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Forschungsprojekt ‘SIGNAL’ – Klimawandel vorbeugen, Grünland in Europa erhalten

Dienstag 19. März 2013 von birdfish

Die ökologische Leistungsfähigkeit, die Artenvielfalt und auch die landschaftliche Schönheit des Grünlands in Europa zu schützen – mit diesem Ziel haben sich Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus acht europäischen Ländern im Forschungsprojekt “SIGNAL” zusammengeschlossen.

Wissenschaftlerinnen aus acht europäischen Ländern tagten zum KlimawandelWissenschaftler/innen aus acht europäischen Ländern tagten zum Klimawandel. Foto: Dr. Jürgen Dengler / Uni Bayreuth

Die Koordination des Gesamtprojekts, das von der EU mit 1,5 Millionen Euro gefördert wird, liegt bei Prof. Dr. Anke Jentsch, Professorin für Störungsökologie an der Universität Bayreuth und Mitglied des Bayreuther Zentrums für Ökologie und Umweltforschung (BayCEER). Zur Auftaktveranstaltung Mitte März 2013 waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Partnereinrichtungen nach Bayreuth gekommen.
Die Projektpartner teilen die Einschätzung, dass der Klimawandel in Europa extreme Wetterereignisse verursachen und die Stabilität des europäischen Grünlands nachhaltig gefährden könnte – vor allem im Zusammenhang mit dem Vordringen invasiver Arten. Die Schönheit des Landschaftsbildes, die Neubildung von Grundwasser, die Filterung von Schadstoffen, die Speicherung wertvoller Nährstoffe und die Bereitstellung von Grünfutter sind zentrale Funktionen des Grünlands, das immerhin rund die Hälfte aller landwirtschaftlich genutzten Flächen in Europa ausmacht. Umso schwerwiegender wären die Folgen, wenn diese ökologischen Serviceleistungen infolge langanhaltender Dürreperioden oder einwandernder Pflanzen dauerhaft gestört würden.

“Derartige Entwicklungen sind aber kein unvermeidliches Schicksal”, erklärt Projektleiterin Anke Jentsch. “Im Projekt SIGNAL wollen wir vorbeugende Konzepte und Maßnahmen erarbeiten, die geeignet sind, drohende ökologische Schäden abzuwenden oder jedenfalls abzuschwächen. Große Hoffnungen setzen wir dabei auf das Potenzial der Artenvielfalt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres ersten Arbeitstreffens waren alle hochmotiviert, sich dieser Herausforderung zu stellen. Dabei geht es letztlich darum, auf der Basis verlässlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, die sich an staatliche Behörden auf europäischer, nationaler oder regionaler Ebene oder an Nichtregierungsorganisationen richten. Damit wollen die Projektpartner eine aktive Öffentlichkeitsarbeit verbinden und Möglichkeiten zu Handlung und Verantwortung aufzeigen. Die Menschen sollten besser als bisher darüber informiert werden, was in der Land- und Forstwirtschaft oder im Umwelt- und Naturschutz vorbeugend getan werden kann, um die Lebensqualität in Europa unter den Bedingungen des Klimawandels möglichst zu erhalten.”

Vorbeugende Maßnahmen, die künftig im SIGNAL-Projekt entwickelt werden, konzentrieren sich vor allem auf drei Faktoren: die Entwicklung der Biodiversität auf den Grünlandflächen; die Rolle von stickstofffixierenden Hülsenfrüchten und invasiven Arten; schließlich auch landwirtschaftliche Techniken, die womöglich alte Formen der Landnutzung auf neue Weise realisieren. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bei SIGNAL mitarbeiten, bringen zahlreiche Erfahrungen aus internationalen Projekten zur Klimawandelforschung mit. Sie kommen aus acht europäischen Ländern, auf die besonders hohe Anteile der europäischen Grünlandflächen entfallen: aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz, der Türkei und Ungarn.

An der Universität Bayreuth werden insbesondere die Experimente zur Biodiversität und Klimawandel konzipiert, die für das SIGNAL-Projekt von zentraler Bedeutung sind. Diese Untersuchungen wären nicht möglich ohne die Forschungsflächen im Ökologisch-Botanischen Garten auf dem Bayreuther Campus. Hier können extreme Wetterereignisse mit hoher Genauigkeit simuliert und auf ihre Folgen hin analysiert werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Bayreuther Auftaktveranstaltung zeigten sich beeindruckt von dieser Infrastruktur, die im Rahmen von SIGNAL auf andere europäische Länder übertragen werden soll. Sie wird einen gewichtigen Beitrag zur Erforschung von Klimawandelfolgen leisten.

