KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

GEOMAR koordiniert Forschungsprogramm zur Bewertung großtechnischer Klimaregulierung

Freitag 26. April 2013 von birdfish

Schwefelpartikel in die Atmosphäre sprühen oder den Ozean mit Eisen düngen – aktuell werden zahlreiche großtechnische Maßnahmen zur künstlichen Klimaregulierung diskutiert.

climate engineering
Maßnahmen des Climate Engineering – Abb: Kiel Earth Institute

Ein neues Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft soll jetzt Risiken und Nebenwirkungen des sogenannten “Climate Engineering” untersuchen. Koordiniert wird das Programm am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Das Experiment hat längst begonnen. Seit Beginn der Industrialisierung vor rund 200 Jahren produziert die Menschheit riesige Mengen Kohlendioxid und lässt sie in die Luft entweichen. Damit startete sie – unbewusst, unkontrolliert und lange unerkannt – einen gigantischen Versuch mit der Erdatmosphäre. Mittlerweile kennen wir das Ergebnis: Der Gehalt an Kohlendioxid ist um mehr als ein Drittel angestiegen. Der natürliche Treibhauseffekt wird von dem zusätzlichen CO2 verstärkt, die durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde steigen, das Klima ändert sich. Jetzt sind Wege gefragt, die Folgen dieses ungewollten Experiments zu begrenzen.

Der einfachste Weg wäre theoretisch, die Emissionen von Kohlendioxid schnell wieder zu verringern. Doch bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung und dem aktuellen Industrialisierungsschub in großen Schwellenländern erweist er sich in der Praxis als schwierig. Deshalb werden vermehrt großtechnische Maßnahmen in die Diskussion eingebracht. Sie sollen gezielt eingesetzt werden, um die atmosphärische CO2-Konzentration abzusenken oder die einfallende Sonnenstrahlung abzuschwächen. „Diese großtechnischen Maßnahmen fasst man unter dem Begriff „Climate Engineering“ zusammen“, erklärt Professor Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Doch bislang gibt es weder verlässliche Informationen über die Potenziale dieser Maßnahmen, noch über Nebenwirkungen“, so Oschlies weiter.

Um in der Diskussion über das Climate Engineering eine wissenschaftlich belastbare Grundlage zu erhalten, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt ein Schwerpunktprogramm mit dem Titel „Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?“ bewilligt. Professor Oschlies hatte es als Initiative des „Kiel Earth Institutes“ (KEI) mit Unterstützung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und einer Kerngruppe von 18 Wissenschaftlern von Universitäten und Instituten aus ganz Deutschland beantragt. Das Schwerpunktprogramm wird in den kommenden sechs Jahren in insgesamt acht Teilprojekten die erheblichen Unsicherheiten untersuchen, die mit den Ideen und Konzepten des Climate Engineering verbunden sind. Die DFG stellt dafür in der ersten dreijährigen Projektphase fünf Millionen Euro zur Verfügung. Davon entfallen 1,3 Millionen Euro auf das Kieler Koordinierungsbüro und zwei Teilprojekte, die das GEOMAR und das „Kiel Earth Institute“ zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie Hamburg, mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) durchführen.

Die beteiligten Wissenschaftler beschäftigen sich sowohl mit der naturwissenschaftlich-technischen Dimension als auch mit sozialen, politischen, rechtlichen und ethischen Aspekten der diskutierten Maßnahmen. „In allen bisher vorgeschlagenen Konzepten ist Climate Engineering immer so angelegt, dass es zumindest überregionale und oft auch zeitlich verzögerte Folgen hätte. Das macht eine Bewertung schwierig“, betont Professor Oschlies. Wer dürfte über einen Einsatz von Climate Engineering überhaupt entscheiden? Wer müsste bei welchen Nebenwirkungen haften? „Auch diese Fragen müssen untersucht werden. Gerade dieser Multidimensionalität wird in der internationalen Forschung derzeit nur sehr wenig Raum eingeräumt“, so Oschlies weiter. Das nun bewilligte DFG-Schwerpunktprogramm wird das Thema deshalb in einer international einmaligen fachlichen Breite ergebnisoffen betrachten. Damit soll eine Basis für eine sorgfältige Abwägung von möglichen Vor- und Nachteilen geschaffen werden.

