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EU-weite Datenbank macht Ergebnisse von Energie-Effizienzprojekten zugänglich

Montag 25. März 2013 von birdfish

“Die Fülle an technischem, wirtschaftlichem und politischem Know-how, das in den 58 Pilotgemeinden entstanden ist, machen wir hier über eine benutzerfreundliche, interaktive Datenbank zugänglich.

Concerto Logo

Hier können Kommunen und Städte angesichts der zu bewältigenden Energie-Herausforderungen Lösungen und Inspirationen finden”, sagte Sven Dammann von der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission.

Eine Datenbank über groß angelegte Neubau- und Sanierungsprojekte in 58 europäischen Städten und Gemeinden hat die EU-Initiative CONCERTO auf der Messe ISH 2013 in Frankfurt vorgestellt.

“Die Fülle an technischem, wirtschaftlichem und politischem Know-how, das in den 58 Pilotgemeinden entstanden ist, machen wir hier über eine benutzerfreundliche, interaktive Datenbank zugänglich. Hier können Kommunen und Städte angesichts der zu bewältigenden Energie-Herausforderungen Lösungen und Inspirationen finden”, sagte Sven Dammann von der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission.

„Wir bieten einen breiten Fundus an Informationen“, berichtete Kilian Seitz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das die Datenbank erstellt hat.

Zum Beispiel könne sich eine interessierte Gemeinde zunächst einen Überblick verschaffen, welche Technologien in den CONCERTO-Projekten zum Einsatz kommen und mit welchen Ergebnissen. Dabei werden die Ergebnisse über aussagekräftige Indikatoren wie CO2-Vermeidungskosten oder Amortisationszeiten abgebildet. Bei der Berechnung dieser Indikatoren werden sowohl gemessene als auch berechnete Energieflüsse verwendet. Hierbei wird auf eine größtmögliche Transparenz Wert gelegt, um die erhaltenen Werte nachvollziehen und richtig interpretieren zu können.

Damit vom Politiker bis zum Ingenieur jeder Nutzer passende Informationen bekommt, lassen sich Daten und Indikatoren über gezielte Filter eingrenzen: thematisch – “zeige alle Projekte mit Solarthermie”; zielgruppenspezifisch – “zeige alle Daten und Indikatoren die für Bauherren interessant sind”; geografisch oder auch anhand von Ereignissen – “zeige alle Indikatoren, die für ein Neubauprojekt oder die Entwicklung eines Förderprogramms interessant sind”. „Auch Fragen wie „Welche Demonstrationsobjekte haben die geringsten CO2-Vermeidungskosten?“ lassen sich beantworten“, so Seitz. Allerdings, räumte er ein, müssten bei einer Analyse immer auch die Rahmenbedingungen im jeweiligen Land und in der Region in die Betrachtung einbezogen werden. Aus diesem Grund sei es empfehlenswert, sich zunächst die Projekte im eigenen Land anzuschauen.

Doch auch beim Blick über die Grenzen hinweg lassen sich aus der Datenbank wertvolle Erkenntnisse ziehen, sind die Beteiligten der EU-Initiative CONCERTO überzeugt. „Städte und Gemeinden, die Energieeffizienzprojekte oder neue Anlagen für mehr erneuerbare Energien planen, können hier handfeste Argumente finden, etwa um die Entscheidungsträger zu überzeugen“, sagte in Frankfurt Emil ter Horst von der Gemeinde Almere in den Niederlanden. Dort ist in den vergangenen Jahren ein neuer Stadtteil entstanden, der unter anderem mit Fernwärme aus einem solarthermischen Kraftwerk versorgt wird. Dieses sorgt dafür, dass 10 Prozent der benötigten Wärme vor Ort aus Erneuerbaren erzeugt werden. Insgesamt wurde der CO2-Ausstoss bei der Wärme um 93 Prozent reduziert, der Strom ist zu 100 Prozent Ökostrom.
„Welche Erkenntnisse diese Datenbank tatsächlich ermöglicht, lässt sich heute noch gar nicht absehen“, ergänzte Ciaran Lynch vom Limerick Institute of Technology in Irland. In North Tipperary ist in den vergangenen Jahren nicht nur das erste Öko-Dorf in ganz Irland entstanden, es wurden auch zahlreiche bestehende Gebäude energetisch saniert und mit modernen Heizsystemen wie hocheffizienten Gasbrennern, Solarthermie und Biomasseheizungen ausgestattet. Das Monitoring der verschiedenen Maßnamen war wichtiger Bestandteil des Projekts.