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Wälder mit alten Bäumen und Totholz sind besser für das Klima und die Artenvielfalt

Mittwoch 6. März 2013 von birdfish

Alte und zerfallende Bäume im Wald spielen eine wichtige Rolle für Natur- und Klimaschutz.

Totholz und Fichtenverjüngung Totholz und Fichtenverjüngung im Harz. Foto: Fotos: Ausserhofer / DSZ

Das haben Wissenschaftler der Universität Göttingen anhand einer Studie im ‘Brockenurwald’ im Harz gezeigt. Die Forscher verglichen Waldstücke mit sehr alten und absterbenden Bäumen mit jüngeren Stadien, wie sie auch in bewirtschafteten Wäldern vorkommen. Waldstadien mit alten Bäumen und Totholz wiesen eine deutlich höhere Artenvielfalt auf – nicht so sehr am Waldboden, aber durch Moose und Flechten, die auf den lebenden und toten Baumstämmen wachsen. Darüber hinaus ist in Waldstücken mit altem Bestand sehr viel mehr Kohlenstoff in der Biomasse und im Boden eingelagert – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

‘Je mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre in der Vegetation und im Boden gebunden wird, desto stärker wirkt der Wald der vom Menschen verursachten Erwärmung der Erdatmosphäre entgegen’, erläutert Dr. Mascha Jacob von der Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung der Universität Göttingen. Während fast alle Wälder in Mitteleuropa spätestens seit dem Mittelalter von Menschen genutzt werden, konnte sich der ‘Brockenurwald’ im Harz lange Zeit ungestört entwickeln. ‘Aufgrund seiner schwer zugänglichen Lage entging der Wald unterhalb des Brockengipfels viele Jahrhunderte der Holznutzung’, so Dr. Jacob.

Nach Ansicht der Wissenschaftler belegen die Ergebnisse der Untersuchungen eindeutig, wie wichtig es ist, ökonomisch wertlose alternde Bäume zu erhalten. ‘Die Forstämter stecken in einem Dilemma’, so Prof. Dr. Markus Hauck, der die Untersuchungen im Harz zusammen mit Dr. Jacob durchführte. ‘Einerseits sollen sie wirtschaftlich arbeiten und die Versorgung mit dem Rohstoff Holz sichern. Andererseits wollen sie einen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten, der aber den wirtschaftlichen Ertrag reduziert. Daher ist es besonders wichtig, den Nutzen von alten und toten Bäumen ohne ökonomischen Wert wissenschaftlich zu untermauern.’ Die Studie wurde drei Jahre lang von der Stemmler-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert.

Originalpublikationen:
Mascha Jacob et al. 2013. Significance of over-mature and decaying trees for carbon stocks in a Central European natural spruce forest. Ecosystems 16:336-346. Doi: 10.1007/s10021-012-9617-0.

Sebastian Dittrich et al. 2012. Response of ground vegetation and epiphyte diversity to natural age dynamics in a Central European mountain spruce forest. Journal of Vegetation Science. Doi: 10.1111/j.1654-1103.2012.01490.x.

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Neue nachhaltige Nutzungssysteme sollen in Vietnam dem Klimawandel entgegenwirken

Montag 25. Februar 2013 von birdfish

Vietnam gilt als einer der Tigerstaaten in Asien, denn die Wirtschaft floriert seit Jahren ungebremst.

VietnamVietnam. Foto: D. Meinhardi / LUCCi

Der Aufschwung birgt aber Nachteile für Landschaft und Natur. Gemeinsam wollen deshalb deutsche und vietnamesische Forscher in Zentral-Vietnam nachhaltige Nutzungssysteme erarbeiten. Diese scheinen dringend notwendig, denn die Region könnte zudem unter den Folgen des Klimawandels ganz besonders leiden.

‘Vietnam’ ist das Thema des jüngsten Porträts des Forschungsschwerpunkts ‘Nachhaltiges Landmanagement’, das das Projekt ‘LUCCi’ vorstellt.

Blutrünstige Egel, lästige Stechmücken, hohe Temperaturen und schwer zugängliches Gelände – Forschung in den Bergwäldern in Zentral-Vietnam ist schweißtreibend und nicht für jeden ein Vergnügen. Doch die promovierte Biologin Claudia Raedig liebt ihren Job. Sonst würde sich die Wissenschaftlerin der Fachhochschule (FH) Köln nicht davon abhalten lassen, durch Bergwälder und Mangrovenwälder zu stiefeln, um Baumarten zu bestimmen.

