KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Wälder mit alten Bäumen und Totholz sind besser für das Klima und die Artenvielfalt

Mittwoch 6. März 2013 von birdfish

Alte und zerfallende Bäume im Wald spielen eine wichtige Rolle für Natur- und Klimaschutz.

Totholz und Fichtenverjüngung Totholz und Fichtenverjüngung im Harz. Foto: Fotos: Ausserhofer / DSZ

Das haben Wissenschaftler der Universität Göttingen anhand einer Studie im ‘Brockenurwald’ im Harz gezeigt. Die Forscher verglichen Waldstücke mit sehr alten und absterbenden Bäumen mit jüngeren Stadien, wie sie auch in bewirtschafteten Wäldern vorkommen. Waldstadien mit alten Bäumen und Totholz wiesen eine deutlich höhere Artenvielfalt auf – nicht so sehr am Waldboden, aber durch Moose und Flechten, die auf den lebenden und toten Baumstämmen wachsen. Darüber hinaus ist in Waldstücken mit altem Bestand sehr viel mehr Kohlenstoff in der Biomasse und im Boden eingelagert – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

‘Je mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre in der Vegetation und im Boden gebunden wird, desto stärker wirkt der Wald der vom Menschen verursachten Erwärmung der Erdatmosphäre entgegen’, erläutert Dr. Mascha Jacob von der Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung der Universität Göttingen. Während fast alle Wälder in Mitteleuropa spätestens seit dem Mittelalter von Menschen genutzt werden, konnte sich der ‘Brockenurwald’ im Harz lange Zeit ungestört entwickeln. ‘Aufgrund seiner schwer zugänglichen Lage entging der Wald unterhalb des Brockengipfels viele Jahrhunderte der Holznutzung’, so Dr. Jacob.

Nach Ansicht der Wissenschaftler belegen die Ergebnisse der Untersuchungen eindeutig, wie wichtig es ist, ökonomisch wertlose alternde Bäume zu erhalten. ‘Die Forstämter stecken in einem Dilemma’, so Prof. Dr. Markus Hauck, der die Untersuchungen im Harz zusammen mit Dr. Jacob durchführte. ‘Einerseits sollen sie wirtschaftlich arbeiten und die Versorgung mit dem Rohstoff Holz sichern. Andererseits wollen sie einen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten, der aber den wirtschaftlichen Ertrag reduziert. Daher ist es besonders wichtig, den Nutzen von alten und toten Bäumen ohne ökonomischen Wert wissenschaftlich zu untermauern.’ Die Studie wurde drei Jahre lang von der Stemmler-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert.

Originalpublikationen:
Mascha Jacob et al. 2013. Significance of over-mature and decaying trees for carbon stocks in a Central European natural spruce forest. Ecosystems 16:336-346. Doi: 10.1007/s10021-012-9617-0.

Sebastian Dittrich et al. 2012. Response of ground vegetation and epiphyte diversity to natural age dynamics in a Central European mountain spruce forest. Journal of Vegetation Science. Doi: 10.1111/j.1654-1103.2012.01490.x.

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Klimaflucht – Klimaflüchtlinge

Freitag 1. März 2013 von birdfish

Der fortschreitende Klimawandel hat in vielen Ländern der Welt bereits existenzbedrohende Auswirkungen. Die Anzahl der Menschen, die wegen Katastrophen wie Dürre, Überschwemmungen und schweren Umweltschäden gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, wird bereits in den kommenden Jahren dramatisch zunehmen.

Auf dieser Seite sammeln wir wichtige Materialien und Presseartikel zum Thema Klimaflucht und Klimaflüchtlinge.


Material zum Thema Klimaflucht und Klimaflüchtlinge
Broschüre “Auf der Flucht vor dem Klima”
Klimaflüchtlinge

Die Broschüre “Auf der Flucht vor dem Klima” wirft aus der Perspektive von sieben Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen (Amnesty International, Brot für die Welt, DGVN, Germanwatch, Medico International, Oxfam Deutschland, Pro Asyl) einen Blick auf die ungelöste Herausforderung des Schutzes von Menschen, die aufgrund der Folgen des Klimawandels migrieren.