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Eine erfolgreiche Klimapolitik benötigt lokale Lösungen und viel Kommunikation

Montag 18. März 2013 von birdfish

Rekordhitze, Hurrikans, Überschwemmungen – der Klimawandel und seine Folgen sind in aller Munde.

Hochwasser in FlensburgAuswirkungen des Klimawandels werden zunehmen. Hier: Ostsee-Hochwasser in Flensburg. Foto: Julia Vogt / Pixelio

Ein koordiniertes Vorgehen zum Schutz des globalen Klimas und Anpassungen an die Auswirkungen ist politisch und gesellschaftlich gewollt. “Den mitunter hochtrabenden Zielen der nationalen und internationalen Klimapolitik steht jedoch eine mangelhafte Umsetzung auf lokaler Ebene gegenüber”, bilanziert Thorsten Heimann vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS). In einem sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekt analysierte er mit Nicole Mahlkow und Karsten Balgar Problemwahrnehmungen, Strategien und Mediendiskurse zum Klimawandel und leitete Handlungsempfehlungen ab.

Das Projekt ist Teil des “Potsdamer Forschungs- und Technologieverbundes zu Naturgefahren, Klimawandel und Nachhaltigkeit” (PROGRESS). Das IRS erstellte im Rahmen von PROGRESS drei aufwändige Untersuchungen zur Klimapolitik und –kommunikation im Ostseeraum: Mit einer Medienanalyse der letzten zehn Jahre in deutschen Küstenstädten, unter anderem Lübeck und Rostock, können Themen, Akteure und Positionen in ihrer zeitlichen Entwicklung analysiert werden. Eine ausführliche Expertenbefragung in denselben Städten bringt grundlegende Erkenntnisse über Planungs- und Koordinationsprozesse vor Ort. Nicht zuletzt liefert eine umfassende Befragung von Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und NGOs in allen deutschen Küstengemeinden über 5.000 Einwohnern ein detailliertes Bild darüber, welche Strategien zum Umgang mit dem Klimawandel lokal als notwendig gelten – und welche nicht.

“Wir haben festgestellt, dass an vielen Stellen Sand im Getriebe der Klimapolitik ist”, so Heimann. “Am gravierendsten stellt sich der Mismatch zwischen nationaler und internationaler Klimapolitik und der lokalen Ebene dar.” Lokale Differenzierung sei ein notwendiger Weg, um substanziell voranzukommen. Der Grund dafür liege vor allem darin, dass sich Wahrnehmungen und damit auch Problempriorisierungen und Maßnahmenpräferenzen lokal sehr unterscheiden können Ob Klimawandel überhaupt als Problem wahrgenommen wird, sei nicht flächendeckend gegeben, berichtet Nicole Mahlkow. “In dieser Hinsicht unterscheiden sich beispielsweise die lokalen Perspektiven in den Städten Lübeck und Rostock – was in Lübeck vor allem als potenzielle Gefahr diskutiert wird, verheißt in Rostock steigende Touristenzahlen an den Stränden.” Auch die Bedrohung durch Binnenhochwasser führt nicht immer zu denselben Strategien, ergänzt Heimann. In Deutschland sei es derzeit ein Tabu, Siedlungen für natürliche Überflutungsflächen aufzugeben. In den Niederlanden oder Frankreich gebe es hingegen einzelne Landstriche, für die es zur Strategie wurde, dort dem Wasser mehr Raum zu geben. “Wir müssen davon wegkommen, für alle Probleme dieser Art einen überall gültigen Standard finden zu wollen. Wenn lokale Unterschiede missachtet werden, wird fehlender Konsens zum Scheitern der Bemühungen führen.”

