KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Deutschland kann wiederholt EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid nicht einhalten

Dienstag 26. Februar 2013 von birdfish

Nach Kenntnis des BUND will die Europäische Kommission 33 von 56 Fristverlängerungsanträge deutscher Städte zur Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte nicht genehmigen.

Schiffe tragen zum Ausstoß bei
Schiffe tragen zum Ausstoß der Gase bei – Foto: siepmannH / pixelio

Die Unterlagen seien nicht ausreichend und gingen in einigen Fällen nicht über das Niveau von Entwürfen hinaus, so die Begründung der EU-Kommission. So beinhalteten unter anderem die Minderungspläne für Hamburg, München, Stuttgart und viele Städte im Ruhrgebiet unzureichende Maßnahmen, durch die eine Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte bis zum Jahr 2015 nicht gewährleistet sei.

Jens Hilgenberg, BUND-Verkehrsexperte: “Die EU hat den zuständigen Behörden in Deutschland eine klare Watsche erteilt. Mit unausgegorenen Plänen zur Bekämpfung der Stickoxidbelastung lässt sich die Kommission nicht abspeisen. Wir fordern die Kommunen auf, sofort zu handeln und den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Nur das kann zu einer Entlastung der Luft führen.”

Sollte die Kommission die Einwände gegen die Fristverlängerung aufrechterhalten, kämen enorme Strafzahlungen auf Deutschland zu.

Diese würden von der Bundesregierung mit großer Sicherheit an die Länder und Kommunen weitergereicht. “Es kann nicht sein, dass die Steuerzahler mal wieder für die Fehlplanungen der Politik zahlen müssen. Diese Gelder würden in den chronisch unterfinanzierten Haushalten der Kommunen eine viel sinnvollere Verwendung für eine Verbesserung des Radverkehrs oder den Ausbau des ÖPNV finden”, sagte Hilgenberg.

Hauptversucher von Stickstoffdioxid-Emissionen sei der Verkehr. Zu viele Pkw und Lkw in den Städten seien das größte Problem. In Städten mit großen Flüssen oder Hochseehäfen käme die Schifffahrt als eine der Hauptemittenten dazu. Aber auch ungefilterte Baumaschinen und Diesellokomotiven trügen zu den erhöhten Stickstoffdioxid-Belastungen bei.

2015 ist das Jahr, bis zum dem die Grenzwerteinhaltung von den Kommunen laut EU-Richtlinie 2008/50/EG maximal aufgeschoben werden kann. Voraussetzung dafür sind aber genaue Aufstellungen, welche Maßnahmen in den Städten wann getroffen werden sollen und welches Minderungspotential gesehen wird.

Zum “Beschluss der EU-Kommission vom 20.2.2013 betreffend die Mitteilung der Bundesrepublik Deutschland über die Verlängerung der Frist für das Erreichen der NO2-Grenzwerte in 57 Luftqualitätsgebieten” (PDF)

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CO2-Grenzwerte für Pkw: Autoindustrie verweigert Verantwortung für Klimaschutz

Mittwoch 6. Februar 2013 von birdfish

Der BUND hat der deutschen Autoindustrie und der Bundesregierung vorgeworfen, auf der EU-Ebene strengere Limits für Treibhausgas-Emissionen von Personenkraftwagen zu blockieren.

Geländewagen
Geländewagen – begünstigte CO2-Schleudern – Foto: Günter Hommes / pixelio

Indem sie sich dabei auf die Seite der deutschen Automobilindustrie stelle, torpediere die Bundesregierung Pläne, den Pkw-Sektor beim Klimaschutz stärker heranzuziehen, sagte der BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg in Berlin.

“Mit ihrer Absicht, den für 2020 von der EU anvisierten Grenzwert für die CO2-Emissionen neuer Autos von durchschnittlich 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer weiter aufzuweichen, geht die Bundesregierung vor der Autolobby in die Knie. Dabei ist schon dieses EU-Ziel wenig ehrgeizig und klimapolitisch unzulänglich. Setzt sich die Bundesregierung mit ihrer Haltung durch, wird Deutschlands ohnehin angeschlagene Glaubwürdigkeit beim internationalen Klimaschutz erneut schwer beschädigt”, sagte Hilgenberg.