Was sind die Szenarien für klimabedingte Migration? Welche bestehenden Maßnahmen gibt es im internationalen Recht und wie können deren Lücken gefüllt werden? Welches Gremium könnte für solidarische Klimamigrationspolitik verantwortlich werden? Mit diesen Fragen leistet die Broschüre einen Beitrag zur Diskussion über den Umgang mit klimabedingter Migration und stellt Mindestansprüche für die Klimamigrationspolitik. (Stand: 02/2013)

Download der Broschüre “Auf der Flucht vor dem Klima” (bei Germanwatch)


Großes Forschungsprojekt will Westafrikas Ernährungssicherheit langfristig sichern

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt 16 Millionen Euro für die weitere Förderung der internationalen Klimaforschungsinitiative am West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use WASCAL zur Verfügung. WASCAL erforscht die Folgen des Klimawandels für die Land- und Wassernutzung, um Strategien gegen klimabedingte Risiken zu entwickeln.

Das Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) will WASCAL helfen, eine Forschungsinfrastruktur aufzubauen, die es den westafrikanischen Staaten ermöglicht, langfristig Ernährungssicherheit zu schaffen und Ressourcen zu schonen.

Kompletter Artikel vom 11. April 2013


Pressespiegel zum Thema Klimaflucht und Klimaflüchtlinge

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Experten entwickelten auf Einladung der Helsinki-Kommission Ostsee-Positionspapier

Freitag 1. März 2013 von birdfish

Im Februar trafen sich in Warnemünde rund 50 Experten, um auf Einladung der Helsinki Kommission (HELCOM) und des Forschungsprogramms „Baltic Sea Experiment“ (BALTEX) über dringend notwendige Anpassungen des Baltic Sea Action Plans zu beraten, dessen Umsetzung bis zum Jahr 2021 einen guten ökologischen Status der Ostsee wiederherstellen soll.

Ostsee im herbst
Ostsee. Foto: Ingwer Hansen

Die Teilnehmenden einigten sich auf ein Positionspapier mit Handlungsempfehlungen, das HELCOM den Umweltministern der Ostseestaaten bei einem Treffen Anfang Oktober in Kopenhagen vorlegen wird.

Hier die wichtigsten Punkte aus dem Positionspapier:

  1. Der Klimawandel dämpft die positiven Auswirkungen der im Baltic Sea Action Plan umgesetzten Maßnahmen. Deshalb sollten vor allem die vorgesehen Reduktionsziele für den Nährstoffeintrag verschärft  werden, um zum Beispiel eine weitere Ausbreitung anoxischer Zonen zu verhindern.
  2. Die Auswirkungen des Klimawandels üben auch einen zusätzlichen Druck auf die Biodiversität der Ostsee aus. Deshalb sollte der ohnehin schon von Menschen auf die Artenvielfalt ausgeübte Druck deutlich  reduziert werden: unter anderem der Eintrag von giftigen Substanzen wie PBT und Pestiziden, der Jagd – und Fischereidruck, der Beifang von Meeressäugern und Seevögeln in der Fischerei, der Unterwasserlärm und schwerpunktmäßig der Nährstoffeintrag.
  3. Die Erwärmung der Ostsee schafft neue „ökologische Nischen“ für  gebietsfremde, einwandernde Arten. Monitoringprogramme sollten als eine Art Frühwarnsystem aufgebaut werden, vor allem dabei in Häfen und in der Nähe von Aquakulturbetrieben, wo ein besonders hohes Risiko für die Einwanderung sogenannter „Alien Species“ besteht.
  4. Die Ozeane nehmen rund ein Viertel des durch menschliche Aktivitäten freigesetzten CO2 auf. Die daraus folgende Versauerung des Wassers und deren Konsequenzen für marine Organismen sind in der Ostsee kaum untersucht und müssen künftig in den Forschungsprogrammen stärker  berücksichtigt werden.

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Wetter-Extreme: Neuer Mechanismus entdeckt – die Störung riesiger Wellen in Atmosphäre

Dienstag 26. Februar 2013 von birdfish

Eine ganze Reihe regionaler Wetter-Extreme hat in jüngster Zeit die Welt erschüttert – etwa die Hitzewelle in den USA 2011 oder jene in Russland 2010, als auch Pakistan überschwemmt wurde.