Eine weitere Empfehlung der Sozialwissenschaftler ist, Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung nicht gegeneinander auszuspielen. Es gebe keinen Widerspruch zwischen der Installation einer Solaranlage zur CO2-Minderung und einem durchdachten regionalen Flussmanagement zur Eindämmung von Überflutungsschäden. Dies sei aber vor allem ein Kommunikationsproblem, so das Fazit der Medienanalyse. “In der raumplanerischen Diskussion ist dies bereits jetzt verankert. Die Wirklichkeit der Medien und die Wirklichkeit der Experten klaffen aber oft weit auseinander”, so Karsten Balgar. Die Kommunikation von Klimapolitik spielt daher eine zentrale Rolle. Genauso wie Strategien zum Umgang mit dem Klimawandel lokal differenziert sein müssen, sollten auch die Menschen mit dem Bezug zu konkreten lokalen Problemlagen angesprochen werden. Alltagskontexte spielen für die Akzeptanz von Klimapolitik eine große Rolle.

Einen Überblick über die sozialwissenschaftliche Klimaforschung am IRS bietet die Ausgabe 70 des Magazins IRS aktuell

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Gesundheitsrelevante Effekte durch zwei Jahre bestehende Umweltzone nachgewiesen

Montag 11. März 2013 von birdfish

Für die im März 2011 in Leipzig eingerichtete Umweltzone kann eine positive Startbilanz gezogen werden.