“Die Bergregionen Vietnams gehören zu den artenreichsten Regionen weltweit, gleichzeitig fehlen aber für die Region präzise Daten”, sagt die Wissenschaftlerin. Wo gibt es welche Baumarten? Welche Höhe und Umfang haben die Bäume? Wie oft kommen die einzelnen Baumarten vor? Diese Wissenslücke sollen Raedigs Untersuchungen schließen, die sie zusammen mit Wissenschaftlern der Hue Universität für Land- und Forstwirtschaft sowie lokalen Rangern in der Projektregion von insgesamt ca. 12 000 Quadratkilometern macht, einer Fläche mehr als 14-mal so groß wie Berlin.

Claudia Raedig ist aber nicht die einzige deutsche Forscherin, die derzeit auf dem schmalen zentralvietnamesischen Landstreifen den Geheimnissen der Natur auf die Spur kommen will. “Wechselwirkungen zwischen Landnutzung und Klimawandel in Zentral-Vietnam”, kurz und bündig LUCCi, heißt das Forschungsprojekt, für das sich ein deutsch-vietnamesisches Forscherteam im Einzugsgebiet der beiden Flüsse Vu Gia und Thu Bon zusammengefunden hat. Die Wissenschaftler kommen aus den unterschiedlichsten Disziplinen: Von der Agrar- und Forstwissenschaft über Klima-, Hydrologie- und Wassermanagement bis hin zu Sozial- und Politikwissenschaften.

Noch bis Juni 2015 wollen sie Strategien entwickeln, wie sich Zentral-Vietnam mit einer angemessenen Land-, Forst- und Wasserwirtschaft gegen mögliche Folgen des Klimawandels wappnen kann. Vier Millionen Euro hat ihnen das Bundesforschungsministerium für das auf fünf Jahre angelegte Projekt zur Verfügung gestellt. Geleitet wird das Projekt von Lars Ribbe, Professor für integriertes Land- und Wasserressourcenmanagement am Institut für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen (ITT) an der FH Köln. Sein Ziel: “Wir wollen für die Region enorm unter den Folgen der Klimaerwärmung leiden könnten”. So soll die Jahresdurchschnittstemperatur bis zum Jahr 2020 um 1,5 Grad Celsius steigen, die Niederschlagsmenge zur Monsunzeit bis 2070 um bis zu 19 Prozent nach oben schnellen, und für die Trockenzeiten rechnet das Ministerium mit einer deutlichen Zunahme von Dürren. Gefahr droht auch vom Meer: Nach MONRE-Angaben könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2050 um bis zu 40 Zentimeter steigen.

Autor: Benjamin Haerdle

Ausführlicheres LUCCi-Projektporträt (PDF)

Das Projekt LUCCi

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Bundesamt für Naturschutz: Biotopverbund für Anpassung an Klimawandel notwendig

Sonntag 24. Februar 2013 von birdfish

Die Ergebnisse eines BfN-Forschungsvorhabens zeigen deutlich, dass ein länderübergreifender Verbund von Lebensräumen für viele vom Klimawandel betroffene Arten eine große Bedeutung hat.

Das Ökosystem als Ganzes
Das Ökosystem muss als Ganzes gesehen werden – Foto: Dagmar Struß

Es gilt mittlerweile als sicher, dass in den nächsten Jahrzehnten mit weiteren, erheblichen Klimaveränderungen gerechnet werden muss. Daher wurde in einem Forschungsvorhaben untersucht, welche Bedeutung in der Anpassungsstrategie die Vernetzung von Lebensräumen hat, um die zu erwartenden negativen Auswirkungen des Klimawandels zu mindern.

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist es zur Anpassung an den Klimawandel dringend erforderlich, den im Bundesnaturschutzgesetz (§ 20, 21) geforderten länderübergreifenden Biotopverbund in der Fläche voranzutreiben. In vielen Bereichen ist die Umsetzung gegenwärtig jedoch noch mangelhaft. Die bestehenden Lücken im Netzwerk der Lebensräume müssen geschlossen und insbesondere die internationalen Anknüpfungspunkte in ihrer Funktionalität gesichert und verbessert werden. Dabei sollte auf die Erhaltung und Entwicklung bestimmter Biotopverbundachsen, die entweder durch den Klimawandel in ihrem Bestand gefährdet sind oder für die räumliche Anpassung vieler Arten von großer Bedeutung sind, ein besonderer Fokus gelegt werden. Die Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens geben Anhaltspunkte dafür, welche Achsen und Regionen hiervon besonders betroffen sind.

