KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

GEOMAR koordiniert Forschungsprogramm zur Bewertung großtechnischer Klimaregulierung

Freitag 26. April 2013 von birdfish

Schwefelpartikel in die Atmosphäre sprühen oder den Ozean mit Eisen düngen – aktuell werden zahlreiche großtechnische Maßnahmen zur künstlichen Klimaregulierung diskutiert.

climate engineering
Maßnahmen des Climate Engineering – Abb: Kiel Earth Institute

Ein neues Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft soll jetzt Risiken und Nebenwirkungen des sogenannten “Climate Engineering” untersuchen. Koordiniert wird das Programm am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Das Experiment hat längst begonnen. Seit Beginn der Industrialisierung vor rund 200 Jahren produziert die Menschheit riesige Mengen Kohlendioxid und lässt sie in die Luft entweichen. Damit startete sie – unbewusst, unkontrolliert und lange unerkannt – einen gigantischen Versuch mit der Erdatmosphäre. Mittlerweile kennen wir das Ergebnis: Der Gehalt an Kohlendioxid ist um mehr als ein Drittel angestiegen. Der natürliche Treibhauseffekt wird von dem zusätzlichen CO2 verstärkt, die durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde steigen, das Klima ändert sich. Jetzt sind Wege gefragt, die Folgen dieses ungewollten Experiments zu begrenzen.

Der einfachste Weg wäre theoretisch, die Emissionen von Kohlendioxid schnell wieder zu verringern. Doch bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung und dem aktuellen Industrialisierungsschub in großen Schwellenländern erweist er sich in der Praxis als schwierig. Deshalb werden vermehrt großtechnische Maßnahmen in die Diskussion eingebracht. Sie sollen gezielt eingesetzt werden, um die atmosphärische CO2-Konzentration abzusenken oder die einfallende Sonnenstrahlung abzuschwächen. „Diese großtechnischen Maßnahmen fasst man unter dem Begriff „Climate Engineering“ zusammen“, erklärt Professor Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Doch bislang gibt es weder verlässliche Informationen über die Potenziale dieser Maßnahmen, noch über Nebenwirkungen“, so Oschlies weiter.

Um in der Diskussion über das Climate Engineering eine wissenschaftlich belastbare Grundlage zu erhalten, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt ein Schwerpunktprogramm mit dem Titel „Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?“ bewilligt. Professor Oschlies hatte es als Initiative des „Kiel Earth Institutes“ (KEI) mit Unterstützung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und einer Kerngruppe von 18 Wissenschaftlern von Universitäten und Instituten aus ganz Deutschland beantragt. Das Schwerpunktprogramm wird in den kommenden sechs Jahren in insgesamt acht Teilprojekten die erheblichen Unsicherheiten untersuchen, die mit den Ideen und Konzepten des Climate Engineering verbunden sind. Die DFG stellt dafür in der ersten dreijährigen Projektphase fünf Millionen Euro zur Verfügung. Davon entfallen 1,3 Millionen Euro auf das Kieler Koordinierungsbüro und zwei Teilprojekte, die das GEOMAR und das „Kiel Earth Institute“ zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie Hamburg, mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) durchführen.

Die beteiligten Wissenschaftler beschäftigen sich sowohl mit der naturwissenschaftlich-technischen Dimension als auch mit sozialen, politischen, rechtlichen und ethischen Aspekten der diskutierten Maßnahmen. „In allen bisher vorgeschlagenen Konzepten ist Climate Engineering immer so angelegt, dass es zumindest überregionale und oft auch zeitlich verzögerte Folgen hätte. Das macht eine Bewertung schwierig“, betont Professor Oschlies. Wer dürfte über einen Einsatz von Climate Engineering überhaupt entscheiden? Wer müsste bei welchen Nebenwirkungen haften? „Auch diese Fragen müssen untersucht werden. Gerade dieser Multidimensionalität wird in der internationalen Forschung derzeit nur sehr wenig Raum eingeräumt“, so Oschlies weiter. Das nun bewilligte DFG-Schwerpunktprogramm wird das Thema deshalb in einer international einmaligen fachlichen Breite ergebnisoffen betrachten. Damit soll eine Basis für eine sorgfältige Abwägung von möglichen Vor- und Nachteilen geschaffen werden.