Maßnahmen des Climate Engineering
Übersicht über verschiedene Climate Engineering Maßnahmen, die aktuell diskutiert werden. Welche Risiken und Nebenwirkungen sie beinhalten, ist noch zu wenig erforscht. Grafik: Kiel Earth Institute

Dies kann schon für die heutige internationale klimapolitische Diskussion wichtige Argumente liefern, in der einige Akteure mit dem Verweis auf Climate Engineering von CO2-Emissionsvermeidung ablenken. Schließlich soll eine umfassende wissenschaftliche Analyse der Risiken und (Neben)wirkungen von Climate Engineering die Grundlage für fundierte gesellschaftliche Entscheidungen über einen möglichen Einsatz von Climate Engineering bilden. Wichtig für die Wissenschaftler ist daher auch eine gut informierte Öffentlichkeit. Bereits im September 2011 wurde hierzu vom „Kiel Earth Institute“ ein Internetportal aufgebaut, das Nachrichten und Informationen zu Climate Engineering tagesaktuell zusammengeführt, um der Debatte mehr Transparenz zu verleihen. Das Portal wird auch für das Schwerpunktprogramm genutzt.

Informationen:

Webseite des DFG Schwerpunktprogramms
Informationsportal zum Climate Engineering
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Das Kiel Earth Institute
Der Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“

Kategorie: Allgemeines, Elemente, Forschung, Gesundheit, Gruppen, Luft, Mensch, Prognosen | Keine Kommentare »

Ozeanversauerung – Meeresversauerung

Dienstag 22. Januar 2013 von birdfish

Allgemeine Informationen zur Meeresversauerung finden Sie hier im Glossar.

Allgemeine Materialien zum Thema:

Wenn der Ozean sauer wird – Kinderbuch erklärt das Phänomen Ozeanversauerung

Tessi und Tipo

Wie kann die Nordsee sauer sein und auf wen eigentlich? Zwei große Fragen, um die sich Antje Funckes und Konstatin Mewes neues Kinderbuch Tessi und Tipo dreht. In ihm verpacken die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft das sehr aktuelle Wissenschaftsthema Ozeanversauerung in eine Abenteuergeschichte für Groß und Klein.

Die Helden ihres Abenteuers sind die Geschwister Tessi und Tipo, zwei junge Kammerlinge. Die sandkorngroßen Einzeller leben in der obersten Sandschicht des Wattenmeeres und wohnen in einem Gehäuse aus Kalkkammern. Gemeinsam mit Tessi und Tipo erkundet der Leser eine Welt, die für den Menschen sonst nur unter dem Mikroskop sichtbar wird. Die beiden geben ihm einen Einblick in ihr Leben am Meeresgrund und nehmen ihn mit in ihre Kammerling-Schule, wo sie eines Tages Milus kennenlernen. Nach anfänglichem Misstrauen gegenüber dem Fremden, freunden sich Tessi und Tipo mit Milus an. Doch schon bald erkrankt er und sein sonst so glänzendes Gehäuse wird ganz matt und rissig. Die beiden müssen all ihren Mut aufbringen, um schließlich zu erfahren, dass die vom Menschen verursachte Ozeanversauerung eine große Gefahr für Milus und sie selbst darstellt.

Tessi & Tipo: Die Entdeckung der Ozeanversauerung

Das Buch kostet 9,95 EUR und eignet sich ab einem Alter von 8 Jahren.


Diverse Artikel zum Thema Meeresversauerung

Das GEOMAR führt mit den Kieler Mesokosmen ein einmaliges Langzeit-Experiment zur Ozeanversauerung durch.
[zum Artikel vom 23.01.2013]

Französische Wissenschaftler warnen, dass die Versauerung des Mittelmeeres eine Bedrohung für z.B. Korallen und Mollusken (Weichtiere) darstellt und ein Massensterben einsetzt.
[zum Artikel vom 06.09.2011]

In den nächsten einhundert Jahren bleibt ein Großteil des im arktischen Meeresboden eingelagerten Methans stabil. Das austretende Klimagas verstärkt jedoch die Ozeanversauerung – besonders in den bodennahen Wasserschichten, die bisher als weniger gefährdet galten.
[zum Artikel vom 06.05.2011]