WindfeldMeridionales Windfeld über vier verschiedene Zeiträume

Hinter diesen verheerenden Einzelereignissen gibt es eine gemeinsame physikalische Ursache, wie jetzt erstmals Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) aufzeigen. Ihre Studie wird diese Woche in der US-Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Das Ergebnis: Der vom Menschen verursachte Klimawandel stört wiederholt die Muster der Luftbewegungen rund um die nördliche Erdhalbkugel, und zwar wahrscheinlich durch einen raffinierten Resonanz-Mechanismus.
Wetter-Extreme: Neuer Mechanismus entdeckt – die Störung riesiger Wellen in der Atmosphäre

Meridionales Windfeld über vier verschiedene Zeiträume.

„Ein wichtiger Teil der globalen Luftströme in den mittleren Breiten der Erde hat normalerweise die Form von großen Wellen, die um den Planeten wandern und dabei zwischen den Tropen und der Arktis oszillieren“, erklärt der Leit-Autor Vladimir Petoukhov. „Wenn sie hinauf schwingen, so saugen diese Wellen warme Luft aus den Tropen nach Europa, Russland oder die USA; und wenn sie hinab schwingen, tun sie das Gleiche mit kalter Luft aus der Arktis.“

„Wir haben nun entdeckt, dass während mehrerer Wetter-Extreme in den letzten Jahren diese planetarischen Wellen gleichsam wie eingefroren waren, sie blieben wochenlang fast unverändert“, so Petoukhov. „Statt dass sie kühle Luft bringen, nachdem sie zuvor warme Luft gebracht haben, bleibt einfach die Wärme. Wir beobachten eine zunehmende Verlangsamung  – eben durch die heftige Verstärkung der normalerweise schwachen sich langsam bewegenden Anteile dieser Wellen.“ Hierbei kommt es auf die Dauer an: Zwei oder drei Tage mit 30 Grad Celsius sind kein Problem, zwanzig Tage oder mehr aber führen zu extremem Hitzestress. Weil viele Ökosysteme und Städte hieran nicht angepasst sind, können ausgedehnte Hitzeperioden zu vermehrten Todesfällen, Waldbränden und Missernten führen.

Globale Erwärmung beeinflusst die Luftströme

Klimawandel, verursacht durch die Nutzung fossiler Brennstoffe und die dabei entstehenden Treibhausgase, bedeutet keine gleichmäßige globale Erwärmung. In der Arktis ist die relative Erhöhung der Temperaturen, verstärkt durch die Verringerung von Eis und Schnee, größer als im weltweiten Durchschnitt. Dies reduziert den Temperatur-Unterschied zwischen der Arktis und zum Beispiel Europa – Temperatur-Unterschiede aber sind ein wesentlicher Treiber für Luftströme. Außerdem ist die Erwärmung und Abkühlung der Kontinente stärker als jene der Ozeane. „Diese zwei Faktoren sind entscheidend für den von uns entdeckten Mechanismus“, sagt Petoukhov. „Sie führen zu einem unnatürlichen Muster in den Luftbewegungen der mittleren Breiten der Erde, so dass die langsamen synoptischen Wellen wie gefangen sind.“

Die Autoren haben Gleichungen entwickelt, welche diese Wellenbewegungen in der Atmosphäre beschreiben – und zeigen, unter welchen Bedingungen diese Wellen sich sehr stark verlangsamen und aufschaukeln. Die Wissenschaftler haben ihre Annahmen getestet an Standard-Sets von täglichen Wetterdaten der US National Centers for Environmental Prediction (NCEP). Tatsächlich konnte beobachtet werden, dass während der Wetter-Extreme der vergangenen Jahre besondere planetarische Wellen – etwa „Welle Sieben“, die rund um die Erde sieben Täler und Gipfel hat – zum Stillstand kamen und sich verstärkten. Die Daten zeigen eine Zunahme solcher spezieller atmosphärischer Muster, und zwar mit einer statistischen Verlässlichkeit von 90 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit von Extremen wächst – Grund sind aber mehrere Faktoren

„Unsere dynamische Analyse hilft, die wachsende Zahl von neuartigen Wetter-Extremen zu erklären“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK und Ko-Autor der Studie. „Das ist ein ziemlicher Durchbruch, auch wenn die Dinge keineswegs einfach sind – die von uns dargelegten physikalischen Prozesse erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Wetter-Extremen, aber selbstverständlich spielen mehrere weitere Faktoren eine Rolle, einschließlich natürlicher Schwankungen.“ Außerdem bietet der Zeitraum von 32 Jahren, der in dem Projekt untersucht wurde, zwar gute Hinweise auf den Mechanismus hinter den Extremen, ist aber zu kurz für abschließende Folgerungen.