Maßnahmen des Climate Engineering
Übersicht über verschiedene Climate Engineering Maßnahmen, die aktuell diskutiert werden. Welche Risiken und Nebenwirkungen sie beinhalten, ist noch zu wenig erforscht. Grafik: Kiel Earth Institute

Dies kann schon für die heutige internationale klimapolitische Diskussion wichtige Argumente liefern, in der einige Akteure mit dem Verweis auf Climate Engineering von CO2-Emissionsvermeidung ablenken. Schließlich soll eine umfassende wissenschaftliche Analyse der Risiken und (Neben)wirkungen von Climate Engineering die Grundlage für fundierte gesellschaftliche Entscheidungen über einen möglichen Einsatz von Climate Engineering bilden. Wichtig für die Wissenschaftler ist daher auch eine gut informierte Öffentlichkeit. Bereits im September 2011 wurde hierzu vom „Kiel Earth Institute“ ein Internetportal aufgebaut, das Nachrichten und Informationen zu Climate Engineering tagesaktuell zusammengeführt, um der Debatte mehr Transparenz zu verleihen. Das Portal wird auch für das Schwerpunktprogramm genutzt.

Informationen:

Webseite des DFG Schwerpunktprogramms
Informationsportal zum Climate Engineering
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Das Kiel Earth Institute
Der Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“

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Ozeanversauerung – Meeresversauerung

Dienstag 22. Januar 2013 von birdfish

Allgemeine Informationen zur Meeresversauerung finden Sie hier im Glossar.

Allgemeine Materialien zum Thema:

Wenn der Ozean sauer wird – Kinderbuch erklärt das Phänomen Ozeanversauerung

Tessi und Tipo

Wie kann die Nordsee sauer sein und auf wen eigentlich? Zwei große Fragen, um die sich Antje Funckes und Konstatin Mewes neues Kinderbuch Tessi und Tipo dreht. In ihm verpacken die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft das sehr aktuelle Wissenschaftsthema Ozeanversauerung in eine Abenteuergeschichte für Groß und Klein.

Die Helden ihres Abenteuers sind die Geschwister Tessi und Tipo, zwei junge Kammerlinge. Die sandkorngroßen Einzeller leben in der obersten Sandschicht des Wattenmeeres und wohnen in einem Gehäuse aus Kalkkammern. Gemeinsam mit Tessi und Tipo erkundet der Leser eine Welt, die für den Menschen sonst nur unter dem Mikroskop sichtbar wird. Die beiden geben ihm einen Einblick in ihr Leben am Meeresgrund und nehmen ihn mit in ihre Kammerling-Schule, wo sie eines Tages Milus kennenlernen. Nach anfänglichem Misstrauen gegenüber dem Fremden, freunden sich Tessi und Tipo mit Milus an. Doch schon bald erkrankt er und sein sonst so glänzendes Gehäuse wird ganz matt und rissig. Die beiden müssen all ihren Mut aufbringen, um schließlich zu erfahren, dass die vom Menschen verursachte Ozeanversauerung eine große Gefahr für Milus und sie selbst darstellt.

Tessi & Tipo: Die Entdeckung der Ozeanversauerung

Das Buch kostet 9,95 EUR und eignet sich ab einem Alter von 8 Jahren.


Diverse Artikel zum Thema Meeresversauerung

Das GEOMAR führt mit den Kieler Mesokosmen ein einmaliges Langzeit-Experiment zur Ozeanversauerung durch.
[zum Artikel vom 23.01.2013]

Französische Wissenschaftler warnen, dass die Versauerung des Mittelmeeres eine Bedrohung für z.B. Korallen und Mollusken (Weichtiere) darstellt und ein Massensterben einsetzt.
[zum Artikel vom 06.09.2011]

In den nächsten einhundert Jahren bleibt ein Großteil des im arktischen Meeresboden eingelagerten Methans stabil. Das austretende Klimagas verstärkt jedoch die Ozeanversauerung – besonders in den bodennahen Wasserschichten, die bisher als weniger gefährdet galten.
[zum Artikel vom 06.05.2011]

Die Kalkalge Emiliania huxleyi transportiert Kohlenstoff in den tiefen Ozean und produziert außerdem ein klimakühlendes Gas. Ein Forscherteam aus deutschen, britischen und norwegischen Instituten untersucht, wie dieser Winzling auf die Ozeanversauerung reagiert und welche Folgen dies für den globalen Klimawandel hat.
[zum Artikel vom 05.05.2011]