Die Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass auch viele bisher nicht gefährdete Arten in der Zukunft durch den Klimawandel bedroht sein werden. Aufgrund der erwarteten Verschiebung der für die Arten geeigneten klimatischen Bedingungen, wird es für eine Vielzahl von Arten entscheidend sein, dass sie zukünftig geeignete Lebensräume erreichen können. Aufgrund seiner zentralen Lage in Europa trägt Deutschland eine besondere Verantwortung dafür, den vom Klimawandel betroffenen Arten eine Anpassung ihres Verbreitungsareals durch die Umsetzung eines effektiven Biotopverbunds zu ermöglichen.

Originalpublikation:
Reich, M., Rüter, S., Prasse, R., Matthies, S., Wix, N. & Ullrich, K. (2012): Biotopverbund als Anpassungsstrategie für den Klimawandel? Naturschutz und Biologische Vielfalt 122: 228 S., ISBN 978-3-7843-4022-7

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Bundesstiftung Umwelt fördert Entwicklung eines Filtersystems für Kleinfeuerungsanlagen

Donnerstag 14. Februar 2013 von birdfish

Wenn es draußen kalt ist, wird drinnen geheizt. Immer mehr Privathaushalte setzen dabei auf Brennholz.

KaminofenImmer mehr Haushalte produzieren Feinstaub durch Kaminöfen – Foto: Steffi Pelz / pixelio.de

Doch neben der gemütlichen Wärme wird auch gesundheitsgefährdender Feinstaub freigesetzt. Wie Statistiken zeigten, seien die in einem Jahr ausgestoßenen Emissionsmengen vergleichbar mit denen aus dem Straßenverkehr, so Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Um die Belastungen zu verringern, werden bisher Katalysatoren oder Elektrofilter im Schornstein eingesetzt. Neben den hohen Kosten stören solche Einbauten oft bei Wartungen, zum Beispiel bei Fegearbeiten. Wir wollen ein günstigeres Filtersystem entwickeln, mit dem Emissionen bereits im Brennraum vermindert werden können“, erläutert Prof. Dr. Miroslaw Weclas, Leiter der Arbeitsgruppe „Feuerstätten und Abgasanlagen“ am Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart. Die DBU fördert das Projekt mit 170.000 Euro.

Etwa ein Viertel des aus Deutschland gewonnenen Rohholzes werde als Brennholz in über 14 Millionen Kleinfeuerungsanlagen in Wärme umgewandelt – Tendenz steigend. Denn immer häufiger würden die Anlagen in Neubauten installiert, betonte Brickwedde. Daher sei davon auszugehen, dass die Kommunen die Grenzwerte für biomassebetriebene Anlagen in den nächsten Jahren weiter verschärfen würden.

„Bisher werden meistens nur die Rauchgase im Schornstein gefiltert“, so Weclas. „Wir forschen nach einem wirksameren Filtersystem, das gas- und partikelförmige Schadstoffe noch im heißen Zustand nachverbrennt. Dazu untersuchen wir, welches Filtermaterial sich am besten eignet, welche Größe und welche Struktur die Poren aufweisen müssen.“ Durch den direkten Einbau spezieller Filter in den Brennraum werde die dort vorhandene hohe Temperatur genutzt, um Schadstoffe wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe zu verbrennen.

Zunächst seien Forschungen an einem Simulationssystem vorgesehen, das alle thermodynamischen und physikalischen Bedingungen einer realen Feuerstätte nachbildet. Anschließend sollten die entwickelten Filter in einer entsprechend umgebauten Kleinfeuerungsanlage getestet werden. Am Ende des Projektes solle sie als Demonstrationsanlage genutzt werden.

Weitere Infos der DBU zu Holzfeuerungsanlagen

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Szenario 2040 für Deutschland: Wie der Klimawandel unseren Alltag verändert

Mittwoch 13. Februar 2013 von birdfish

„Zwei Grad mehr in Deutschland“ – was das bedeuten könnte, haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) erstmals gemeinsam mit Soziologen untersucht.