Hinzu komme, dass die deutschen Autohersteller verlangten, bei der Bilanzierung der CO2-Emissionen ihrer aktuellen Neuwagen von ihnen produzierte Elektroautos mit dem Wert von jeweils Null Gramm Kohlendioxid pro Kilometer einzurechnen, und zwar mehrfach. Dieser “CO2-Buchungstrick” nutze vorrangig den Herstellern großer und schwerer Fahrzeuge, so Hilgenberg.

“Elektroautos gleich mehrfach als Null-Emissions-Fahrzeuge anzurechnen ist eine offensichtliche Ökolüge. Mit einem plumpen Buchungstrick werden dringend notwendige Verbrauchsminderungen bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren hinausgezögert. Diese Taschenspielereien verhindern, dass der Trend zu immer größeren, schwereren und leistungsstärkeren Fahrzeugen gestoppt und umgekehrt wird”, sagte Hilgenberg.

Die Bundesregierung dürfe “nicht nach der Pfeife der Autohersteller tanzen”, forderte der BUND-Verkehrsexperte. Wolle sie beim Klimaschutz glaubwürdig bleiben, müsse sie den Grenzwert für die CO2-Emissionen neuer Autos auf durchschnittlich 80 Gramm pro Kilometer für das Jahr 2020 herabsetzen.

“Für 2030 würde dies bedeuten, dass dann sämtliche in Europa fahrenden Autos im Durchschnitt drei Liter Sprit auf hundert Kilometer verbrauchen. Damit wären wir beim Klimaschutz im Verkehrssektor schon mal einen wichtigen Schritt weiter”, so Hilgenberg.

Der BUND-Verkehrsexperte forderte außerdem eine Grenzwertsetzung von 60 Gramm CO2 pro Kilometer für das Jahr 2025. “Ein solches Langfristziel ist sinnvoll, denn es gibt den Autoherstellern Planungssicherheit. Und es würde dazu führen, dass wesentlich sparsamere Fahrzeuge deutlich schneller auf den Markt kommen”, sagte Hilgenberg.

BUND-Hintergrundpapier zur Begrenzung der Treibhausgase bei PKW

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‘Jahr der Luft’: Europäische Umweltverbände fordern ambitionierte Luftreinhaltepolitik

Dienstag 8. Januar 2013 von birdfish

Anlässlich des europäischen “Jahres der Luft” hat das Bündnis aus Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden der Kampagne “Rußfrei fürs Klima” die anhaltend hohe Luftschadstoffkonzentration in Deutschland und der EU kritisiert und ein entschiedeneres Engagement Deutschlands zur Luftreinhaltung gefordert.

Luftverschmutzung in Duisburg
Duisburg: Luftverschmutzung macht Menschen krank – Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Partnerorganisationen übergaben einen Forderungskatalog für eine bessere Luftreinhaltepolitik in dreizehn europäischen Ländern an die nationalen Umweltministerien. Anlass für das Bündnis war der Beginn des “Jahr der Luft” das EU-Umweltkommissar Janez Potočnik für 2013 ausgerufen hat. Potočnik erhielt heute in Brüssel den Forderungskatalog aus den Händen der Verbandsvertreter.

“Der EU-Umweltkommissar hat mit seiner Ankündigung die Messlatte für die europäische Luftreinhaltepolitik in diesem Jahr hoch gelegt – das ist ein gutes Signal. Doch entscheidend sind die konkreten Ergebnisse: 2013 wird erst wirklich zum Jahr der Luft, wenn die Grenzwerte ausreichend verschärft und wirksame Maßnahmen eingeleitet wurden, um die Gesundheit der Europäer zu schützen”, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Da bei der europäischen Gesetzgebung auch die Positionen der nationalen Umweltminister gefragt sind, trägt Minister Altmaier eine besondere Verantwortung. “Wir werden das ganze Jahr begleiten und prüfen, ob der Umweltminister ihr gerecht werden wird.”