Geo-Engineering / Climate Engineering: Die künstlich beschleunigte Verwitterung des Minerals Olivin könnte der Atmosphäre vermehrt Kohlendioxid (CO2) entziehen und der Ozeanversauerung entgegenwirken.
[zum Artikel vom 11.11.2010]

Mehr als 200 Wissenschaftler aus ganz Europa tagen zum Thema Ozeanversauerung auf Einladung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.
[zum Artikel vom 29.09.2010]

Riesensprung für die Foschung: Eines der größten europäischen Experimente zu den Folgen der Ozeanversauerung zeigt, dass sich maritime Lebensgemeinschaften mit der Versauerung stark verändern.
[zum Artikel vom 19.07.2010]

Verschiedene Wissenschaftler untersuchen im Rahmen des EPOCA-Projektes die Ozeanversauerung. In einem Experiment untersuchen sie Reaktionen arktischen Ökosystems auf die rapiden Veränderungen der Ozeanchemie.
[zum Artikel vom 4.06.2010]

Greenpeace und IFM Geomar untersuchen mit dem Schiff Esperanza die stärksten Bedrohungen der Arktis – u.a. die Ozeanversauerung.
[zum Artikel vom 17.05.2010]

Seeigel & Co spielen eine größere Rolle im Kohlenstoffkreislauf als bisher angenommen. Zugleich sind sie durch die zunehmende Ozeanversauerung im Bestand gefährdet.
[zum Artikel vom 18.01.2010]

Expertentreffen zur Ozeanversauerung: BIOACID startet. Es ist das weltweit erste nationale Forschungsprogramm zur Ozeanversauerung. Es soll die möglichen Folgen auf marine Ökosysteme abschätzen.
[zum Artikel vom 28.10.2009]

Ein Mega-Treibhauseffekt der Erdgeschichte führte zu globaler Erwärmung, Ozeanversauerung und massenhaftem Artensterben in den Meeren.
[zum Artikel vom 6.10.2009]


Folgen der Ozeanversauerung für Korallen

Wissenschaftler forschten nach Ursachen des Korallensterbens. Hierzu gehören Erosionen an Küsten, Meeresversauerung und Wassererwärmung.
[zum Artikel vom 23.05.2012]

Französische Wissenschaftler warnen, dass die Versauerung des Mittelmeeres eine Bedrohung für z.B. Korallen und Mollusken (Weichtiere) darstellt und ein Massensterben einsetzt.
[zum Artikel vom 06.09.2011]

Das GEOMAR in Kiel hat Mesokosmen entwickelt, mit denen die Meeresversauerung besser untersucht werden kann.
[zum Artikel vom 16.06.2009]


Stand: 01.2013

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Neue Analysen zeigen: Globale Kohlenstoff- Emissionen sind auf neuem Höchststand

Freitag 7. Dezember 2012 von birdfish

Die globalen Kohlendioxid-Emissionen in die Atmosphäre werden im Jahr 2012 erneut ansteigen und die Rekordzahl von 35.6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid erreichen.

Emissionen satt:es bewegt sich nicht viel
Emissionen satt:es bewegt sich nicht viel – Foto: Konstantinos Dafalias / Pixelio

So konstatiert die jährliche Auswertung des internationalen Global Carbon Project-Konsortiums. Grund dafür ist auch der für 2012 errechnete 2,6%ige Anstieg der Kohlenstoff-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, der damit fast 60% über dem Niveau von 1990 liegt, welches dem Kyoto-Protokoll zugrunde liegt. Die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre erreichte 2011 mit 391 ppm einen neuen Höchststand.