Die Kalkalge Emiliania huxleyi transportiert Kohlenstoff in den tiefen Ozean und produziert außerdem ein klimakühlendes Gas. Ein Forscherteam aus deutschen, britischen und norwegischen Instituten untersucht, wie dieser Winzling auf die Ozeanversauerung reagiert und welche Folgen dies für den globalen Klimawandel hat.
[zum Artikel vom 05.05.2011]

Geo-Engineering / Climate Engineering: Die künstlich beschleunigte Verwitterung des Minerals Olivin könnte der Atmosphäre vermehrt Kohlendioxid (CO2) entziehen und der Ozeanversauerung entgegenwirken.
[zum Artikel vom 11.11.2010]

Mehr als 200 Wissenschaftler aus ganz Europa tagen zum Thema Ozeanversauerung auf Einladung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.
[zum Artikel vom 29.09.2010]

Riesensprung für die Foschung: Eines der größten europäischen Experimente zu den Folgen der Ozeanversauerung zeigt, dass sich maritime Lebensgemeinschaften mit der Versauerung stark verändern.
[zum Artikel vom 19.07.2010]

Verschiedene Wissenschaftler untersuchen im Rahmen des EPOCA-Projektes die Ozeanversauerung. In einem Experiment untersuchen sie Reaktionen arktischen Ökosystems auf die rapiden Veränderungen der Ozeanchemie.
[zum Artikel vom 4.06.2010]

Greenpeace und IFM Geomar untersuchen mit dem Schiff Esperanza die stärksten Bedrohungen der Arktis – u.a. die Ozeanversauerung.
[zum Artikel vom 17.05.2010]

Seeigel & Co spielen eine größere Rolle im Kohlenstoffkreislauf als bisher angenommen. Zugleich sind sie durch die zunehmende Ozeanversauerung im Bestand gefährdet.
[zum Artikel vom 18.01.2010]

Expertentreffen zur Ozeanversauerung: BIOACID startet. Es ist das weltweit erste nationale Forschungsprogramm zur Ozeanversauerung. Es soll die möglichen Folgen auf marine Ökosysteme abschätzen.
[zum Artikel vom 28.10.2009]

Ein Mega-Treibhauseffekt der Erdgeschichte führte zu globaler Erwärmung, Ozeanversauerung und massenhaftem Artensterben in den Meeren.
[zum Artikel vom 6.10.2009]


Folgen der Ozeanversauerung für Korallen

Wissenschaftler forschten nach Ursachen des Korallensterbens. Hierzu gehören Erosionen an Küsten, Meeresversauerung und Wassererwärmung.
[zum Artikel vom 23.05.2012]

Französische Wissenschaftler warnen, dass die Versauerung des Mittelmeeres eine Bedrohung für z.B. Korallen und Mollusken (Weichtiere) darstellt und ein Massensterben einsetzt.
[zum Artikel vom 06.09.2011]

Das GEOMAR in Kiel hat Mesokosmen entwickelt, mit denen die Meeresversauerung besser untersucht werden kann.
[zum Artikel vom 16.06.2009]


Stand: 01.2013

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Geo-Engineering / Climate Engineering

Donnerstag 14. Juni 2012 von birdfish

Der Begriff Geo-Engineering (oder Climate Engineering) bezeichnet vorsätzliche und großräumige Eingriffe mit technologischen Mitteln in geochemische oder biogeochemische Kreisläufe der Erde. Als Ziele derartiger Eingriffe werden hauptsächlich das Stoppen der Klimaerwärmung, der Abbau der CO2-Konzentration in der Atmosphäre oder die Verhinderung einer Versauerung der Meere genannt.
Quelle: Wikipedia.de


Offizielle Begriffsdefinition Geo-Engineering und Climate Engineering des Deutschen Bundestages (PDF)


Maßnahmen des Climate Engineering
Übersicht über verschiedene Climate Engineering Maßnahmen, die aktuell diskutiert werden. Welche Risiken und Nebenwirkungen sie beinhalten, ist noch zu wenig erforscht. Ein neues Schwerpunktprogramm der DFG soll das ändern.
Grafik: Kiel Earth Institute