Dennoch bringt die Studie einen deutlichen Fortschritt im Verständnis der Beziehungen zwischen Wetter-Extremen und dem vom Menschen verursachten Klimawandel. Die Wissenschaftler waren überrascht, wie weit jenseits des bislang Gekannten einige der jüngsten heftigen Wetter-Extreme lagen. Die neuen Daten zeigen, dass das Entstehen außerordentlicher Wetter-Ereignisse nicht einfach eine lineare Antwort auf den allgemeinen Trend der Erwärmung ist – und der jetzt aufgezeigte Mechanismus könnte das erklären.

Originalpublikation:
Petoukhov, V., Rahmstorf, S., Petri, S., Schellnhuber, H. J. (2013): Quasi-resonant amplification of planetary waves and recent Northern Hemisphere weather extremes. Proceedings of the National Academy of Sciences (Early Edition) [doi:10.1073/pnas.1222000110]

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Neue nachhaltige Nutzungssysteme sollen in Vietnam dem Klimawandel entgegenwirken

Montag 25. Februar 2013 von birdfish

Vietnam gilt als einer der Tigerstaaten in Asien, denn die Wirtschaft floriert seit Jahren ungebremst.

VietnamVietnam. Foto: D. Meinhardi / LUCCi

Der Aufschwung birgt aber Nachteile für Landschaft und Natur. Gemeinsam wollen deshalb deutsche und vietnamesische Forscher in Zentral-Vietnam nachhaltige Nutzungssysteme erarbeiten. Diese scheinen dringend notwendig, denn die Region könnte zudem unter den Folgen des Klimawandels ganz besonders leiden.

‘Vietnam’ ist das Thema des jüngsten Porträts des Forschungsschwerpunkts ‘Nachhaltiges Landmanagement’, das das Projekt ‘LUCCi’ vorstellt.

Blutrünstige Egel, lästige Stechmücken, hohe Temperaturen und schwer zugängliches Gelände – Forschung in den Bergwäldern in Zentral-Vietnam ist schweißtreibend und nicht für jeden ein Vergnügen. Doch die promovierte Biologin Claudia Raedig liebt ihren Job. Sonst würde sich die Wissenschaftlerin der Fachhochschule (FH) Köln nicht davon abhalten lassen, durch Bergwälder und Mangrovenwälder zu stiefeln, um Baumarten zu bestimmen.

“Die Bergregionen Vietnams gehören zu den artenreichsten Regionen weltweit, gleichzeitig fehlen aber für die Region präzise Daten”, sagt die Wissenschaftlerin. Wo gibt es welche Baumarten? Welche Höhe und Umfang haben die Bäume? Wie oft kommen die einzelnen Baumarten vor? Diese Wissenslücke sollen Raedigs Untersuchungen schließen, die sie zusammen mit Wissenschaftlern der Hue Universität für Land- und Forstwirtschaft sowie lokalen Rangern in der Projektregion von insgesamt ca. 12 000 Quadratkilometern macht, einer Fläche mehr als 14-mal so groß wie Berlin.

Claudia Raedig ist aber nicht die einzige deutsche Forscherin, die derzeit auf dem schmalen zentralvietnamesischen Landstreifen den Geheimnissen der Natur auf die Spur kommen will. “Wechselwirkungen zwischen Landnutzung und Klimawandel in Zentral-Vietnam”, kurz und bündig LUCCi, heißt das Forschungsprojekt, für das sich ein deutsch-vietnamesisches Forscherteam im Einzugsgebiet der beiden Flüsse Vu Gia und Thu Bon zusammengefunden hat. Die Wissenschaftler kommen aus den unterschiedlichsten Disziplinen: Von der Agrar- und Forstwissenschaft über Klima-, Hydrologie- und Wassermanagement bis hin zu Sozial- und Politikwissenschaften.