Michael Ziesak, Bundesvorsitzender des ökologischen Verkehrsclubs VCD ergänzt: “Es ist unglaublich, dass effektive Maßnahmen zur Luftreinhaltung insbesondere im Verkehrsbereich nicht vollumfänglich umgesetzt werden. Schließlich ist ein Drittel der europäischen Großstädter zu hohen Feinstaubwerten ausgesetzt, wie eine aktuelle Studie der europäischen Umweltagentur belegt. Die hohe Luftverschmutzung führt zu Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Asthma und knapp einer halben Million vorzeitigen Todesfällen. Nicht zuletzt verursacht dies auch hohe volkswirtschaftliche Kosten”.

Das Aktionsbündnis der Umweltverbände wird von Menschen aus ganz Europa unterstützt, die mit der Einsendung ihres Fotos deutlich machen, dass ihre Politiker in Sachen saubere Atemluft endlich handeln müssen. Die Fotos wurden jetzt gemeinsam mit den Forderungen als Neujahrskarte an die zuständigen Politiker auf nationaler und europäischer Ebene verschickt. “Da Luftverschmutzung bekanntlich nicht an Grenzen halt macht, ist eine ambitionierte Luftqualitätspolitik auch Ausdruck der europäischen Idee grenzüberschreitender Verantwortung für Mensch und Natur”, so Manfred Braasch vom BUND.

2013 muss die EU ambitionierte Grenzwerte für alle Luftschadstoffe festlegen, um ihren Rückstand gegenüber den Empfehlungen der Vereinten Nationen aufzuholen. “Teilweise überschreiten die heute in der EU geltenden Grenzwerte sogar die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Limits”, sagte Dorothee Saar von der DUH. Dabei stünden effektive und kostengünstige Lösungen längst zur Verfügung, deren Wirksamkeit in verschiedenen Studien belegt worden sei. Neben einer Verschärfung der Grenzwerte seien Mess- und Überwachungsmaßnahmen unabdingbar, die ihre Einhaltung gewährleisteten.

Im Jahr 2013 stehen Novellierungen zentraler EU-Richtlinien zum Thema Luftreinhaltung an. Aus Sicht der Umweltverbände sind dabei insbesondere folgende Aspekte von Bedeutung, um die europaweit gültigen Luftqualitätsstandards zu verschärfen und anzupassen:

Die Feinstaubbelastung sollte künftig anhand der Partikelanzahl und nicht der Partikelmasse gemessen werden.
Die Nationalen Emissionshöchstmengen (NEC) für Dieselruß, Stickoxide und Ammoniak müssen ambitioniert ausgestaltet und ihre Überwachung sichergestellt werden.
Emissionen aus der Landwirtschaft, insbesondere Ammoniak und Methan, müssen deutlich reduziert werden.
Der Schadstoffausstoß, insbesondere Feinstaub (PM), von kleinen Industrieanlagen muss dringend begrenzt werden.
PM und damit auch Dieselruß-Emissionen von “Nicht-straßengebundenen mobilen Maschinen und Geräten” (NRMM) wie Bau- und Landmaschinen müssen signifikant reduziert werden.
Feinstaub-, Dieselruß- und Stickoxidemissionen aus dem Bereich der Schifffahrt müssen drastisch reduziert werden.
Die künftige Regulierung von Emissionsobergrenzen bei Fahrzeugen muss sich auf die Emissionen unter realistischen Bedingungen beziehen, alle wesentlichen Fahrbedingungen abbilden und damit auch niedrige Umgebungstemperaturen berücksichtigen.

Die Kampagne “Rußfrei fürs Klima”, getragen von den deutschen Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Naturschutzbund (NABU), Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Deutsche Umwelthilfe (DUH), wird die nationalen und europäischen Maßnahmen im Jahr der Luft kritisch begleiten. Ausgerichtet auf ihr Ziel, die Klimawirkungen von Dieselrußemissionen ins Bewusstsein von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu bringen und Maßnahmen zur Rußminderung einzufordern.

