KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Neues Meereisportal liefert tagesaktuelle Eiskarten von der Arktis und Antarktis

Mittwoch 17. April 2013 von birdfish

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung haben die neue Internetplattform meereisportal.de vorgestellt, die sie gemeinsam mit Kollegen von der Universität Bremen entwickelt haben.

Meereisbedeckung
Meereisbedeckung in deutschen Portal tagesaktuell dokumentiert – Foto: AWI

Die Internetseite bietet als deutschsprachige Webplattform neben jeder Menge Hintergrundinformationen zum Thema Meereis tagesaktuelle Meereiskarten von Arktis und Antarktis. Zudem eröffnet sie Nutzern die Möglichkeit, die unterschiedlichen Basisdaten für die eigene Weiterverarbeitung herunterzuladen. In naher Zukunft wollen die Initiatoren in diesem Portal auch die weltweit ersten Karten zur Meereisdicke als Datenprodukte des ESA-Satelliten CryoSat-2 veröffentlichen.

Bei der Frage „Wie groß ist die Eisdecke der Arktis?“ mussten sich interessierte Laien und Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum in der Vergangenheit oft auf englisch-sprachige Informationen deutscher oder amerikanischer Forschungseinrichtungen verlassen. Das Meereisportal ist das erste umfassende, deutschsprachige Internetportal rund um das Thema Meereis in der Arktis und Antarktis. Entwickelt wurde es im Rahmen des Helmholtz-Verbundes Regionale Klimaveränderungen (REKLIM) als Gemeinschaftsprojekt der Universität Bremen und des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung – einem der weltweit führenden Zentren im Bereich Meereisforschung.

„Unsere Seite bietet den Internetnutzern drei Informationsquellen: Erstens ein umfangreiches Kartenarchiv, in dem jeder Interessierte momentan bereits mehr als 7000 grafisch aufbereitete Meereiskarten der Arktis und Antarktis herunterladen kann – die tagesaktuellen ebenso wie jene aus den zurückliegenden zehn Jahren. Zweitens ein Datenportal, in dem Messdaten zum Meereis zu finden sind, sowie drittens einen großen Bereich, in dem wir durch unser Klimabüro verständlich aufbereitete Informationen rund um das Thema Meereis bereitstellen. Sie geben Antwort auf Fragen wie ‚Wie entsteht Meereis?’, ‚Wie wird es erforscht?’ oder ‚Welche Rolle spielt es für das Klima unserer Erde?’“, sagt REKLIM-Geschäftsführer Dr. Klaus Grosfeld.

Die tagesaktuellen Karten zur Meereisausbreitung basieren auf Messdaten des japanischen Satelliten SHIZUKU, der in einer Höhe von 700 Kilometern um die Erde kreist. Sein Mikrowellen-Radiometer AMSR2 erfasst seit dem 4. Juli 2012, wo auf der Erde sich wie viel Eis auf dem Meer befindet. Diese Satellitendaten werden vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen (IUP) abgerufen, dort entsprechend ausgewertet und aufbereitet. Sie fließen anschließend direkt in die vom AWI-Rechenzentrum betriebene digitale Infrastruktur des Meereisportals, wo sie automatisch als Meereiskarten ausgegeben werden. „Die Kooperation mit dem AWI ermöglicht uns, die an der Universität Bremen entwickelten Datenprodukte einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und so die in Bremen und Bremerhaven vorhandene Expertise zu diesem Thema zu bündeln“, sagt Dr. Georg Heygster, Leiter der Meereisabteilung am IUP-Bremen.

In naher Zukunft wollen die AWI-Experten das Portal dann noch um aktuelle Meereisdicken-Karten erweitern. Diese werden auf Daten des im Jahr 2010 gestarteten ESA-Satelliten CryoSat-2 beruhen und das aktuelle Volumen des arktischen und antarktischen Meereises zeigen. „Wir freuen uns sehr, dass unser Meereisportal unseres Wissens nach das erste Internetportal weltweit sein wird, auf dem diese Eisdickenkarten frei und unkompliziert heruntergeladen werden können“, sagt AWI-Meereisphysiker Dr. Stefan Hendricks, der sich mit der Auswertung der CryoSat-2-Daten beschäftigt.