Die neuesten Analysen des Global Carbon Projects wurden jetzt als Übersicht in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht sowie die gesamten Daten als Vorabdruck in der Zeitschrift Earth System Science Data Discussion bereitgestellt. Die Auswertung der Daten zeigt, dass die größten Beiträge zu globalen Emissionen im Jahr 2011 von China (28%), den USA (16%), der Europäischen Union (11%) und aus Indien (7%) kamen. Während die Emissionen im Jahr 2011 in China und Indien um 9,9% bzw. 7,5% anstiegen, konnten sie in den USA und in der Europäischen Union um 1,8% bzw. 2,8% reduziert werden. Deutschlands Emissionen sind nach dieser Studie seit dem Jahr 2000 durchschnittlich um 1 % pro Jahr gesunken. „Diese Steigerung der Emissionsraten erschwert die Bemühungen der internationalen Klimagespräche, den menschengemachten Klimawandel zu begrenzen“, sagt Dr. Sönke Zaehle vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, der Daten zu dieser Studie beigetragen hat.

Der weitere Anstieg der Emissionen im Jahr 2012 verstärkt die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Emissionsraten und denen, die tolerierbar wären, um die globale Erwärmung unter der international geforderten 2 Grad-Grenze zu halten. “Wenn der gegenwärtige Trend anhält, dann sind wir in fünf Jahren signifikant über jeglichen Szenarien, die eine Stabilisierung des Klimawandels im 21sten Jahrhundert vorsehen.” kommentiert Prof. Dr. Martin Heimann, Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena die Ergebnisse.

Zwar haben Umstellungen des Energiesektors in einigen europäischen Ländern die Emissionen um bis zu 5% reduzieren können: “Ähnliche Umstellungen in weiteren Ländern könnten der Beginn einer weltweiten Vermeidungsstrategie zu niedrigen Kosten sein”, so Dr. Glen Peters, Mitautor der Studie vom Center for International Climate and Environmental Research in Oslo, Norwegen. Um das 2 Grad Ziel erreichen zu können, sind aber weitere und verstärkte Maßnahmen unbedingt notwendig, so die Autoren der Studie.

Veröffentlichungen:
“The mitigation challenge to stay below two degrees” by G.P. Peters, R.M. Andrew, T. Boden, J.G. Canadell, P. Ciais, C. Le Quéré, G. Marland, M.R. Raupach, C. Wilson; veröffentlicht online in Nature Climate Change.
DOI:10.1038/nclimate1783. Eine PDF Version kann per Email unter press@nature.com erbeten werden.

Details der Methoden und die Datensätze:

“The Global Carbon Budget 1959–2011” by C. Le Quéré, R. J. Andres, T. Boden, T. Conway, R. A. Houghton, J. I. House, G. Marland, G. P. Peters, G. van der Werf, A. Ahlström, R. M. Andrew, L. Bopp, J. G. Canadell, P. Ciais, S. C. Doney, C. Enright, P. Friedlingstein, C. Huntingford, A. K. Jain, C. Jourdain, E. Kato, R. Keeling, K. Klein Goldewijk, S. Levis, P. Levy, M. Lomas, B. Poulter, M. Raupach, J. Schwinger, S. Sitch, B. D. Stocker, N. Viovy, S. Zaehle and N. Zeng, Earth System Science Data Discussions, 5, 1107–1157, doi:10.5194/essdd-5-1107-2012.

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Product Carbon Footprint (PCF)

Mittwoch 28. November 2012 von birdfish

Dieser CO2-Fußabdruck ist eine Angabe der Menge an Treibhausgasen, die im Lebenszyklus eines bestimmten Produktes emittiert werden. Damit ist der PCF ein geeignetes Instrument, um die Klimawirksamkeit von Waren und Dienstleistungen zu ermitteln, zu beurteilen und zu kommunizieren.

Den Unternehmen bietet der PCF die Möglichkeit, Klima-Entlastungspotentiale ihrer Produkte und Dienstleistungen zu überprüfen und zu erschließen. Ob er für ein Unternehmen aber ein probates Mittel darstellt, hängt von vielen Rahmenbedingungen ab:

Der Unternehmenszweck (Art der Produkte/Dienstleistungen) ist dabei ebenso entscheidend, wie die Größe des Unternehemens oder seine Stellung im Lebensweg des jeweiligen Produktes und der zu bearbeiteten Produktpalette.

Quelle: Fachhochschule Bingen

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Erste Weltklimafolgenkonferenz wird im kommenden Jahr in Potsdam stattfinden

Dienstag 27. November 2012 von birdfish

Die erste Konferenz zu weltweiten Klimafolgen, IMPACTS WORLD 2013, wird im kommenden Jahr in Potsdam stattfinden.