Umweltzone
Umweltzone. Foto: Foto: Tilo Arnhold / TROPOS

Auf der Pressekonferenz anlässlich des zweijährigen Bestehender Umweltzone wies das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V. (TROPOS) in Leipzig die Minderung der Rußkonzentration und damit einen elementaren gesundheitsrelevanten Effekt durch die Kernmaßnahme der insgesamt 48 kurz-, mittel- und langfristig wirkenden Maßnahmen des Luftreinhalteplans nach.
„Der Luftreinhalteplan mit der Einzelmaßnahme Umweltzone dient vor allem dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung“, konstatiert Heiko Rosenthal, Bürgermeister für Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig. „Speziell die Umweltzone bewirkt jedoch mehr, als sich aus den von gesetzlicher Seite vorgegebenen Messungen ablesen lässt. Ihre Wirkung resultiert dabei aus dreierlei Effekten: der Nachrüstung älterer Dieselfahrzeuge mit einem Rußpartikelfilter, der Erneuerung und Verjüngung der Fahrzeugflotte sowie der immer stärkeren Nutzung des Umweltverbundes.“
Einen gesundheitsrelevanten Effekt der Umweltzone Leipzig hat das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung nachgewiesen. „In Leipzig-Mitte am Ring wurde ein Rückgang des schwarzen, toxischen Kohlenstoffs, also Ruß, von circa 30 Prozent gemessen“, sagt Prof. Dr. Alfred Wiedensohler, Leiter der Abteilung Aerosole und Wolken am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.. „Diese Minderung in der Rußkonzentration an der Straße hängt direkt mit dem Rückgang der dieselbetriebenen Fahrzeuge und der veränderten Fahrzeugflotte zusammen. Ein Rückgang der Rußkonzentration von 1 µg pro Kubikmeter führt allerdings nur zu einer Minderung von wenigen Überschreitungstagen. Die Minderung der Toxizität des Feinstaubes an der Straße ist jedoch signifikant, da die toxischen Stoffe hauptsächlich auch in Verbindung mit Rußpartikeln stehen.“
„Die Erfahrung in Leipzig zeigt, dass sich die Luftqualität durch konsequent umgesetzte Maßnahmen, die gezielt auf die Minderung der Rußemissionen des Straßenverkehrs gerichtet sind, verbessern lässt“, sagt Dorothee Saar, Leiterin der Abteilung Verkehr und Luftreinhaltung im Berliner Büro des Deutsche Umwelthilfe e. V.. „Aktuelle Untersuchungen nennen Ruß als Klimatreiber an zweiter Stelle nach Kohlendioxid. Der Kampf gegen Ruß dient also sowohl dem Gesundheits-, als auch dem Klimaschutz. Die Ergebnisse zeigen auch, dass eine Maßnahme allein, und sei sie noch so effektiv wie die Umweltzone, nicht ausreicht, um dauerhaft die Einhaltung der Grenzwerte sicherzustellen.“
Der 2009 in Kraft gesetzte Luftreinhalteplan der Stadt Leipzig soll neben der Rußminderung vor allem absichern, dass der vorgegebene Grenzwert für das Tagesmittel an Feinstaub in Höhe von 50 µg pro Kubikmeter nicht mehr als 35 mal im Kalenderjahr überschritten wird. Daneben gilt es, den Jahres-grenzwert für Stickstoffdioxid in Höhe von 40 µg pro Kubikmeter zu unterschreiten. Einen wesentlichen Einfluss auf die Messergebnisse, insbesondere auf die Feinstaubbelastung, hat jedoch auch das Wetter, welches indirekt die Wahrnehmung der Wirkung von Luftreinhaltemaßnahmen wie die der Umweltzone in der Öffentlichkeit beeinflusst. Auch eine wetterbedingt höhere Belastung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass durch das Wirken der Luftreinhaltemaßnahmen, das Konzentrationsniveau der kanzerogenen Feinstaubpartikel bereits erfolgreich gesenkt wurde. Im Ergebnis steht damit eine höhere Luftqualität.
Innerhalb der seit 1. März 2011 eingerichteten Umweltzone, eines mit Schildern gekennzeichneten Areals (etwa zwei Drittel des Leipziger Stadtgebietes), dürfen nur Fahrzeuge mit einer grünen Umweltplakette (Schadstoffgruppe 4) am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen.
Neben der Verpflichtung zur Gewährleistung eines hinreichenden Gesundheitsschutzes, bleiben auch andere grundlegende Bedürfnisse der Bevölkerung nicht unbeachtet. So wurden seitens der Stadt Leipzig Ausnahmeregelungen für den Privat- und Wirtschaftsverkehr erarbeitet, die soziale und wirtschaftliche Härten vermeidbar machen. Mit Stand zum 1. Januar 2013 waren insgesamt 4.530 Fahrzeuge vom Fahrverbot ausgenommen, hierunter fallen auch auswärtige Fahrzeuge. Dazu kommen noch die Euro 3-Fahrzeuge (gelbe Plakette), die auf Grund fehlender Partikelfilter am Markt derzeit nicht auf Grün nachgerüstet werden können.

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Deutschland kann wiederholt EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid nicht einhalten

Dienstag 26. Februar 2013 von birdfish

Nach Kenntnis des BUND will die Europäische Kommission 33 von 56 Fristverlängerungsanträge deutscher Städte zur Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte nicht genehmigen.

Schiffe tragen zum Ausstoß bei
Schiffe tragen zum Ausstoß der Gase bei – Foto: siepmannH / pixelio

Die Unterlagen seien nicht ausreichend und gingen in einigen Fällen nicht über das Niveau von Entwürfen hinaus, so die Begründung der EU-Kommission. So beinhalteten unter anderem die Minderungspläne für Hamburg, München, Stuttgart und viele Städte im Ruhrgebiet unzureichende Maßnahmen, durch die eine Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte bis zum Jahr 2015 nicht gewährleistet sei.

Jens Hilgenberg, BUND-Verkehrsexperte: “Die EU hat den zuständigen Behörden in Deutschland eine klare Watsche erteilt. Mit unausgegorenen Plänen zur Bekämpfung der Stickoxidbelastung lässt sich die Kommission nicht abspeisen. Wir fordern die Kommunen auf, sofort zu handeln und den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Nur das kann zu einer Entlastung der Luft führen.”

Sollte die Kommission die Einwände gegen die Fristverlängerung aufrechterhalten, kämen enorme Strafzahlungen auf Deutschland zu.