In Sachen Aktualität aber wollen die AWI-Klimaforscher und ihre Kollegen von der Universität Bremen noch einen Schritt weitergehen. Sie planen, auf der neuen Internetplattform in regelmäßigen Abständen Verlaufsanimationen, wissenschaftliche Analysen der aktuellen Meereis-Situation sowie Berichte über spezielle Forschungsaktivitäten für eine deutschsprachige Leserschaft zu veröffentlichen. Von Meereisphysikern über Ozeanografen bis hin zu den AWI-Modellierern – sie alle werden auf dem Meereisportal zu Wort kommen und verdeutlichen, auf welch vielfältige Art und Weise Wissenschaftler das Meereis untersuchen und zu welchen Themen sie Auskunft geben können.

Im nächsten Schritt soll meereisportal.de auch auf saisonale Vorhersagen zur Meereisausdehnung erweitert werden. Dafür wollen die Initiatoren den sogenannten „Sea Ice outlook“ in das Portal integrieren. Dieses wissenschaftliche Werkzeug verknüpft aktuelle Beobachtungsdaten mit Modelldaten, um im Anschluss daran die Entwicklung der Meereisausdehnung vorherzusagen. Bisher wurden diese Vorhersagen nur für das jährliche Meereisminimum in der Arktis gemacht. In Zukunft sollen sie jedoch auf monatlicher Basis erfolgen. „Auf diese Weise wollen wir eine Grundlage dafür schaffen, die zukünftige Meereisentwicklung in der Arktis genauer vorhersagen und unsere Erkenntnisse einem erweiterten Nutzerkreis zur Verfügung stellen zu können“, sagt Klaus Grosfeld. Bevor die Forscher jedoch wirklich verlässliche Aussagen ableiten können, müssen noch spezielle Vorkehrungen zur Qualitätssicherung getroffen werden.

Website www.meereisportal.de

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Winterexperiment im antarktischen Eis – Forscherschiff Polarstern im Südpolarmeer

Sonntag 28. Oktober 2012 von birdfish

Das Forschungsschiff Polarstern brach gestern in Bremerhaven zu einer außergewöhnlichen Expedition in die Antarktis auf.

Route der Polarstern
Route der Polarstern – Karte: AWI

Das Schiff wird diesmal nicht wie gewohnt zum Ende des antarktischen Sommers nach Bremerhaven zurückkehren, sondern zu Forschungszwecken im Südpolarmeer überwintern. Weltweit gibt es nur einige wenige Schiffe, mit denen Wissenschaftler eine solche Winterexpedition in die Antarktis wagen können.

Das sogenannte Winterexperiment bildet den Höhepunkt einer insgesamt 18 Monate langen Expeditionsreise auf der Südhalbkugel und wird das Schiff, seine Besatzung und die 54 Wissenschaftler an Bord von Kapstadt, Südafrika, in das antarktische Weddellmeer führen. „Wir wollen auf dieser Fahrt zwei grundlegende Forschungsfragen untersuchen: Die erste lautet: Welche Mechanismen lassen das Ökosystem des Südpolarmeeres nach dem langen, kalten und äußerst dunklen Winter wieder zum Leben erwachen? Und die zweite: Aus welchen Gründen nimmt die Ausbreitung des antarktischen Meereises leicht zu, während die Meereisbedeckung in der Arktis stetig zurückgeht?“, sagt der wissenschaftliche Fahrtleiter Prof. Dr. Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meereswissenschaften in der Helmholtz-Gemeinschaft.

Bisher fehlen den Wissenschaftlern für Antworten auf diese Fragen ausreichend verwertbare Daten, denn der Winter im Weddellmeer zeichnet sich durch lang anhaltende Dunkelheit, sehr starke Winde und Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius aus. „Mehrere schwere Stürme pro Woche sind zu dieser Jahreszeit keine Seltenheit und natürlich auch einer der Gründe, warum sich im Winter so gut wie kein Schiff in der Antarktis aufhält“, erklärt Peter Lemke.