IMPACT WORLD 2013
Weltweite Klimafolgen stehen im Mittelpunkt der IMPACT WORLD 2013. Foto: Andreas Schachl

„Unsere Klimazukunft wird weitgehend von Entscheidungen bestimmt, die wir in den nächsten Jahrzehnten treffen– alles zwischen 2°C und 10°C globaler Erwärmung bis 2300 ist möglich“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, das die Veranstaltung gemeinsam mit dem International Institute for Applied System Analysis (IIASA) ausrichten wird. „Die Folgenforschung ist ihren Kinderschuhen entwachsen und vermag endlich die dramatischen sektoralen und regionalen Bilder zu zeichnen, die spezifische Zunahmen der mittleren Erdoberflächentemperatur mit sich bringen können“.

Die interaktive, diskussionsbasierte Konferenz zielt darauf ab, eine neue Vision der Klimafolgenforschung zu entwickeln und soll das Fundament für regelmäßige, gemeinschaftlich bestimmte Überblicke über die Ergebnisse der Klimafolgenforschung legen. Das laufende Inter-Sectoral Impact Model Intercomparison Project (ISI-MIP) stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg in Richtung eines umfassenden und quantitativen Verständnis der Folgen des Klimawandels dar. Projektergebnisse werden auf der Konferenz vogestellt.

Das Treffen vom 27. Bis 30. Mai 2013 bringt führende Wissenschaftler und Entscheidungsträger von lokaler bis internationaler Ebene zusammen und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Mit Blick auf eine neue Architektur der Folgenforschung stehen fünf grundsätzliche Herausforderungen im Mittelpunkt: Können wir bestehendes Wissen sektorübergreifend integrieren? Welche Teile fehlen uns noch? Wie sicher sind wir uns? Wie überbrücken wir die Kluft zwischen regionalen und globalen Studien zu Klimafolgen? Hört uns überhaupt jemand zu?

Der call for papers läuft bis zum 15.Dezember 2012.

Website der Weltklimafolgenkonferenz IMPACTS WORLD 2013

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Vier-Grad-Dossier für Weltbank: Unplanbare Risiken einer Zukunft ohne Klimaschutz

Freitag 23. November 2012 von birdfish

Die Treibhausgas-Emissionen der Menschheit brechen jedes Jahr neue Rekorde.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Daher befinden wir uns auf einem Kurs, der schon bis zum Ende des Jahrhunderts zu einer Erderwärmung von vier Grad Celsius führen dürfte. Und somit in eine Welt mit Risiken außerhalb der Erfahrung unserer Zivilisation. Dazu zählen Hitzewellen, besonders in den Tropen, ein Hunderte Millionen Menschen betreffender Anstieg des Meeresspiegels, und Missernten, welche die globale Ernährungssicherheit gefährden – das zeigt ein für die Weltbank erstellter Report des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und von Climate Analytics aus Berlin.
Betroffen seien vor allem die Armen dieser Welt, für die Entwicklung ohne Klimaschutz nach Lage der Fakten kaum möglich sei.

„Die planetarische Maschinerie neigt zu Bocksprüngen, also unverhältnismäßigen Reaktionen auf Störungen, wie sie der menschengemachte Treibhauseffekt mit sich bringt”, betont Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK. „Wenn wir uns weit über die Zwei-Grad-Linie hinauswagen, also in Richtung vier Grad, laufen wir Gefahr, Kipp-Punkte im Erdsystem zu überschreiten.“ Dies könnte bei den weltweit vom Kollaps bedrohten Korallenriffen der Fall sein, oder beim kilometerdicken Eisschild Grönlands. Dessen Schmelze würde Jahrtausende dauern, könnte aber schon bald unwiderruflich beginnen. „Der einzige Weg, dies zu vermeiden, ist ein Bruch mit den vom Zeitalter fossiler Brennstoffe geprägten Mustern von Produktion und Konsum“, so Schellnhuber.

Bereits heute sind Folgen des Klimawandels beobachtbar. So hat die Hitzewelle in Russland 2010 vorläufigen Schätzungen zufolge Tausende von Opfern gefordert, die Ernten um ein Viertel verringert, und 15 Milliarden US-Dollar wirtschaftlichen Schaden hinterlassen. Solche Extreme würden bei 4 Grad Celsius globaler Erwärmung in Teilen der Welt „die neue Normalität“, heißt es in dem Report. In den Tropen könnten Ende des Jahrhunderts die kühlsten Monate deutlich wärmer sein als die heißesten Monate der Gegenwart.