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Umweltverbände protestieren in Berlin gegen Dieselruß-Busse und für saubere Luft

Freitag 4. Mai 2012 von birdfish

Mit einer Aktion vor dem Brandenburger Tor protestierte diese Woche das Bündnis ‘Rußfrei fürs Klima’ gegen die Einfahrt von Reisebussen ohne Partikelfilter in deutsche Innenstädte.

Stadtverkehr
Stadtverkehr – Foto: PeeF / Pixelio

Mit einem Banner, schwarzen Ballons, rußgeschwärzten Gesichtern und der Forderung „Wir wollen durchatmen – Kein Bus ohne Filter!“ machen die Umweltschützer auf die andauernde Belastung durch filterlose Reisebusse in Innenstadtbereichen aufmerksam.

„Nur wenn die Städte und Kommunen ihre Umweltzonen richtig umsetzen, können die von der EU vorgegebenen Luftschadstoffgrenzwerte eingehalten werden“, erklärt Michael Ziesak, VCD-Bundesvorsitzender. „Wer schmutzigen Reisebussen weiterhin Ausnahmegenehmigungen verschafft, riskiert nicht nur die eigene politische Glaubwürdigkeit, sondern schadet auch der Bevölkerung.“

Ein unter Federführung des Bundesumweltministeriums erarbeiteter Leitlinienentwurf sah die Bevorteilung ungefilterter Reisebusse vor. Danach sollten entsprechende Fahrzeuge bis Ende 2014 in die Umweltzonen einfahren dürfen. Zwar haben die Bundesländer nach heftiger Kritik der Umwelt- und Verkehrsverbände die Kernelemente des Entwurfs abgelehnt. Von dem Ziel, Reisebussen ohne Partikelfilter die Einfahrt in die Umweltzonen zu gestatten, ist man jedoch nicht abgerückt. Stattdessen überlegt man, die bisher geltende Regelung von Einzelgenehmigungen für die Einfahrt in „grünen“ Umweltzonen zu einem Freifahrtschein für alle sieben Umweltzonen mit grüner Plakettenpflicht zu machen.

„Ungefilterte Reisebusse belasteten mit ihren Dieselruß-Abgasen die Atemluft deutscher Städte. Wir brauchen ‚saubere Busse für saubere Städte‘. Daher fordern wir noch in diesem Jahr einen Einfahrstopp für schmutzige Reisebusse nach dem Beispiel von London und Berlin”, so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Während Berlin seit diesem Jahr nur noch Reisebussen mit grüner Plakette die Einfahrt erlaubt und in London eine Strafe von 1.000 britischen Pfund bei Einfahrt eines ungefilterten Busses fällig wird, kämpfe in Deutschland die Reisebuslobby für eine „freie Fahrt ungefilterter Busse“ bis Ende 2014.

In Berlin wurde die Umweltzone konsequent und zielführend umgesetzt. Seit dem 1. Januar 2012 gilt die Einfahrtbeschränkung und Plakettenpflicht auch für Reisebusse. Negative Auswirkungen blieben aus, da sich die Unternehmen rechtzeitig auf die Neuregelung eingestellt haben. Das gleiche Bild bietet sich in anderen Ländern, wo die Regelungen für Reisebusse ähnlich streng gehandhabt werden.

Die in der Allianz „Rußfrei fürs Klima“ zusammengeschlossenen Verbände fordern von Bund, Ländern und Kommunen nur Reisebussen mit grüner Plakette die Einfahrt in die Umweltzonen zu erlauben „Der Umweltminister ist dafür verantwortlich, das Leben und die Gesundheit der Menschen zu schützen“, sagt Heiko Balsmeyer, Experte des VCD für Luftreinhaltung. „Wenn Minister Röttgen stinkenden und qualmenden Reisebussen auch in den nächsten zwei Jahren die Einfahrt in Umweltzonen erlaubt, schadet er der Gesundheit von Tausenden von Menschen.“

Allein in Deutschland sterben jährlich 15.000 Menschen vorzeitig an den Folgen der zu hohen Feinstaubbelastung. Die hohe Belastung mit Rußpartikeln aus Reisebussen geschieht, obwohl die Möglichkeit zur Nachrüstung von Bussen mit gelber Plakette mit einem Partikelfilter bei mehr als 90 Prozent der Fahrzeuge problemlos möglich ist.