Der Physiker und Klimaexperte hat schon im Jahr 1992 ein Winterexperiment der POLARSTERN geleitet. Bei seiner insgesamt vierten Winterfahrt, 21 Jahre später, wird das Schiff die nahezu gleiche Route wählen. Der Forschungsansatz ist diesmal jedoch viel interdisziplinärer ausgerichtet: „Wir werden auf dieser Fahrt Wissenschaftler aus allen großen naturwissenschaftlichen Fachgebieten an Bord haben, denn wir wollen unsere zwei Leitfragen in enger Zusammenarbeit angehen und sie am Ende möglichst umfassend beantworten können“, so Peter Lemke.

Für den Forschungseisbrecher POLARSTERN wird die kommende Winterfahrt die fünfte dieser Art sein. Das letzte Mal verbrachte das Schiff die Wintermonate des Jahres 2006 im Weddellmeer. „Auf der damaligen Expedition haben wir gelernt, dass im September und Oktober – also mitten im antarktischen Winter – die Biologie im Meer und im Eis schon auf Hochtouren läuft und es stellte sich die Frage: Was genau bedingt den Start des Ökosystems in die neue Saison?“, sagt Peter Lemke.

Diesmal fahren die Wissenschaftler früher in das zugefrorene Weddellmeer: „Wir wollen die Dunkelheit der Polarnacht benutzen, um von Süden her gewissermaßen mit dem Sonnenaufgang in den Frühling zu fahren und zu sehen, wie das Ökosystem den neuen Jahresgang beginnt“, erklärt Peter Lemke.

Bevor Polarstern jedoch am 8. Juni 2013 in Kapstadt zum Winterexperiment aufbricht, stehen dem Schiff fünf weitere Fahrtabschnitte bevor. Auf dem ersten Teilstück, der Überführungsreise von Bremerhaven nach Kapstadt, werden rund 30 Nachwuchswissenschaftler aus elf verschiedenen Universitäten und Forschungseinrichtungen die Chance erhalten, Daten und Proben für ein interdisziplinäres Forschungs- und Ausbildungsprogramm zu sammeln. Sein Titel lautet: „Pelagische Biodiversität des Atlantischen Ozeans“. Im Anschluss daran wird das Schiff die Atka-Bucht im Weddellmeer ansteuern und dort neue Schneefahrzeuge, Ersatzteile sowie die Jahresrationen Proviant und Treibstoff für die Forschungsstation Neumayer III entladen.

Erstmals an Bord ist auch ein sogenannter Eisbagger, der bei Forschungen auf großen Eisschollen zum Einsatz kommen soll. Im Gegensatz zu herkömmlichen Baufahrzeugen besitzt das etwa ein mal zwei Meter große Gerät jedoch keine Baggerschaufel, sondern ist mit einem Eisbohrer ausgestattet. Mit ihm soll der Eisbagger etwa 80 Zentimeter breite Löcher in die Scholle bohren, die dann Forschungstauchern als Ausgangspunkte für Untersuchungen unter dem Eis dienen.

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Eisforscher der Uni Hamburg erwarten 2012 Rekordschmelze des Eises in der Arktis

Dienstag 14. August 2012 von birdfish

Eisforscher vom KlimaCampus, Universität Hamburg, prognostizieren für September die geringste jemals gemessene Eisbedeckung.

Eisschmelze Arktis 2012
Eisbedeckung der Arktis seit 1972 (September-Minimum) – Grafik: UHH / KlimaCampus / Kaleschke

Mit 4,1 Millionen Quadratkilometern würde die Fläche sogar noch das Rekordminus von 2007 (4,3 Mio. km²) deutlich unterschreiten. Im vergangenen Jahr lagen Lars Kaleschke und sein Team mit ihrer Prognose exakt richtig.
Die Arktis als „Frühwarnsystem“ des Klimawandels macht sich erneut deutlich bemerkbar: Meereis-Experte Lars Kaleschke vom KlimaCampus, Universität Hamburg, erwartet im September, zum Zeitpunkt des jährlichen Minimums der Eisbedeckung in der Arktis, eine Fläche von nur noch etwa 4,1 Millionen Quadratkilometern. Dies wäre der geringste Wert seit Beginn der Satellitenmessungen in den 1970er Jahren.