Das Experiment hat längst begonnen. Als der Mensch vor rund 200 Jahren begann, mit Fabriken und Verkehrsmitteln auch große Mengen Kohlendioxid zu produzieren, startete er damit – unbewusst, unkontrolliert und lange unerkannt – einen gigantischen Versuch mit der Erdatmosphäre. Mittlerweile kennen wir das Ergebnis: Der natürliche Treibhauseffekt wird von dem zusätzlichen CO2 verstärkt, die durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde steigen, das Klima ändert sich. Jetzt sind Möglichkeiten gefragt, die Folgen dieses ungewollten Experiments zu begrenzen.

Theoretisch ist der einfachste Weg, die Emissionen von Kohlendioxid schnell wieder zu verringern. Doch bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung und dem Industrialisierungsschub großer Schwellenländer erweist sich dieser Weg in der Praxis als schwierig. Deshalb werden vermehrt großtechnische Maßnahmen in die Diskussion eingebracht, die gezielt eingesetzt werden sollen, die atmosphärische CO2-Konzentration abzusenken oder die einfallende Sonnenstrahlung abzuschwächen. „Diese großtechnischen Maßnahmen fasst man unter dem Begriff Climate Engineering zusammen“, erklärt Professor Andreas Oschlies vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Doch bislang gibt es weder verlässliche Informationen über die Potenziale dieser Maßnahmen, noch über Nebenwirkungen“, so Oschlies weiter.

Um in der Diskussion über das Climate Engineering eine wissenschaftlich belastbare Grundlage zu erhalten, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt ein Schwerpunktprogramm mit dem Titel „Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?“ bewilligt. Professor Oschlies hatte es als Initiative des Kiel Earth Institute mit Unterstützung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und einer Kerngruppe von 18 Wissenschaftlern von Universitäten und Instituten aus ganz Deutschland beantragt. Das Schwerpunktprogramm soll in den kommenden sechs Jahren die erheblichen Unsicherheiten untersuchen, die mit den Ideen und Konzepten des Climate Engineering verbunden sind.

Die beteiligten Wissenschaftler beschäftigen sich dabei sowohl mit der naturwissenschaftlich-technischen Dimension der diskutierten Maßnahmen, als auch mit sozialen, politischen, rechtlichen und ethischen Aspekten. „Climate Engineering ist immer so angelegt, dass es zumindest überregionale, oft aber auch zeitlich verzögerte Folgen hat, was eine Bewertung so schwierig macht. Da stellen sich zum Beispiel die Fragen, wer über einen Einsatz von Climate Engineering überhaupt entscheiden dürfte und wer bei welchen Nebenwirkungen haften müsste. Gerade dieser Multidimensionalität wird in der internationalen Forschung derzeit nur sehr wenig Raum eingeräumt“, betont Professor Oschlies. Das nun bewilligte DFG-Schwerpunktprogramm wird das Thema deshalb in einer international einmaligen fachlichen Breite ergebnisoffen betrachten. Damit soll eine Basis für eine sorgfältige Abwägung von möglichen Vor- und Nachteilen geschaffen werden.

Dies kann wichtige Argumente sowohl für die internationale klimapolitische Diskussion als auch für gesellschaftliche Entscheidungen über einen möglichen Einsatz von Climate Engineering liefern.
Wichtig für die Wissenschaftler ist aber auch eine informierte Öffentlichkeit. Bereits im September 2011 wurde hierzu vom Kiel Earth Institute in Kooperation mit dem Marsilius Kolleg der Universität Heidelberg einInternetportal aufgebaut. Nachrichten und Informationen zu Climate Engineering werden hier tagesaktuell zusammengeführt, um der Debatte mehr Transparenz zu verleihen. Hierzu wird das Portal auch während des Schwerpunktprogramms genutzt werden.

Internetportal zum Climate Engineering
Quelle: Geomar


Broschüre des Umweltbundesamtes ‘Geo-Engineering – wirksamer Schutz oder Größenwahn?’ (PDF, Stand April 2011)


Infos zum Thema Eisendüngung


Stand: Juni 2012

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