„Die Bundesregierung ist gegenüber der EU-Kommission der erste Ansprechpartner für die Einhaltung der Luftreinhaltewerte in Deutschland“, erklärt Barbara Göppel, stellvertretende Leiterin für Verkehr und Luftreinhaltung der DUH. „Deshalb fordern die Verbände sie auf, die Länder und Kommunen bei der einheitlichen Umstellung ihrer Umweltzonen auf die grüne Plakettenpflicht noch in 2012 zu unterstützen und nicht das Gegenteil zu tun und zur Marionette der Reisebuslobby zu werden. Es liegt in der Verantwortung aller zuständigen Politiker, sich für saubere Luft in deutschen Städten einzusetzen.“

Aktionsbündnis ‘Rußfrei fürs Klima’

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Ramsauers Flensburg-Reform ignoriert Gesundheitsschutz in Ballungszentren

Freitag 9. März 2012 von birdfish

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) möchte im Rahmen der Reform des Strafpunktesystems in Flensburg die einzige Umwelt- und Gesundheitsbezogene Regelung ersatzlos streichen.

Stadtverkehr
Umweltzonen können Leben retten – Foto: PeeF / Pixelio

Dies stößt bei Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden in Deutschland auf massiven Widerstand. In Deutschland sterben fast viermal mehr Menschen infolge von ultrafeinen Rußpartikeln aus Dieselmotoren als durch Verkehrsunfälle. Daher dürfe eine Ahndung von Verstößen gegen die Auflagen in Umweltzonen in dem neuen Register nicht einfach entfallen, forderten die in der Kampagne „Rußfrei fürs Klima“ zusammengeschlossenen Verbände Naturschutzbund NABU, Bund für Umwelt und Naturschutz BUND, Verkehrsclub Deutschland VCD und Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Die Verbände setzen sich seit Jahren für die Minderung von gesundheits- und klima-gefährdenden Rußemissionen insbesondere in Ballungszentren ein. Dazu sei das Instrument der Umweltzone, das Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter aus den hoch belasteten Innenstädten verbannt, das wirksamste Einzelinstrument. Verstöße gegen die Auflagen der Umweltzonen werden nach geltendem Recht mit einer Geldbuße in Höhe von 40 Euro geahndet – und einem Punkt in Flensburg. In dem neuem Punktesystem des Bundesverkehrsministers soll dieser Strafpunkt ersatzlos entfallen.

Die Verbände werfen Ramsauer vor, mit seiner Reform des Punktesystems die Zahl der Personenschäden durch den Autoverkehr nicht zu verringern, sondern im Gegenteil die gesundheitlichen Gefahren zu erhöhen. Bezogen auf die Umweltzonen käme die Reform einer Aufforderung an die Autofahrer gleich, geltende Gesetze zum Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger und der Umwelt zukünftig als Kavaliersdelikt zu betrachten.

NABU, BUND, VCD und DUH fordern Ramsauer auf, den Strafpunkt für Verstöße gegen Umweltzonenregelungen beizubehalten. Nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben in Deutschland jedes Jahr rund 70.000 Menschen vorzeitig an Feinstaub, davon etwa 15.000 durch Partikel aus Dieselabgasen. Das sind nahezu vier mal soviel Menschen wie im vergangenen Jahr im Straßenverkehr (3.991 Verkehrstote) ums Leben kamen.

Kampagne “Rußfrei fürs Klima”

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Zeppelin fliegt für die Klimaforschung – Jülicher Forscher messen Luftqualität

Dienstag 22. November 2011 von birdfish

In Friedrichshafen läuft jetzt eine Testkampagne: Jülicher Klimaforscher überprüfen und optimieren die Messausrüstung für den bisher größten wissenschaftlichen Einsatz eines Zeppelins NT ab Mai 2012.