Forscher aus aller Welt beteiligen sich alljährlich am so genannten Sea Ice Outlook, in dem sie mit unterschiedlichen Methoden das verbleibende Eisminimum abschätzen. Mit einer statistischen Prognose basierend auf aktuellen Satellitendaten traf das KlimaCampus-Team diesen Wert im vergangenen Jahr auf eine Nachkommastelle genau – die Eisfläche war auf 4,6 Mio km² geschmolzen.

Auffallend waren bereits die Ereignisse der vergangenen Monate. Der Petermann-Gletscher kalbte einen gigantischen Eisblock, während die Eisoberfläche Grönlands beinahe komplett antaute. Zurzeit fegt ein außergewöhnlich starker Sturm über die Arktis, der die Entwicklung noch kurzfristig beeinflussen kann: „Wenn der Sturm das Eis auseinandertreibt, würde die bedeckte Fläche auf den ersten Blick wieder größer erscheinen. Öffnungen, die dabei entstehen, könnten jedoch das Schmelzen anschließend beschleunigen“, sagt Kaleschke. Denkbar wäre auch, dass durch die Bewegung im Eis wärmeres Wasser aus tieferen Schichten nach oben gelangt. Dadurch könnte die Unterseite des Eises schneller abschmelzen, so der Eisforscher, und das September-Minimum noch extremer ausfallen als schon erwartet.

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Vor 50 Millionen Jahren wuchsen Palmen bei Supertreibhausklima in der Arktis

Dienstag 27. Oktober 2009 von birdfish

Vor 53,5 Millionen Jahren herrschte in der Arktis ein Supertreibhausklima.

Eisbrecher bei der Arbeit
Die drei Eisbrecher der Arctic Coring Expedition 2004 im Packeis des Arktischen Ozeans. – (c) M. Jakobssohn / IODP

Die Temperaturen an der Oberfläche des Arktischen Ozeans erreichten 27 Grad Celsius; auf den angrenzenden Kontinenten gediehen Palmen. Aufgrund der hohen Niederschläge süßte das Meer aus; tiefere Ozeanschichten waren sauerstofffrei. Das berichtet ein deutsch-holländisches Wissenschaftlerteam vorab online bzw. in der November-Ausgabe der Zeitschrift Nature Geoscience. Angesichts der gegenwärtigen Erderwärmung werfen die Forscher die Frage auf, ob das arktische Packeis noch schneller abschmelzen könnte als ohnehin schon befürchtet.
Das Forscherteam untersuchte Ablagerungen, die auf 85 Grad nördlicher Breite auf dem Lomonossow-Rücken gewonnen wurden. Der zwischen Grönland und Sibirien quer über dem Nordpol verlaufende untermeerische Gebirgszug war erstmals im Sommer 2004 während einer spektakulären Expedition mit drei Eis brechenden Schiffen intensiv beprobt worden. Diese Forschungsfahrt fand im Rahmen des Integrierten Ozeanbohr-Programms IODP statt. Die Sedimentkerne lagern inzwischen im Bremer Bohrkernlager des IODP.

Die tonigen Ablagerungen aus Tiefe von knapp 370 Metern unter dem Meeresboden enthalten kapselartige Hüllen meist einzelliger Meeresorganismen, Pollen, Sporen, eine charakteristische chemische Zusammensetzung sowie sog. Biomarker. Letztere verrieten den Forschern, dass die Temperaturen an der Oberfläche des Arktischen Ozeans damals innerhalb kurzer Zeit um 3 bis 5 Grad Celsius anstiegen. Offenbar wurde das Klima sehr feucht. Bald war das Nordpolarmeer von einer Süßwasserschicht bedeckt. Darauf deutet die Artenzusammensetzung mikroskopisch kleiner Meeresorganismen hin. Die Süßwasserlinse verhinderte, dass leichteres und sauerstoffhaltiges Oberflächenwasser in tiefere Meeresstockwerke gelangen konnte. Weil andererseits die Niederschläge viele Nährstoffe vom Land ins angrenzende arktische Meer spülten, die dort zersetzt wurden, war der Sauerstoff in tieferen Meeresschichten bis hin zum Meeresboden bald aufgezehrt und das Leben dort erlosch.