Der Meeresspiegel kann bei 4 Grad globaler Erwärmung in diesem Jahrhundert 50 bis 100 Zentimeter steigen, und danach noch deutlich höher. Dabei ist dieser Anstieg regional unterschiedlich stark, dies hängt von Meeresströmungen und anderen Faktoren ab. Am höchsten wird das Meer den Projektionen zufolge an den Küsten von Ländern wie den Philippinen, Mexiko, Indien steigen.

Auch innerhalb von wirtschaftlichen Sektoren kann es zu Kippeffekten mit plötzlich rasant ansteigenden Schäden kommen, etwa in der Landwirtschaft. So wurde bereits beobachtet, dass wichtige Getreidesorten ab bestimmten Temperaturen überaus empfindlich reagieren, was zu großflächigen Ernteausfällen führen kann. Veränderungen im Wasserkreislauf können hierbei erschwerend hinzukommen, etwa wenn Dürren vorherrschen oder landwirtschaftliche Flächen überflutet werden.

„Der Report arbeitet den gegenwärtigen Stand der Forschung auf und liefert neue Analysen zu Hitzewellen und zum regionalen Meeresanstieg. Natürlich bleiben hierbei Unsicherheiten“, erklärt William Hare, Mitbegründer von Climate Analytics in Berlin und zugleich Gastwissenschaftler am PIK. „Wir greifen das auf, indem wir Risiko definieren als ‚Schadenspotenzial multipliziert mit der Eintritts-Wahrscheinlichkeit’. Auch ein relativ unwahrscheinliches Ereignis kann ein großes Risiko darstellen, wenn seine möglichen Auswirkungen groß genug sind.“

Der erst in diesem Jahr von US-Präsident Barack Obama als neuer Weltbank-Chef vorgeschlagene Jim Yong Kim, seit Juli im Amt, hatte sich kürzlich von Schellnhuber persönlich in Washington D.C. den Bericht vorstellen lassen. „Eine vier Grad wärmere Welt kann und muss vermieden werden – wir müssen die Erwärmung unter zwei Grad halten“, sagte Kim nun in einer Erklärung. „Untätigkeit gegenüber dem Klimawandel droht, die Welt, die unsere Kinder von uns erben, zu einer ganz anderen zu machen als jene, in der wir heute leben. Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Entwicklung, und wir müssen die moralische Verantwortung dafür übernehmen, im Namen kommender Generationen zu handeln, besonders für die Ärmsten.“

Komplettfassung des Reports (engl., PDF)

Globale Führungspersönlichkeiten zum Weltbankbericht “Turn Down The Heat” (engl., PDF)

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Klimawandel bedroht letzte Bambusbären – Magere Zeiten für den Großen Panda

Dienstag 13. November 2012 von birdfish

„Der große Panda könnte zu den prominentesten Opfer des Klimawandels gehören“, befürchtet Volker Homes, Leiter des Fachbereichs Artenschutz beim WWF Deutschland.

Großer Panda
Großer Panda bald ohne Futter? – Foto: John Mac Kinnon / WWF-Canon

Er bezieht sich dabei auf eine aktuelle Veröffentlichung einer  chinesisch-amerikanischen Gruppe von Wissenschaftlern in der Zeitschrift Nature Climate Change.

Die Forscher haben die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wachstum verschiedener Bambusarten im Nordwesten Chinas in Modellrechnungen simuliert.

„Die Ergebnisse lassen alle Alarmglocken schrillen“, so der WWF. Die Untersuchung zeigt, dass sich die Wachstumsbedingungen für mehrere Bambusarten, die Hauptnahrung der Pandas, deutlich verschlechtern dürften. Durch ein geringeres Nahrungsangebot schwinden die Überlebenschancen der ohnehin stark bedrohten schwarz-weißen Bären noch einmal.