Zeppelin NT
Zeppelin NT – Foto: Forschungszentrum Jülich

Dann startet das Luftschiff zu mehrwöchigen Flugmissionen – koordiniert von Jülicher Wissenschaftlern. Ziel sind Untersuchungen der Atmosphäre über den Niederlanden, Italien, dem Mittelmeer und schließlich 2013 über Finnland. Die Kampagne ist Teil des EU-Projekts PEGASOS, in dem 26 Partner aus 15 europäischen Staaten die Zusammenhänge zwischen Atmosphärenchemie und Klimawandel erforschen.

Drei verschiedene Sets von Messgeräten passen die Wissenschaftler in Friedrichshafen an den Innenraum des Zeppelins an und testen ihre Funktion bei Flügen. Ab Mai sollen diese Geräte dann unter anderem Daten zur Selbstreinigungskraft der Atmosphäre sammeln. Im Fokus steht dabei das sogenannte „Waschmittel“ der Atmosphäre, chemisch das Hydroxylradikal (OH-Radikal). Es leitet den Abbau der meisten Schadstoffe ein und ist somit ein Maß für die Reinigungskraft der Atmosphäre. In einem natürlichen Kreislauf wird es auch wieder recycelt. Hier sind die Jülicher Forscher aber in den vergangenen Jahren auf Unstimmigkeiten gestoßen, was die bisherige Theorie zu dem Recycling angeht. Die Zeppelinflüge sollen nun Klarheit schaffen, da sie auch in den Höhen stattfinden, in denen diese Prozesse ablaufen. Weitere Fragen drehen sich rund um die Schwebeteilchen: Aus welchen Quellen stammen sie? Wie lagern sie sich zu größeren Partikeln zusammen? Welche chemischen und physikalischen Auswirkungen haben sie auf das Klima und die Luftqualität? Und welche Rolle spielen sie beim Recycling des natürlichen „Waschmittels“?

Ein internationales Team aus 15 Wissenschaftlern und Technikern wird den Zeppelin NT auf seiner Mission begleiten. 2012 geht es zunächst auf eine zweiwöchige Reise nach Cabauw in den Niederlanden, ab Juni dann für gut fünf Wochen nach Italien, wo in Kooperation mit italienischen Forschern Messungen in der Poebene und über der Adria stattfinden. Im Jahr 2013 werden die Atmosphärenforscher dann ab April zu einer weiteren zweimonatigen Kampagne Richtung Nordeuropa starten – Zielpunkt Hyytiälä in Finnland. Sowohl die Routen der Mission als auch die Messplätze sind auf bestehende Bodenmessstationen abgestimmt. Die Forscher können dadurch Daten aus dem Flug direkt mit ortsgebundenen Messungen vergleichen.

Der Zeppelin NT ergänzt Flugzeuge und fest installierte Bodenstationen in idealer Weise durch seine einzigartigen Flugeigenschaften: Er kann langsam schweben, in der Luft anhalten, vertikal auf- und absteigen, bis zu 24 Stunden fliegen und dabei über eine Tonne schweres Messgerät transportieren. Damit können die Jülicher die Verteilung von Spurengasen bis in 1000 Meter Höhe, die sogenannte planetarische Grenzschicht, genau unter die Lupe nehmen. In dieser bisher wenig untersuchten, aber chemisch sehr reaktiven Region entscheidet sich das Schicksal der meisten Schadstoffe, die an der Erdoberfläche ausgestoßen werden. Informationen darüber sind daher notwendig, um atmosphärische Prozesse detailliert zu verstehen und Modellvorstellungen zu überprüfen

Das EU-Projekt PEGASOS (Pan-European-Gas-AeroSOl-Climate Interaction Study) wird von der Europäischen Kommission im siebten Forschungsrahmenprogramm gefördert. Die Kampagne will den Einfluss der Atmosphärenchemie auf den Klimawandeln messen und die entscheidenden Prozesse klären. Die Ergebnisse sollen dann wissenschaftliche Grundlagen liefern, um EU-weite Maßnahmen zum Klimaschutz zu ermitteln, also die Verbesserung der Luftqualität unter der Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf den Klimawandel. Auch für die weltweite Klimapolitik werden die Untersuchungen zur Verfügung stehen, da die meisten Projektpartner in die Arbeit des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) eingebunden sind.