Diese würden von der Bundesregierung mit großer Sicherheit an die Länder und Kommunen weitergereicht. “Es kann nicht sein, dass die Steuerzahler mal wieder für die Fehlplanungen der Politik zahlen müssen. Diese Gelder würden in den chronisch unterfinanzierten Haushalten der Kommunen eine viel sinnvollere Verwendung für eine Verbesserung des Radverkehrs oder den Ausbau des ÖPNV finden”, sagte Hilgenberg.

Hauptversucher von Stickstoffdioxid-Emissionen sei der Verkehr. Zu viele Pkw und Lkw in den Städten seien das größte Problem. In Städten mit großen Flüssen oder Hochseehäfen käme die Schifffahrt als eine der Hauptemittenten dazu. Aber auch ungefilterte Baumaschinen und Diesellokomotiven trügen zu den erhöhten Stickstoffdioxid-Belastungen bei.

2015 ist das Jahr, bis zum dem die Grenzwerteinhaltung von den Kommunen laut EU-Richtlinie 2008/50/EG maximal aufgeschoben werden kann. Voraussetzung dafür sind aber genaue Aufstellungen, welche Maßnahmen in den Städten wann getroffen werden sollen und welches Minderungspotential gesehen wird.

Zum “Beschluss der EU-Kommission vom 20.2.2013 betreffend die Mitteilung der Bundesrepublik Deutschland über die Verlängerung der Frist für das Erreichen der NO2-Grenzwerte in 57 Luftqualitätsgebieten” (PDF)

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Szenario 2040 für Deutschland: Wie der Klimawandel unseren Alltag verändert

Mittwoch 13. Februar 2013 von birdfish

„Zwei Grad mehr in Deutschland“ – was das bedeuten könnte, haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) erstmals gemeinsam mit Soziologen untersucht.

Mitherausgeber GerstengarbeMitherausgeber Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Foto: PIK

Das unter diesem Titel jetzt im Fischer-Verlag erschienene Buch richtet sich an eine breite Öffentlichkeit. Hitzesommer mit Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius sind nur ein Beispiel für die vielfältigen Folgen des Klimawandels in Deutschland: “Unser Leben in den Städten betrifft das genauso wie die Land- und Forstwirtschaft”, sagt PIK-Wissenschaftler und Mitherausgeber Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Das “Szenario 2040″ entwirft ein detailliertes Bild dieser möglichen Folgen – und zeigt auf, wie der Klimawandel unseren Alltag verändert.

“Schon heute liegt die Durchschnittstemperatur in Deutschland 1 Grad Celsius höher als noch 1950″, sagt Gerstengarbe. In dem für das Buch zugrunde liegenden business-as-usual Szenario eines unverminderten Ausstoßes von Treibhausgasen wird die Zwei-Grad-Grenze in Deutschland bereits um 2040 überschritten. Was diese Veränderungen für Stadt und Land bedeuten, erläutern die PIK-Wissenschaftler im naturwissenschaftlichen Teil des “Szenarios 2040″. Die Computersimulationen eines am PIK entwickelten Klimamodells lieferte dazu die Daten für eine ganze Reihe von regionalen Klimafolgen-Modellen. Welche Herausforderungen damit auf die Gesellschaft zukommen und welche Rolle dabei Anpassungsmöglichkeiten spielen, beleuchten die Soziologen um Mitherausgeber Harald Welzer, Direktor der Stiftung Futurzwei. “Erstmals haben Klima- und Sozialwissenschaftler damit gemeinsam ein sehr plausibles Szenario für die Situation in Deutschland erarbeitet”, sagt Welzer.

Nicht berücksichtigt wird in dem Buch ein weiteres Ansteigen der Durchschnittstemperaturen nach 2040 und weltweite Klimafolgen, die sich auch auf Deutschland auswirken könnten. Das vorgestellte Szenario ist daher “eher optimistisch”, sagt Gerstengarbe: “Fest steht, dass in dem relativ kurzen Zeitraum bis 2040 bereits deutliche Veränderungen durch die Folgen der Erwärmung sichtbar werden, und zwar sowohl für die Natur als auch für unsere Gesellschaft”.