Bohrschiff in Aktion
Die Arctic Coring Expedition des Integrierten Ozeanbohrprogramms IODP: Auf dem Deck des Bohrschiffs VIDAR VIKING – (c) M. Jakobssohn / IODP

Anhand von Pollen und Sporen, die vom nahen Land in den Ozean gelangten, können die Wissenschaftler belegen, dass an den angrenzenden Küsten Nadelbäume, Hasel und Eichen, aber auch Palmen gediehen, Da Palmen sehr kälteempfindlich sind, deutet vieles daraufhin, dass die Durchschnittstemperatur in den kältesten Monaten mehr als 8 Grad Celsius betrug und die arktischen Winter frostfrei waren.

“Wenn man bedenkt, dass der Lomonossow-Rücken vor 53,5 Millionen Jahren schon fast seine heutige Position hatte, also nahe am Nordpol lag, geben einem die Befunde schon zu denken”, sagt. Co-Autorin Dr. Ursula Röhl. Die Wissenschaftlerin am MARUM und Leiterin des Bremer IODP-Bohrkernlagers weist darauf hin, dass mit den Ablagerungen erstmals die arktischen Wintertemperaturen für diesen Abschnitt der Erdgeschichte rekonstruiert werden konnten. “Damit haben wir auch die Güte der aktuellen Klimamodelle getestet”, sagt Dr. Röhl. Die im Computermodell errechneten arktischen Wintertemperaturen für die Zeit vor 53,5 Millionen Jahren liegen deutlich unter denen, die an Hand der Ablagerungen rekonstruiert wurden. “Es hat den Anschein, dass die Klimamodelle einige der für das arktische Klima wichtigen Prozesse gar nicht berücksichtigen. Es könnte also sein, dass die Modelle auch das Ausmaß der zukünftigen Erwärmung der Nordpolregion unterschätzen.”

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Das große Wettrennen um die Ausbeutung der Bodenschätze in der eisfreien Arktis

Donnerstag 13. August 2009 von birdfish

Von den Bemühungen, den Besitz arktischer Böden an sich zu ziehen, in denen man reichhaltige Bodenschätze vermutet, berichtet die Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Eisbär
Eisbären ohne Eis bald nur noch im Zoo. Dafür werden Bodenschätze greifbar. – (c) Tina / Pixelio

Anlass war der Start einer amerikanisch-kanadischen Expedition in die Arktis, die voraussichtlich bis Mitte September dauern soll.

Die russische Nachrichtenagentur berichtet:

“Die Expeditionsteilnehmer werden von Bord des US-Eisbrechers “Healy” und des kanadischen Küstenwachschiffes “Louis S. St.Laurent” den Meeresgrund und den Kontinentalschelf untersuchen, wo voraussichtlich große Vorkommen an Erdöl und Erdgas lagern. Wie die Organisatoren jedoch mitteilten, dient die Forschungsreise nicht der Erkundung von Bodenschätzen.

Die Expedition wird in den Gebieten nördlich von Alaska bis hin zum Mendelejew-Rücken sowie östlich vom Kanadischen Archipel verlaufen.

Nach der russischen Tiefsee-Expedition im Jahr 2007 wird heftig um die Zugehörigkeit des Kontinentalschelfs diskutiert. Russland will wissenschaftlich nachweisen, dass die Unterwasser-Rücken “Lomonossow” und “Mendelejew” eine Fortsetzung des sibirischen Festlandes sind.

Bei der Expedition wurde eine russische Flagge auf dem Meeresgrund aufgestellt, um Russlands Gebietsansprüche im Nordpol zu untermauern. [...]”

Die vollständige Meldung der Agentur RIA Novosti lesen Sie hier.

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Film der Kampagne “Rußfrei fürs Klima” erklärt Hintergründe des Klimawandels

Dienstag 11. August 2009 von birdfish

Dieselruß aus Automotoren ist eine der Ursachen für die Gletscherschmelze in der Arktis und im Hochgebirge.