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Partikelfilter-Nachrüstung für Diesel-Fahrzeuge wird 2012 wieder gefördert

Donnerstag 17. November 2011 von birdfish

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat grünes Licht für die Förderung der Nachrüstung mit Partikelfiltern im Jahr 2012 gegeben.

Abgase einsparen
Foto: Kurt Bouda / Pixelio

Im Haushaltsjahr 2012 stehen für das Programm 30 Millionen Euro zur Verfügung. Damit können rund 90.000 Nachrüstungen gefördert werden.

Bundesumweltminister Röttgen: „Die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen trägt dazu bei, dass der gesundheitsschädliche Partikelausstoß sinkt und die Luftqualität insbesondere in den Innenstädten verbessert wird. So können die von der EU zum Schutz von Umwelt und Gesundheit vorgegebenen Luftqualitätsgrenzwerte für Partikel besser eingehalten werden.“ Nachgerüstete Fahrzeuge erhalten eine günstigere Umweltplakette und können, je nach Plakette und Ausgestaltung der Umweltzone, auch weiterhin in Umweltzonen einfahren.

Gefördert wird die Nachrüstung von Diesel-Pkw und von zur Güterbeförderung genutzten Diesel-Kraftfahrzeugen mit einer zulässigen Gesamtmasse bis zu 3,5 Tonnen (leichte Nutzfahrzeuge). Halter dieser Fahrzeuge können für die Nachrüstung ihres Fahrzeuges mit einem Partikelfilter 330 Euro Barzuschuss vom Staat erhalten.

Das Förderprogramm soll unmittelbar nach Inkrafttreten des Haushaltsgesetzes 2012 am 1. Januar 2012 wirksam werden. Die Förderrichtlinie wird sich eng an die Förderrichtlinie des Förderprogramms 2010 anlehnen und spätestens Anfang des Jahres 2012 im Bundesanzeiger veröffentlicht. Eine rückwirkende Förderung für Nachrüstungen, die im Jahr 2011 vorgenommen wurden, ist aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht möglich. Die verwaltungsmäßige Abwicklung des Förderprogramms übernimmt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

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Durchschnittlicher CO2-Ausstoß von Autos gesunken, Emissionen dennoch gestiegen

Dienstag 5. Juli 2011 von birdfish

In der EU ist der durchschnittliche Kohlendioxidausstoß von Autos 2010 im Vergleich zum Vorjahr um fast vier Prozent gesunken.

CO2-Schleudern werden weniger, Gesamtverkehr nimmt dafür zu
CO2-Schleudern werden weniger, Gesamtverkehr nimmt dafür zu – Foto: Dagmar Struß

Das geht aus den aktuellen Daten des Monitorings der Europäischen Umweltagentur (EEA) hervor. Gleichzeitig meldet die EEA aber auch, dass die verkehrsbedingten CO2-Emissionen zwischen 1990 und 2007 um fast 30 Prozent angestiegen waren.

Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich leicht aufklären: Während die Erfolgsmeldung für das vergangene Jahr darauf zurückzuführen ist, dass von einigen Automobilfirmen umweltfreundlichere Autos, zum Beispiel mit niedrigerem Benzinverbrauch, gebaut wurden, wurden in den 27 Jahren seit 1990 deutlich mehr Wagen zugelassen als zuvor. Zudem legten diese weitere Strecken zurück.

Selbst im vergangenen Jahr hätten Pkws noch weniger Kohlendioxid in die Luft pusten können, wenn die Wagen leichter gewesen wären, monierte der europäische Verkehrsverband Transport and Environment (T&E). Im Schnitt waren die neu zugelassenen Autos – vor allem Geländewagen – 28 Kilo oder zwei Prozent schwerer als 2009.

Der Straßenverkehr ist für gut ein Fünftel der gesamten CO2-Emissionen in der Europäischen Union verantwortlich. Der Anteil von Pkws daran liegt bei über 50 Prozent. Es gelten Obergrenzen für den Ausstoß von Abgasen. Die EU-Regelung sieht bis 2015 einen Höchstwert von 130 g/km vor, der in Stufen erreicht werden soll.

EU-Verordnung zur CO2-Reduzierung von Pkw (PDF)

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