Der WWF fordert eine Doppelstrategie, um der Gefahr entgegenzutreten. Neben verstärkten Klimaschutzanstrengungen sei es entscheidend, Wanderwege und ausreichend große Lebensräume für die Pandas zu schaffen, damit sie in mageren Zeiten in andere Gebiete ausweichen können. Generell gehöre der Klimawandel, neben der Zerstörung der Lebensräume zu den größten Gefahren für  Artenvielfalt. „Der Panda ist dafür ein besonders markantes Beispiel“, so Volker Homes vom WWF. Er weist darauf hin, dass inzwischen für bis zu 30 Prozent Tier- und Pflanzenarten der Klimawandel eine ernst zu nehmende Bedrohung darstellt.

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Wie Bayern dem Klimawandel begegnen kann – FORKAST legt Ergebnisse seiner Arbeit vor

Sonntag 11. November 2012 von birdfish

Wälder, Graslandschaften und Seen bedecken einen Großteil Bayerns und spielen wirtschaftlich eine bedeutende Rolle.

FORKAST

Um Klimafolgen für diese Ökosysteme besser einschätzen zu können, rief das Bayerische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst 2009 den Bayerischen Forschungsverbund FORKAST („Auswirkungen des Klimas auf Ökosysteme und klimatische Anpassungsstrategien“) ins Leben. Zum Ende seiner Laufzeit legt der Verbund jetzt im Rahmen einer Abschlussveranstaltung in Nürnberg die Ergebnisse seiner Arbeit vor und gibt Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung, Verantwortliche in Nationalparks sowie die interessierte Öffentlichkeit. Unter anderem raten die Wissenschaftler, die heimische Artenvielfalt zu schützen, um den Auswirkungen des Klimawandels erfolgreich entgegenzutreten.

Im Zuge des globalen Klimawandels rechnen Klimaforscher mit einer deutlichen Erwärmung sowie sich ändernden Niederschlagsverhältnissen und jahreszeitlichen Rhythmen. Für die Ökosysteme und die menschliche Gesellschaft noch gravierender sind jedoch die Auswirkungen klimatischer Extremereignisse wie Dürre, Starkregen und Stürme. Diese werden, wie auch der Weltklimarat der Vereinten Nationen vor Kurzem in einem Sonderbericht bestätigte, weltweit zunehmen, sowohl in der Häufigkeit als auch in der Stärke.

FORKAST simulierte diese klimatischen Veränderungen in großangelegten Experimenten und mithilfe von Modellen an verschiedenen Standorten in Bayern. Gleichzeitig lieferten verschiedene Monitoring-Projekte, die unter anderem auf bisherigen Klimaänderungen beruhten, wichtige Erkenntnisse. Während sich manche zu erwartende Folge des Klimawandels wohl durchaus vorteilhaft nutzen lässt, erfordern andere rasche Gegenmaßnahmen. Die Ergebnisse stoßen vor allem bei den Bayerischen Staatsministerien für Umwelt und Gesundheit sowie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf großes Interesse, die bereits heute die Weichen für die zukünftige Bewirtschaftung stellen müssen.

Waldforschung: Keine Entwarnung

Wie kein zweiter Wirtschaftszweig ist die Forstwirtschaft aufgrund der langen Lebensspanne von Bäumen zu vorausschauendem Handeln aufgerufen. Dabei sind katastrophale Auswirkungen durch Dürren bei den heimischen Laubbäumen bisher ausgeblieben: Den Jahrhundert-Sommer 2003 überstanden Buchen und Eichen vergleichsweise gut, und an gefährdeten Standorten ersetzen Förster die empfindliche Fichte bereits kontinuierlich durch Laubwälder. Allerdings geben die Klimaszenarien keine Entwarnung. Bei der relativ robusten Rotbuche stellten die Forscher zwar deutlich unterschiedliche Reaktionen auf Klimaextreme fest. Generell raten sie jedoch davon ab, nur einzelne “bestangepasste” Herkünfte zu fördern. Vielmehr empfehlen sie, die genetische Vielfalt zu erhalten und damit das natürliche Anpassungspotenzial einer Art zu sichern. Wo es auch für die Rotbuche zu trocken wird (wie Modellanalysen für den Schweinfurter-Würzburger Raum zeigen), ist die Förderung von Eichen-Mischwäldern mit Hainbuche, Linde, Elsbeere oder auch Esskastanie ratsam. Auch Wärme und Trockenheit liebende Arten wie die Schwarzkiefer oder Flaumeiche können hier eine zunehmende Rolle spielen. Zudem werden auch alte und neue Schädlinge wie Insekten und Pilze vom sich ändernden Klima profitieren können und verlangen daher erhöhte Aufmerksamkeit.