Originalpublikation
Gerstengarbe, F.-W., Welzer, H. (Hrsg.) (2013): “Zwei Grad mehr in Deutschland. Wie der Klimawandel unseren Alltag verändern wird – Das Szenario 2040″. Fischer-Verlag

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EU-Haushaltsverhandlungen: Der Rotstift darf nicht beim Umweltschutz angesetzt werden

Donnerstag 7. Februar 2013 von birdfish

Heute trifft sich Bundeskanzlerin Merkel in Brüssel erneut mit ihren Amtskollegen aus der EU, um eine Einigung über den etwa eine Billion Euro umfassenden EU-Haushalt für 2014 bis 2020 zu erzielen.

Ökosystem
Umweltschutz darf nicht hinten runterfallen – Foto: Dagmar Struß

„Die Kanzlerin, ihre Amtskollegen und Ratspräsident Herman Van Rompuy dürfen die EU-Gelder künftig nur noch in nachhaltige, umweltverträgliche Wirtschaftsformen investieren“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die großen Demonstrationen in Berlin und anderen Hauptstädten sowie die Wahlen in Niedersachsen hätten deutlich gezeigt, dass die Mehrzahl der Wählerinnen und Wähler eine weitere Subventionierung der industriellen Landwirtschaft mit riesigen Maisäckern und Agrarfabriken ablehnt, wenn dabei der Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz auf der Strecke bleibt.

Tschimpke forderte die Kanzlerin auf, den Vorschlägen von Ratspräsident Van Rompuy im Agrarbereich eine klare Absage zu erteilen. Dieser hatte vorgeschlagen, insbesondere im Bereich der ländlichen Entwicklung um rund sieben Prozent überproportional zu kürzen, um die von vielen Mitgliedstaaten wie Großbritannien geforderte Reduzierung des Etats auf unter eine Billion Euro zu erreichen. Dagegen sollen die Direktzahlungen an Landwirte, die derzeit mit mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr von den Steuerzahlern subventioniert werden, nur um 1,4 Prozent gekürzt werden. „Diese Vorschläge sind das Gegenteil des von der Kanzlerin und auch vom Europäischen Parlament geforderten ‚smart spending‘. Sie muss sich jetzt aus der Umklammerung der Agrarlobby befreien und endlich im Sinne der großen Mehrheit der Bürger verhandeln“, so Tschimpke.

NABU-Agrarexperte Florian Schöne warnte vor einer „doppelten Rolle rückwärts“ in der Agrarpolitik, da Merkel sich im Vorfeld des Sondergipfels für eine Aufweichung der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Umweltauflagen für die Agrarzahlungen ausgesprochen hatte. „Wenn das ‚Greening‘ der Agrarreform zum ‚Greenwashing‘ verkommt und die Gelder für eine nachhaltige ländliche Entwicklung überproportional gekürzt werden, droht uns in der Agrarpolitik ein Rückschritt um zwanzig Jahre“. Damit breche Deutschland auch sämtliche international eingegangenen Verpflichtungen, etwa den Verlust an biologischer Vielfalt bis zum Jahr 2020 zu stoppen und umweltschädliche Subventionen abzubauen.

Der NABU kritisierte auch Van Rompuys Kürzungsvorschläge für das einzige explizite Umweltförderprogramm der EU, LIFE. „Da LIFE schon heute mit 0,2 Prozent des EU-Haushaltes im Jahr chronisch unterfinanziert ist, darf Merkel nicht zulassen, dass hier der Rotstift angesetzt wird, sondern muss sich wie Bundestag, Bundesrat und Europaparlament für eine massive Aufstockung einsetzen“, forderte Tschimpke.

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Energiewende in der Praxis: Stromnetz eines Ortes wird testweise zu einem Smart Grid

Dienstag 5. Februar 2013 von birdfish

Siemens und die Stadtwerke Krefeld AG (SWK) bauen das Stromnetz von Wachtendonk am Niederrhein zu einem Smart Grid um.