Rußfrei fürs Klima
Rußfrei fürs Klima – der Film

Wissenschaftler des Weltklimarats IPCC und des NASA Goddard-Instituts für Weltraumstudien schätzen, dass der Ruß zu 20 bis 50 Prozent für das schnelle Schmelzen der Gletscher verantwortlich ist. Die feinen Rußpartikel lagern sich auf Eisflächen ab und reduzieren die Reflektion des Sonnenlichts, so dass das Eis schneller schmilzt. Außerdem heizen sich die schwarzen Rußteilchen im Sonnenlicht auf, erwärmen direkt ihre Umgebung und beeinflussen die Wolkenbildung mit der Folge einer weiträumigen Veränderung der Niederschlagsverhältnisse. Dr. James Hansen, Direktor des NASA Goddard-Instituts für Weltraumstudien, warnt daher vor einem „Tipping Point“ in der Arktis: Dieser unumkehrbare Zeitpunkt ist dann erreicht, wenn die großflächige Eisschmelze zu einer zusätzlichen Erwärmung des – im Vergleich zu Eis und Schnee dunklen – Meeres führt. „Die Situation gerät außer Kontrolle und die Rückwirkungen werden sich nicht auf die Arktis oder die nördliche Hemisphäre beschränken,“ sagt James Hansen.

Die Hintergründe und Auswirkungen der schnellen Gletscherschmelze zeigt das Bündnis „Rußfrei fürs Klima“ nun in einem 15-minuten Dokumentarfilm. James Hansen und weitere Experten erläutern die Ursachen und Wege, die Rußemissionen zu beschränken. Der Film ist allgemeinverständlich und ist daher auch als Unterrichtsmaterialie für Fortbildungen und Schulen geeignet. Interessierte können sich den Film im Internet anschauen, herunterladen und weiterverschicken

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Klimawandel lässt Eisbären schwinden – Rückgang schneller als bisher vermutet

Mittwoch 29. Juli 2009 von birdfish

Die Eisbär-Experten der Weltnaturschutzunion IUCN und der Umweltstiftung WWF warnen eindringlich davor, dass immer mehr Eisbären von der globalen Erwärmung bedroht seien.

Eisbären sind massiv bedroht
Bestand der Eisbären ist stark rückläufig – (c) David Jenkins / WWF-Canada

Nach WWF-Angaben waren im Jahr 2005 die Bestandszahlen von fünf Eisbär-Populationen rückläufig, innerhalb von nicht einmal vier Jahren hat sich die Zahl auf acht erhöht. Damit schrumpfen Zweidrittel der zwölf wissenschaftlich untersuchten Eisbärbestände. „Es gibt einen beunruhigenden Abwärtstrend. Sollte sich die derzeitige Entwicklung ungebremst fortsetzen, könnte die Zahl der Eisbären im Jahr 2050 um mindestens 30 Prozent niedriger liegen als heute“, warnt WWF-Artenschutzexperte Stefan Ziegler. Große Gebiete wären dann „Eisbär-freie Zonen“. Verantwortlich dafür sei der menschenverursachte Klimawandel, der das Ökosystem der Arktis im rasanten Tempo verändere.

„Der Eisbär hat aufgrund der Schnelligkeit mit der sich sein Lebensraum verändert, keine Gelegenheit sich anzupassen“, warnt Ziegler. Die Tiere drohten zu Verhungern, zu Ertrinken und stellten aufgrund von Stress die Fortpflanzung ein. Die Eisbär-Expertengruppe der IUCN bezeichnet den Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und den rückläufigen Bestandszahlen als „eindeutig nachweisbar“. Zugleich geben sich die Umweltschützer optimistisch, den negativen Trend beim Eisbären noch umkehren zu können – vorausgesetzt die internationale Staatengemeinschaft senkt ihre Treibhausgasemissionen schnell und in großem Umfang. Es müsse vor allem dringend verhindert werden, dass es zu einem vollständigen Verlust des Sommer-Eises kommt. „Wenn sich das Erdklima um durchschnittlich mehr als zwei Grad erwärmt, wird das vernichtende und unumkehrbare Auswirkungen auf den Lebensraum der Eisbären haben“, sagt Stefan Ziegler.