Grünlandforschung: Handlungsbedarf vor allem in den Alpen

Auch im Grünland erwiesen sich artenreiche Pflanzengemeinschaften als beste Versicherung gegen Dürre. Ebenso wie bei den Wäldern gilt es daher, die Artenvielfalt und die genetische Vielfalt innerhalb einzelner Arten zu erhalten. Die Versuche zeigen, dass die Biomasseproduktion selbst bei starker Dürre stabil bleibt und sich die Vegetation schnell wieder erholt. So konnte FORKAST Mechanismen aufzeigen, die Pflanzen der Tieflagen bei Klimaerwärmung ein Leben in höheren Lagen ermöglichen. Im Gegensatz dazu schadet das Fehlen notwendiger Kälteperioden bestimmten alpinen Arten. Darüber hinaus können klimatische Extreme die Blütezeit verschieben, was sich auf biotische Interaktionen wie etwa die Bestäubung auswirken kann. Die Forscher raten gerade in den Alpen zu einer extensiven Beweidung der Grünflächen, um die hohe Pflanzenvielfalt zu erhalten und seltene (Schmetterlings-)Arten, die für die dortigen Pflanzen-Bestäuber-Systeme von eminenter Wichtigkeit sind, zu schützen.

Binnengewässer-Forschung: Das Eindringen nicht-heimischer Pflanzen-Arten kontrollieren

Bezüglich der bayerischen Gewässer interessierte den Verbund insbesondere die potenzielle Invasion nicht-heimischer Wasserpflanzen, die durch eine Erhöhung der Wassertemperatur zu befürchten ist. Die Forscher untersuchten die Ausbreitung zweier invasiver, nicht-heimischer Arten: der Schmalblättrigen Wasserpest und des Nixenkrauts. Um den ökologischen Zustand der Gewässer zu erhalten, empfehlen sie die gezielte Förderung heimischer, nicht-invasiver Pflanzen – etwa des Zwerg-Laichkrauts und des Ährigen Tausendblatts – sowie die regelmäßige Kontrolle der Seen auf invasive Arten. Eine Möglichkeit, diese zurückzudrängen, fanden sie in Matten aus Jutegewebe, die Wasserpest und Nixenkraut unterdrückten, während heimische Arten ungehindert wachsen konnten.

Mikrobiologie: Dürre verringert vorübergehend die Bodenqualität

Die Qualität von Böden wird maßgeblich durch die Aktivität von Bakterien, Pilzen und Archaeen („Ur-Bakterien“) bestimmt. Sie zersetzen organisches Material und reichern den Boden dadurch mit Nährstoffen an, welche die Basis für Pflanzenwachstum bilden. Die Ergebnisse zeigen, dass Starkregen-Ereignisse kaum Auswirkungen auf diese Aktivitäten und damit auf die Nährstoffkreisläufe haben. Unter extremer Dürre hingegen vermindert sich die Leistungsfähigkeit von Böden in Abhängigkeit des Dürrezeitpunktes teilweise deutlich. Die Regeneration setzt jedoch sehr schnell wieder ein, sobald Niederschlagsereignisse stattfinden.

Treibhausgasaustausch: Klimawandel birgt Gefahren und Chancen gleichermaßen

Grünland – insbesondere Moore – bindet Kohlenstoffdioxid und wirkt damit dem Treibhauseffekt, der Ursache für die globale Erwärmung, entgegen. Dabei sind extensiv genutzte Wiesen in Mittelgebirgslagen ein effektiver Kohlenstoffspeicher, sodass diese Wiesen besonders geschützt werden sollten. Dabei ist es weltweit erstmals gelungen genau zu quantifizieren, welche Pflanzenteile wie viel des aufgenommenen Kohlendioxids fixieren. Für Moore rät FORKAST den Wasserstand zu erhöhen, die dortige Artenvielfalt zu fördern und gleichzeitig die Nutzungsintensität zu verringern. Talnahe Mittelgebirgswiesen erfordern dagegen keine Anpassungsstrategien. In alpinen Grasländern hat die Erhöhung der Temperatur sogar einen insgesamt eher positiven Effekt auf den Treibhausgasaustausch.

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