Smart Grid im testIntelligente Ortsnetzstation für Smart-Grid-Projekt Wachtendonk – Foto: Siemens

Die beiden Unternehmen wollen in der 8000-Einwohner-Gemein­de das Verhalten und die Technik eines intelligenten Stromnetzes in der Praxis testen. Wachtendonk ist aufgrund seines hohen Anteils regenerativer Energien eine Art Modellstandort für die Energiewende. Etwa 80 Prozent seines Stroms stammt aus Photovoltaik und anderen erneuerbaren Energiequellen.

Auch im Zuge der Energiewende wandelt sich unser Stromnetz von einer verbrauchsgesteuerten „Einbahntrasse” zu einem Netz mit bidirektionalem Fluss, in dem an vielen Orten Energie entnommen und eingespeist wird. Die Einspeisung veränderlicher Mengen an Wind- und Sonnenstrom verursacht jedoch Spannungsschwankungen, und in stark belasteten Teilnetzen steigt das Risiko eines Netzausfalls. Das Stromnetz der Zukunft muss solche immer besser Schwankungen ausgleichen, indem es die Spannung aktiv überwacht und automatisch regelt.

Im Rahmen einer Netzmodernisierung installierten die SWK im Jahr 2010 im Wachtendonker Netz bereits Lehrrohre für Datenleitungen und bereiteten 52 der 105 Ortsnetzstationen für Smart Grid-Komponenten vor. Nun werden 100 Wachtendonker Haushalte und zahlreiche Verteilerkästen mit intelligenten Siemens-Zählern ausgerüstet. Diese Smart Meter verfügen über eine so genannte Power-Snap-Shot-Funktion und liefern neben den Stromverbrauchs-daten auch eine Art Schnappschuss des aktuellen Netzzustands. Darüber hinaus werden Messwerte an intelligente Ortsnetzstationen übermittelt.

Diese bestehen aus kompakten Mittelspannungsschaltanlagen, regelbaren Ortsnetztransformatoren sowie Fernwirk-, Schutz- und Leittechnik. Moderne Sensor- und Kommunikationstechnik macht die Stationen intelligent. Der integrierte regelbare Ortsnetztransformator von Siemens übernimmt hier, an der Schnittstelle zwischen Nieder- und Mittelspannungsnetz, die Stabilisierung des Netzes. Zeigen die Smart-Meter-Daten – etwa an wolkenlosen Tagen – einen Spannungsanstieg bei einem geringen Verbrauch im Netz und damit hoher Einspeisung durch die Photovoltaik, gleicht der Trafo die Netzspannung an.

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Santiago de Chile wird trockener und heißer – Anstieg durch Wachstum und Klimawandel

Donnerstag 24. Januar 2013 von birdfish

Bereits heute sind mehr als ein Zehntel der Bevölkerung in der Metropolregion Santiago de Chile durch extreme Hitze oder Überflutungen gefährdet.

Santiago de ChileSantiago ist zunehmend von Hitze und Überflutungen betroffen – Foto: André Künzelmann / UFZ

Diese Gefahren werden durch die anhaltende Expansion der Hauptstadt Chiles, damit einhergehende Landnutzungsänderungen und durch den Einfluss des Klimawandels weiter ansteigen. Deshalb hat das internationale Forschungsprojekt ClimateAdaptationSantiago (CAS) in den vergangenen drei Jahren einen Anpassungsplan an den Klimawandel für die Metropolregion entwickelt und der Regionalregierung und dem Regionalsekretariat des Umweltministeriums übergeben.

Dieser Plan wurde von deutschen und chilenischen Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), der Universidad de Chile und der Pontificia Universidad Católica de Chile im Rahmen eines intensiven Beteiligungsprozesses gemeinsam mit einer Reihe von lokalen Akteuren erstellt.