Eisbären sind bei der Jagd auf ihre Hauptnahrungsquelle, die Robben, auf Packeis angewiesen. Durch die globale Erwärmung zieht sich das Meer-Eis in immer größerem Maße und über immer längere Zeiträume im Jahr zurück. Können die Bären dem zurückweichenden Eis nicht folgen, dann verschlechtert sich ihre Nahrungssituation.

Verbreitung Eisbären
Verbreitungsgebiete der Eisbären – (c) WWF

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Arktis-Expedition hat Petermann-Gletscher erreicht – Untersuchung von Klimafolgen

Freitag 3. Juli 2009 von birdfish

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise hat das erste Ziel der mehrmonatigen Arktis-Expedition erreicht.

Die Arctic Sunrise auf Expedition
Die “Arctic Sunrise” stößt mit ihrem Bug gegen die Eiskante des Nordpolarmeeres. Von hier bis zum Pol gibt es nur noch Eis. – (c) Nick Cobbing / Greenpeace

Zusammen mit Klimawissenschaftlern erforschen Greenpeace-Experten jetzt die Auswirkungen des Klimawandels auf den Petermann-Gletscher an der Nordwestseite Grönlands. Satellitenaufnahmen zeigen, dass von einem der größten und nördlichsten Gletscher der Insel ein 87 Quadratkilometer großes Stück abzubrechen droht.

Dr. Jason Box (Byrd Polar Research Centre, Ohio State University) und Dr. Alan Hubbard (Aberystwyth University) wollen den Abbruch mit Hilfe von Zeitlupenkameras und GPS-Systemen dokumentieren und den Lauf des Gletschers vermessen.

“Hier, wo das Eis in rasantem Tempo schmilzt, hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel erst vor wenigen Jahren zur sogenannten Klimaretterin ausrufen lassen”, sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. “Die Kanzlerin muss sich daran erinnern und auf dem G8-Gipfel kommende Woche ihren Kollegen die Dringlichkeit des Klimaschutzes deutlich machen.” Seit einigen Jahren beobachten Forscher, dass das arktische Eis viel schneller schmilzt als bisherige Klimamodelle errechnet haben. Mit Hilfe der jetzt von Greenpeace-Expedition auf dem Gletscher installierten Kameras können die Bewegung des Eisfeldes und der Abbruch in Zeitlupe festgehalten werden. Zusammen mit weiteren ozeanographischen Vermessungen erhoffen sich die Klimaforscher, ein ganzheitliches Bild der Gletscherschmelze auf Grönland zu erhalten.

Petermann-Gletscher
Forschungsobjekt Petermann-Gletscher bei Grönland- (c) Nick Cobbing / Greenpeace

Wissenschaftler vermuten, dass die Eisschmelze in stärkerem Maß durch Veränderungen der Faktoren unter Wasser und nicht wie bisher angenommen maßgeblich von atmosphärischen Veränderungen verusacht werden. Erst kürzlich prognostizierten Experten einen neuen Negativrekord der arktischen Eisschmelze. Ein erstes Indiz dafür: Um den Petermann-Gletscher zu erreichen, musste die Arctic Sunrise durch die Nares-Straße fahren. Eine Meerenge zwischen der kanadischen Ellesmere Insel und Grönland, die unter normalen Bedingungen bis Ende August aufgrund von Eisgang schwer zu navigieren ist. Die Umweltschützer fanden den Seeweg nahezu eisfrei und erreichten den Petermann-Gletscher früher als geplant.

Die Veränderungen in der Arktis haben globale Auswirkungen. Ein vollständiges Abschmelzen des Grönland-Eisschelfs würde zu einem Anstieg des Meeresspiegels von etwa sieben Metern führen, ein Anstieg um nur einen Meter bereits rund 150 Millionen Menschen direkt betreffen. Dazu gehören vor allem Bangladesh oder pazifische Inselstaaten wie Tuvalu. Zeitgleich mit der Arctic Sunrise in der Arktis ist das Greenpeace-Flaggschiff Esperanza im Pazifik unterwegs. Die Besatzung will dort die Folgen der klimatischen Veränderungen für Mensch und Natur dokumentieren.

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