Mitherausgeber GerstengarbeMitherausgeber Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Foto: PIK

Das unter diesem Titel jetzt im Fischer-Verlag erschienene Buch richtet sich an eine breite Öffentlichkeit. Hitzesommer mit Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius sind nur ein Beispiel für die vielfältigen Folgen des Klimawandels in Deutschland: “Unser Leben in den Städten betrifft das genauso wie die Land- und Forstwirtschaft”, sagt PIK-Wissenschaftler und Mitherausgeber Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Das “Szenario 2040″ entwirft ein detailliertes Bild dieser möglichen Folgen – und zeigt auf, wie der Klimawandel unseren Alltag verändert.

“Schon heute liegt die Durchschnittstemperatur in Deutschland 1 Grad Celsius höher als noch 1950″, sagt Gerstengarbe. In dem für das Buch zugrunde liegenden business-as-usual Szenario eines unverminderten Ausstoßes von Treibhausgasen wird die Zwei-Grad-Grenze in Deutschland bereits um 2040 überschritten. Was diese Veränderungen für Stadt und Land bedeuten, erläutern die PIK-Wissenschaftler im naturwissenschaftlichen Teil des “Szenarios 2040″. Die Computersimulationen eines am PIK entwickelten Klimamodells lieferte dazu die Daten für eine ganze Reihe von regionalen Klimafolgen-Modellen. Welche Herausforderungen damit auf die Gesellschaft zukommen und welche Rolle dabei Anpassungsmöglichkeiten spielen, beleuchten die Soziologen um Mitherausgeber Harald Welzer, Direktor der Stiftung Futurzwei. “Erstmals haben Klima- und Sozialwissenschaftler damit gemeinsam ein sehr plausibles Szenario für die Situation in Deutschland erarbeitet”, sagt Welzer.

Nicht berücksichtigt wird in dem Buch ein weiteres Ansteigen der Durchschnittstemperaturen nach 2040 und weltweite Klimafolgen, die sich auch auf Deutschland auswirken könnten. Das vorgestellte Szenario ist daher “eher optimistisch”, sagt Gerstengarbe: “Fest steht, dass in dem relativ kurzen Zeitraum bis 2040 bereits deutliche Veränderungen durch die Folgen der Erwärmung sichtbar werden, und zwar sowohl für die Natur als auch für unsere Gesellschaft”.

Originalpublikation
Gerstengarbe, F.-W., Welzer, H. (Hrsg.) (2013): “Zwei Grad mehr in Deutschland. Wie der Klimawandel unseren Alltag verändern wird – Das Szenario 2040″. Fischer-Verlag

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Waldschadensbericht: Jede zweite Eiche krank – Armutszeugnis für deutsche Waldpolitik

Donnerstag 7. Februar 2013 von birdfish

Der BUND sieht in dem neuen von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner veröffentlichten Waldzustandsbericht ein weiteres Armutszeugnis für die deutsche Waldpolitik.

Stiefkind Bodenschutz
Schadstoffemissionen aus Landwirtschaft und Verkehr Hauptursache für Baum- Erkrankungen – Foto: Bernd Boscolo / Pixelio

Alarmierend sei vor allem die Tatsache, dass sich der Zustand der Eichen nicht verbessert habe, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Acht von zehn Eichen wiesen deutliche Schäden auf, von den Buchen sei nur noch etwa jede fünfte gesund.

Weiger: “Von wirklicher Nachhaltigkeit ist die deutsche Waldpolitik auch 300 Jahre, nachdem dieser Begriff in der Forstwirtschaft geprägt wurde, weit entfernt. Zwar stehen die zur Nutzung benötigten Holzmengen ausreichend zur Verfügung. Das war es dann aber auch. Gesunde Mischwälder, alte Eichen und Buchen, die Wälder gefeit vor den Risiken des Klimawandels – überall Fehlanzeige.”

Der BUND-Vorsitzende kritisierte außerdem die im Waldzustandsbericht angewendete Methode, starke Fraß- und Mehltauschäden als natürliche Erscheinungen einzuordnen. Damit werde das eigentliche Problem verschleiert. “Der schlechte Bodenzustand, verursacht von Schadstoffemissionen aus Landwirtschaft und Verkehr, ist nach wie vor Hauptursache für die Erkrankungen der Bäume”, sagte Weiger.

Eine weitere Ursache seien Wald-Monokulturen mit der Dominanz von Fichten- und Kieferforsten. Sie seien artenarm und instabil und deshalb anfällig für Käferbefall und Sturmschäden. Die übermäßige Nutzung von Holz als Brennstoff lauge die Böden zusätzlich aus, da kaum noch Restholz und Rinde im Wald verblieben.