Noch bis Juni 2015 wollen sie Strategien entwickeln, wie sich Zentral-Vietnam mit einer angemessenen Land-, Forst- und Wasserwirtschaft gegen mögliche Folgen des Klimawandels wappnen kann. Vier Millionen Euro hat ihnen das Bundesforschungsministerium für das auf fünf Jahre angelegte Projekt zur Verfügung gestellt. Geleitet wird das Projekt von Lars Ribbe, Professor für integriertes Land- und Wasserressourcenmanagement am Institut für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen (ITT) an der FH Köln. Sein Ziel: “Wir wollen für die Region enorm unter den Folgen der Klimaerwärmung leiden könnten”. So soll die Jahresdurchschnittstemperatur bis zum Jahr 2020 um 1,5 Grad Celsius steigen, die Niederschlagsmenge zur Monsunzeit bis 2070 um bis zu 19 Prozent nach oben schnellen, und für die Trockenzeiten rechnet das Ministerium mit einer deutlichen Zunahme von Dürren. Gefahr droht auch vom Meer: Nach MONRE-Angaben könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2050 um bis zu 40 Zentimeter steigen.

Autor: Benjamin Haerdle

Ausführlicheres LUCCi-Projektporträt (PDF)

Das Projekt LUCCi

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Bundesamt für Naturschutz: Biotopverbund für Anpassung an Klimawandel notwendig

Sonntag 24. Februar 2013 von birdfish

Die Ergebnisse eines BfN-Forschungsvorhabens zeigen deutlich, dass ein länderübergreifender Verbund von Lebensräumen für viele vom Klimawandel betroffene Arten eine große Bedeutung hat.

Das Ökosystem als Ganzes
Das Ökosystem muss als Ganzes gesehen werden – Foto: Dagmar Struß

Es gilt mittlerweile als sicher, dass in den nächsten Jahrzehnten mit weiteren, erheblichen Klimaveränderungen gerechnet werden muss. Daher wurde in einem Forschungsvorhaben untersucht, welche Bedeutung in der Anpassungsstrategie die Vernetzung von Lebensräumen hat, um die zu erwartenden negativen Auswirkungen des Klimawandels zu mindern.

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist es zur Anpassung an den Klimawandel dringend erforderlich, den im Bundesnaturschutzgesetz (§ 20, 21) geforderten länderübergreifenden Biotopverbund in der Fläche voranzutreiben. In vielen Bereichen ist die Umsetzung gegenwärtig jedoch noch mangelhaft. Die bestehenden Lücken im Netzwerk der Lebensräume müssen geschlossen und insbesondere die internationalen Anknüpfungspunkte in ihrer Funktionalität gesichert und verbessert werden. Dabei sollte auf die Erhaltung und Entwicklung bestimmter Biotopverbundachsen, die entweder durch den Klimawandel in ihrem Bestand gefährdet sind oder für die räumliche Anpassung vieler Arten von großer Bedeutung sind, ein besonderer Fokus gelegt werden. Die Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens geben Anhaltspunkte dafür, welche Achsen und Regionen hiervon besonders betroffen sind.

Die Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass auch viele bisher nicht gefährdete Arten in der Zukunft durch den Klimawandel bedroht sein werden. Aufgrund der erwarteten Verschiebung der für die Arten geeigneten klimatischen Bedingungen, wird es für eine Vielzahl von Arten entscheidend sein, dass sie zukünftig geeignete Lebensräume erreichen können. Aufgrund seiner zentralen Lage in Europa trägt Deutschland eine besondere Verantwortung dafür, den vom Klimawandel betroffenen Arten eine Anpassung ihres Verbreitungsareals durch die Umsetzung eines effektiven Biotopverbunds zu ermöglichen.

Originalpublikation:
Reich, M., Rüter, S., Prasse, R., Matthies, S., Wix, N. & Ullrich, K. (2012): Biotopverbund als Anpassungsstrategie für den Klimawandel? Naturschutz und Biologische Vielfalt 122: 228 S., ISBN 978-3-7843-4022-7

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Die Blaualgen in der Ostsee könnten sich als Folge des Klimawandels verdoppeln

Mittwoch 20. Februar 2013 von birdfish

Die Zahl der Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, könnte sich in der Ostsee im Zuge des Klimawandels womöglich verdoppeln.

BlaualgenblüteBlaualgenblüte. Foto: Christian Fischer / Wikipedia

Das haben Wissenschaftler der Universität Hamburg, KlimaCampus, berechnet. „Unsere Ergebnisse zeigen bei zunehmenden Wassertemperaturen nicht nur eine verlängerte jährliche Wachstumsphase, sondern auch mehr als zweimal so viel Algenbiomasse bis zum Ende des Jahrhunderts“, berichtet Prof. Inga Hense.
Mögliche Folgen: plötzliche Algenblüten, unangenehm für den Tourismus und zum Teil gesundheitsschädlich. Darüber hinaus könnten auch andere Arten boomen und das Ökosystem in Schieflage bringen, weil die Blaualgen das umgebende Meerwasser mit wachstumsförderndem Stickstoff anreichern.