Der Anpassungsplan ist die Antwort auf die ebenfalls im Rahmen des Projektes abgeschätzten Klimaveränderungen und deren Auswirkungen in der Metropolregion. Die Wissenschaftler des CAS-Projektes erwarten bis zum Jahr 2050 deutliche Veränderungen. So rechnen sie damit, dass die Jahres-Minimum- und Maximum-Temperaturen um ein bis zwei Grad steigen und damit auch die Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius zunehmen werden. Die Niederschläge dagegen könnten um bis zu 20 Prozent zurückgehen. Allerdings wird sich der Niederschlag dann auf weniger Tage als bisher konzentrieren und damit das Überflutungsrisiko ansteigen, so die Szenarien. Durch die wachsende Bevölkerung und eine weitere Stadtexpansion in Zusammenhang mit den prognostizierten Klimaveränderungen erwarten die Wissenschaftler Probleme in der Wasser- und Energieversorgung sowie mehr Menschen, die von Hitze- und Überflutungen betroffen sind.

Zu den 14 konkreten Maßnahmen, die die Wissenschaftler gemeinsam mit den involvierten Stakeholdern vorschlagen, gehören unter anderem: Der Aufbau eines Monitoringsystems für z.B. Landnutzungs- und Überflutungsdaten , die Schaffung von mehr Grünflächen in der Stadt und die Nutzung existierende Wasserkanäle am Andenfuß, um die Gefahren durch Fluten zu verringern. Daneben werden Maßnahmen zur stärkeren Beteiligung und Information der Bürger sowie ein Programm zur Errichtung „kühler Dächer“ für sozial schwache Haushalte empfohlen, das die Auswirkungen der Hitze mildern soll, indem die Dächer weiß angestrichen oder begrünt werden. Sowohl seitens der Regionalregierung (GORE) als auch des Regionalsekretariat des Umweltministeriums (SEREMI MA) wird die Umsetzung des Plans und der Maßnahmen intensiv gefördert. So ist für die kommenden Monate eine öffentliche Auslegung des Plans geplant, weitere konkrete Schritte zur Implementierung sind ebenfalls vorgesehen.
Im Rahmen des CAS-Projektes wurde in enger Zusammenarbeit mit der UN-Kommission für die ökonomische Entwicklung Lateinamerikas und der Karibik (UN CEPAL/ECLAC) außerdem ein regionales Lernnetzwerk mit Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern aufgebaut. Dieses Netzwerk umfasst sechs Megastädte Lateinamerikas (Buenos Aires, Bogotá, Lima, México, Santiago de Chile, Sao Paulo). Ziel war es, den “Stand der Praxis” in der städtischen Anpassung an den Klimawandel zu erfassen und zu diskutieren sowie insbesondere den Austausch zwischen den Städten in der lateinamerikanischen Region zu fördern. Im Rahmen von CAS wurden dazu drei Workshops organisiert. „Der erste Workshop widmete sich dem wissenschaftlichen Austausch, im zweiten Workshop wurde diskutiert, wie der Austausch zwischen Entscheidungsträgern verschiedener Verwaltungsebenen der jeweiligen Städte gestärkt werden kann und der dritte Workshop führte beide Gruppen zusammen“, berichtet Dr. Kerstin Krellenberg vom UFZ, die das CAS-Projekt koordiniert hat.
Die Arbeiten im Rahmen des CAS-Projektes wurden durch die finanzielle Unterstützung der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) ermöglicht. Der Anpassungsplan ist das gemeinsame Ergebnis einer engen Kooperation zwischen Politik, Praxis und Wissenschaft. Zehn Runde Tische, die im Verlauf der dreijährigen Projektlaufzeit in Santiago durch das Projekt organisiert wurden, bildeten das Kernstück der Zusammenarbeit.
Die Arbeit in Santiago ist damit aber noch nicht beendet: Eine internationale Kooperation von Wissenschaftlern des UFZ-Departments Stadt- und Umweltsoziologie mit Wissenschaftlern der Pontificia Universidad Católica de Chile war im Januar 2013 in der ersten Förderrunde der Helmholtz International Research Groups erfolgreich. Die deutsch-chilenische Forschergruppe wird damit in den nächsten drei Jahren die Verwundbarkeit der städtischen Bevölkerung in lateinamerikanischen Städten wie Santiago de Chile weiter untersuchen und zusätzliche Optionen für lokale Anpassungsoptionen an den Klimawandel entwerfen.

Artikel von Kerstin Krellenberg und Tilo Arnhold

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