“Dem Wald helfen am Ende auch keine Insektenvernichtungsmittel und kein Dünger. Eine nachhaltige Forstwirtschaft muss die Wälder als Ganzes erhalten und pflegen. Ein Wald, der vom Menschen gedüngt werden muss damit er nicht stirbt, ist vom Zustand der Nachhaltigkeit weit entfernt. Eine nachhaltige Waldpolitik muss dafür sorgen, dass wir ausgedehnte und wildwüchsige Wälder haben, in denen Bäume jeden Alters und Lebensgemeinschaften höchster Vielfalt überleben können”, sagte der BUND-Vorsitzende.

Zehn Prozent des Waldes müssten außerdem als „Urwälder von Morgen“ in möglichst zusammenhängenden Flächen einer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Auf den übrigen 90 Prozent der Waldfläche in Deutschland müsse es eine ökologisch verträgliche Forstwirtschaft geben, forderte Weiger. Dabei müssten für den Wald wesentliche Eigenschaften wie das Vorhandensein ausreichender Bodennährstoffe, die Speicherfähigkeit für Kohlendioxid, die Artenvielfalt sowie die Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes verbessert werden. Es gebe hierzulande bereits eine Reihe nachahmenswerter Beispiele wie den Lübecker Stadtwald oder mit dem FSC-Siegel zertifizierte Forstbetriebe in ganz Deutschland.

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Erfolg: Asiens größter Papierhersteller stoppt Rodung des indonesischen Regenwalds

Mittwoch 6. Februar 2013 von birdfish

Asiens größter Papierhersteller APP (Asia Pulp and Paper) wird ab sofort den Einschlag in den letzten Regenwäldern Indonesiens einstellen.

ZellstofffabrikZellstofffabrik des indonesischen Papierkonzerns APP – Foto: Greenpeace

Das hat der globale Konzern heute in Jakarta nach einer dreijährigen Kampagne von Greenpeace verkündet. Die unabhängige Umweltschutzorganisation hat zahlreiche deutsche Unternehmen überzeugt, den Einkauf von Papier bei APP auszusetzen – darunter Adidas, MontBlanc, Metro und Tchibo. „Der Einschlagstopp ist eine wichtige Atempause für die Orang-Utans und die letzten Tiger Sumatras.“, sagt Oliver Salge, Waldexperte von Greenpeace. „Das ist ein Erfolg für alle, die unsere Kampagne unterstützt haben.“

In den vergangenen Monaten hat Greenpeace intensive Gespräche mit APP geführt, um die Einzelheiten des Einschlagstopps zu erarbeiten. Da die bis zu 18 Meter dicken Torfböden große Mengen Kohlenstoff speichern und damit relevant für das weltweite Klima sind, will APP auch die Torfregenwälder von der Rodung ausschließen. Zudem will APP die bereits gerodeten Torfwaldflächen so bewirtschaften, dass Treibhausgasemissionen verringert werden. Im ersten Schritt werden jegliche Infrastrukturmaßnahmen wie der Bau von Entwässerungsgräben eingestellt. Der Prozess soll durch Dritte unabhängig überwacht werden. Auch Greenpeace wird die Umsetzung weiter kritisch beobachten.

Gemeinsamer Erfolg von Umweltgruppen und deutschen Unternehmen

„Die Ankündigung von APP zeigt, dass sich das Engagement von uns und zahlreicher anderer Umweltgruppen auszahlt. Unternehmen in Deutschland spielen dabei eine wesentliche Rolle, da sie durch den Verzicht von Geschäften mit Urwaldzerstörern Druck ausüben können“, sagt Oliver Salge.

APP ist einer der größten Zellstoff- und Papierproduzenten der Welt und die Nummer eins in Asien. Der Konzern exportiert aus Indonesien und China Papier für Zeitschriften oder Verpackungen, Kopierpapier und Toilettenpapier in alle Welt. Auch deutsche Firmen beziehen Papier für Verpackungen oder Druckerzeugnisse von APP. Im Einzugsbereich der APP-Zellstoffwerke in Indonesien befinden sich die letzten Rückzugsgebiete für Sumatra-Tiger, Sumatra-Elefanten und Orang-Utans. APP hat in den letzten Jahren große Teile dieser Regenwälder gerodet und zu Akazienplantagen umgewandelt.

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