfish

Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen bringen.

Carsharing
Carsharing – Abb. car2go

Als einer der ersten Anbieter setzt car2go seit 2011 an verschiedenen Standorten eine große Zahl an Elektroautos ein. Carsharing kann im Vergleich zum eigenem Fahrzeug ökologische und ökonomische Vorteile bieten und den Nutzern zugleich maximale Flexibilität bringen: Mit car2go können sie per Smartphone das nächste freie Auto in Sekundenschnelle orten, einsteigen und nach der Fahrt am Ziel wieder abstellen.

Doch wie umweltfreundlich ist Carsharing wirklich gegenüber dem Besitz eines eigenen Autos? Wie verändert sich die Verkehrsmittelwahl der Nutzer? Und können batterieelektrische Pkw ihre Vorteile im Carsharing-Betrieb gegenüber herkömmlichen Autos ausspielen und ihre vermeintlichen Einschränkungen überwinden?

Großangelegte empirische Studie zur Nutzung von flexiblem Carsharing

Diesen Fragen widmen sich jetzt Wissenschaftler des Öko-Instituts und des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. Das Forschungsteam führt dazu eine umfangreiche empirische Studie zum Verkehrsverhalten von Autofahrern am Beispiel von car2go durch. „Wir wollen wissen, wie sich die alltägliche Nutzung von Verkehrsmitteln bei den car2go-Teilnehmern verändert “, sagt Projektleiter Florian Hacker vom Öko-Institut. Darüber hinaus betrachtet das Team auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim Carsharing mit konventionellen und elektrischen Fahrzeugen. Dafür werden über einen Zeitraum von zwei Jahren Nutzer in den Städten Stuttgart und Köln mehrfach befragt. In Köln setzt car2go Autos mit sparsamen Verbrennungsmotoren ein, in Stuttgart wird noch in diesem Jahr eine ausschließlich batterieelektrisch betriebene Fahrzeugflotte an den Start gehen.

Wie attraktiv ist Carsharing mit Elektroautos?

„Es wird spannend, wie sich die Elektrofahrzeuge, insbesondere im Vergleich zu herkömmlichen Pkw, im Carsharing bewähren“, sagt Hacker. „Zum Beispiel in Bezug auf die CO2-Bilanz und auf das Nutzungsverhalten.“ Das Wissenschaftsteam richtet seinen Blick bei der Begleitforschung von car2go auch auf die Frage, wie sich die veränderten Nutzungseigenschaften von elektrischen Pkw auf die Attraktivität der Elektromobilität auswirken. „Für die Akzeptanz der Elektromobilität könnten die Elektroflotten im Carsharing eine Schlüsselfunktion haben“, ist sich Konrad Götz vom ISOE sicher. „Denn sie sind für viele Autofahrer der erste Zugang zur Fahrpraxis mit Elektroautos, die ja als Mobilität der Zukunft schlechthin gilt.“

car2go Geschäftsführer Robert Henrich begrüßt die Zusammenarbeit: „Wir sind mit car2go seit vier Jahren international unterwegs und in diesem Zeitraum enorm gewachsen. Für weit mehr als 200.000 Kunden, darunter 25.000 Nutzer der Elektrofahrzeuge, ist car2go inzwischen Teil der täglichen Mobilität. Ich freue mich darauf, dass wir unsere umfangreiche Erfahrung jetzt gemeinsam mit dem Öko-Institut und dem ISOE durch wissenschaftliche Untersuchungen ergänzen können.“

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