Nach den Berechnungen der Klimaforscher vermehren sich die Einzeller wie erwartet aufgrund der steigenden Wassertemperaturen. Dazu kommt noch ihr besonderer Lebenszyklus: Cyanobakterien wachsen nur in sehr warmem Wasser, überdauern ansonsten in einer Art Ruhestadium am Boden der meist flachen Gewässer. „Das ist wie bei Aussaat und Ernte – je mehr schlummernde Zellen den Winter überleben, desto rascher wächst die Population im Frühjahr“, erläutert Hense. Gleichzeitig treibt die hohe Zelldichte nahe der Wasseroberfläche die Temperatur weiter in die Höhe. Eine positive Rückkopplung, die für noch mehr Wachstum sorge, berichtet Hense in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Climatic Change“.

Bisher hatte man den Wachstumsschub durch den Klimawandel deutlich niedriger eingeschätzt: „Für Prognosen biologischer Systeme müssen auch nichtlineare Effekte berücksichtigt werden. Das macht die Berechnungen aufwändiger“, so Hense. Die Biologin und ihr Team hatten zusammen mit Kollegen vom Swedish Meteorological and Hydrological Institute deshalb ein physikalisches Klimamodell mit einem biologischen Modell gekoppelt und dabei erstmals den kompletten Lebenszyklus der Cyanobakterien abgebildet.

Entscheidend ist offenbar auch die Abfolge von kalten und warmen Wintern: „Halten wir alle Eckdaten im Modellexperiment konstant, ergeben sich dennoch unterschiedliche Zuwachsraten – je nachdem, wie sich die Kälteperioden aneinanderreihen und die Produktivität der Einzeller begünstigen oder benachteiligen“, berichtet Hense. Ein weiteres Indiz, dass die Biologie der Cyanobakterien mit Blick auf den Klimawandel eine besondere Rolle spielt.

Verglichen hatten die Wissenschaftler die Zunahme einer gegebenen Blaualgenpopulation über einen Zeitraum von jeweils 30 Jahren – unter den Bedingungen von 1969 bis 1998, und als Gegenstück hierzu unter den Rahmenbedingungen, die uns voraussichtlich von 2069 bis zum Jahr 2098 mit zunehmender globaler Erderwärmung erwarten. „Schon heute lässt sich ein Anstieg der Cyanobakterien beobachten. Unsere Untersuchungen geben außerdem erste Hinweise, dass wir künftig mit großen Veränderungen rechnen müssen“, berichtet Hense.

So kommen die meist ungeliebten Einzeller nicht nur in der Ostsee vor, sondern auch in den Tropen und Subtropen, in flachen Gewässern und Süßwasserseen. Dort kurbeln sie das Wachstum weiterer Arten an: „Cyanobakterien fixieren im Wasser gelösten Luftstickstoff, der für andere Organismen normalerweise nicht verfügbar ist. Als dominante Primärproduzenten können sie so das Nährstoffbudget ganzer Lebensräume tiefgreifend ändern.“ Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler deshalb auch horizontale Meeresströmungen, mit denen die Algen verdriften, in ihre Berechnungen einbeziehen.

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Earth League

Dienstag 19. Februar 2013 von birdfish

Führende Forschungsinstitute aus mehr als zehn Ländern haben sich jetzt zur “Earth League” zusammengeschlossen.

Earth LeagueIn London wurde die ‘Earth League’ gegründet. Foto: Grantham Institute for Climate Change

Als weltumspannende Allianz herausragender Wissenschaftsvertreter aus der Klimaforschung und den Umweltwissenschaften bis hin zur Ökonomie konzentriert sich das Netzwerk auf planetarische Prozesse und Nachhaltigkeitsfragen. Die Earth League wird künftig im Jahresrhythmus zusammenkommen, um zu den drängendsten Zukunftsthemen fundierte Wissensgrundlagen für Entscheidungsträger zu erarbeiten.

Weblink zur Internetseite der Earth League (engl.)

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